Ob Milchpulver, Trockenfrüchte, Instantkaffee, Suppenpulver oder Trockenfleisch – entwässerte Lebensmittel sind in nahezu allen Segmenten der Nahrungsmittelindustrie präsent. Das Prinzip dahinter ist so simpel wie wirkungsvoll: Durch die gezielte Reduktion des Wassergehalts sinkt die Wasseraktivität (aw-Wert) eines Produkts unter jene Schwelle, bei der Mikroorganismen wachsen und enzymatische Reaktionen ablaufen können. Gleichzeitig werden Volumen und Gewicht reduziert, was Lagerung und Transport erleichtert. Industrielle Trocknungsprozesse sind jedoch alles andere als trivial: Sie müssen Energieeffizienz, Produktqualität, Lebensmittelsicherheit und Durchsatzrate in Einklang bringen.
Technisch beschreibt Trocknung den Vorgang des Stofftransports: Wasser muss zunächst im Inneren des Produkts zur Oberfläche diffundieren und dort in die umgebende Gasphase übergehen. Diese beiden Schritte – innerer Stofftransport und äußerer Stoffübergang – bestimmen gemeinsam die erreichbare Trocknungsgeschwindigkeit. Je nach Produkt dominiert einer der beiden Widerstände, was die Wahl des geeigneten Trocknungsverfahrens und der Prozessparameter maßgeblich beeinflusst.
Physikalische Grundlagen: Trocknungsphasen und Einflussgrößen
Der Trocknungsverlauf lässt sich idealtypisch in zwei Phasen unterteilen. Im ersten Trocknungsabschnitt ist die Oberfläche des Produkts vollständig mit freiem Wasser bedeckt. Die Trocknungsgeschwindigkeit ist in dieser Phase konstant und wird allein durch die äußeren Bedingungen – Temperatur, Luftfeuchte und Strömungsgeschwindigkeit der Trocknungsluft – bestimmt. Sobald der sogenannte kritische Feuchtegehalt unterschritten ist, beginnt der zweite Trocknungsabschnitt: Die Oberfläche trocknet aus, die feuchte Zone wandert ins Produktinnere, und der innere Diffusionswiderstand wird zur bestimmenden Größe. Die Trocknungsgeschwindigkeit nimmt ab.
Zu den wesentlichen Einflussgrößen zählen neben Temperatur und relativer Luftfeuchte auch die Partikelgröße, Porosität und Geometrie des Trocknungsguts sowie dessen chemische Zusammensetzung. Zucker- und salzreiche Produkte weisen ein anderes Sorptionsverhalten auf als proteinreiche oder stärkehaltige Matrices. Das Sorptionsisothermen-Modell – etwa nach Guggenheim-Anderson-de Boer (GAB) – liefert die notwendige Datenbasis, um Zielfeuchtegehalte und Gleichgewichtszustände produktspezifisch zu beschreiben.
Konvektionstrocknung: Bandtrockner, Sprühtrockner und Wirbelschicht
Die Konvektionstrocknung ist das in der Lebensmittelindustrie mit Abstand am häufigsten eingesetzte Prinzip. Erhitzte Luft oder ein anderes Trägergas strömt über oder durch das Trocknungsgut und nimmt Feuchtigkeit auf. Bandtrockner eignen sich für stückige oder empfindliche Produkte wie Gemüsescheiben, Kräuter oder Teigwaren. Das Produkt liegt auf einem perforierten Förderband und wird von Warmluft durchströmt, wobei Temperaturzonen über die Bandlänge variiert werden können.




