Das Forum Rezyklat, ein von GS1 Germany koordiniertes Branchennetzwerk, hat zum März 2026 neue Mitglieder aus dem Bereich Molkereiprodukte aufgenommen. Damit wächst die Initiative, die sich der Förderung von Rezyklaten in Verpackungen verschrieben hat, um Akteure, die in der Praxis intensiv mit Kunststoffverpackungen in der Lebensmittelkette arbeiten.
Im Fokus steht nun verstärkt das Thema Polystyrol (PS). Der thermoplastische Kunststoff kommt in der Lebensmittel- und Getränkeverpackung häufig vor – etwa in Joghurtbechern, Dessertschalen oder Verpackungen für Milchfrischprodukte. Trotz seiner weiten Verbreitung gilt PS als einer der problematischsten Kunststoffe im Hinblick auf geschlossene Wertstoffkreisläufe: Sortenreine Erfassung, Aufbereitung zu qualitativ hochwertigem Rezyklat und der Wiedereinsatz in lebensmittelrelevanten Anwendungen sind technisch und logistisch anspruchsvoll.
Das Forum Rezyklat will diese Lücke schließen, indem es Hersteller, Handel, Verpackungslieferanten und Recycler entlang der Wertschöpfungskette zusammenbringt. Die Integration von Unternehmen aus der Molkereiwirtschaft ist dabei strategisch bedeutsam: Milchverarbeitungsbetriebe zählen zu den größten Abnehmern von PS-Verpackungen im Lebensmittelbereich und können als Nachfrager von Rezyklaten eine Hebelwirkung auf die Marktentwicklung entfalten.
Hintergrund ist auch der regulatorische Druck: Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) sieht verbindliche Mindestanteile an Rezyklaten in Kunststoffverpackungen vor, die schrittweise steigen. Für Lebensmittelkontaktmaterialien gelten dabei besonders strenge Anforderungen an die Reinheit und Unbedenklichkeit des eingesetzten Sekundärmaterials – ein Punkt, bei dem PS bislang Schwächen zeigt und an dem das Forum Rezyklat laut eigener Aussage ansetzen will.
GS1 Germany fungiert als neutrale Koordinationsplattform und bringt Standardisierungs-Know-how ein, das für Rückverfolgbarkeit und Nachweisführung im Rezyklat-Kreislauf relevant ist – etwa beim Datenabgleich zwischen Verpackungsherstellern, Abfüllern und Recyclingunternehmen. Die Einbindung von Molkereiakteuren schafft zudem Anknüpfungspunkte für konkrete Pilotprojekte im Bereich PS-Sammlung und -Verwertung.
Für die Molkerei- und Lebensmittelverpackungsindustrie markiert die Erweiterung des Forums einen praxisrelevanten Schritt hin zu einer kreislauffähigeren Verpackungsgestaltung. Ob und in welchem Umfang PS künftig in geschlossenen Werkstoffkreisläufen zirkulieren kann, dürfte maßgeblich von den Ergebnissen solcher Brancheninitiativen sowie von Investitionen in entsprechende Sortier- und Aufbereitungskapazitäten abhängen.
Quelle: GS1 Germany – https://www.presseportal.de/pm/63545/6234051




