Ultraschall gehört zu den sogenannten nicht-thermischen Verfahren der Lebensmittelverarbeitung und gewinnt in der Obst- und Gemüseindustrie zunehmend an Bedeutung. Im Gegensatz zu klassischen Wärmeprozessen arbeitet die Ultraschallbehandlung ohne nennenswerten Temperatureintrag und schont damit hitzeempfindliche Inhaltsstoffe wie Vitamine, Aromastoffe und bioaktive Verbindungen. Gleichzeitig lassen sich mikrobiologische Reduktionen, beschleunigte Stofftransporte und verbesserte Produktqualitäten erzielen, die mit konventionellen Methoden nur schwer oder unter größerem Energieaufwand erreichbar wären.
Die Einsatzbereiche reichen von der Rohwarenaufbereitung über die Extraktion und Filtration bis hin zur Oberflächendekontamination von Schnittgut und Beeren. Da es sich um ein physikalisches Wirkprinzip ohne chemische Zusätze handelt, fügt sich das Verfahren gut in Clean-Label- und Nachhaltigkeitsstrategien der Lebensmittelindustrie ein. Für einen zielgerichteten Einsatz müssen Ingenieure und Techniker jedoch die zugrunde liegenden Mechanismen sowie die anlagenspezifischen Parameter genau kennen.
Physikalische Grundlagen: Kavitation als zentrales Wirkprinzip
Ultraschall im verarbeitungstechnisch relevanten Bereich erstreckt sich typischerweise über Frequenzen von 20 kHz bis etwa 100 kHz. Bei Frequenzen unterhalb von 1 MHz spricht man von Leistungsultraschall (Power Ultrasound), der mechanische Effekte im Medium erzeugt. Der entscheidende Mechanismus ist die akustische Kavitation: Durch Druckwechsel im flüssigen Medium entstehen mikroskopisch kleine Gasblasen, die bei ausreichendem Energieeintrag implodieren. Beim Kollaps dieser Kavitationsblasen treten lokal extreme Bedingungen auf – Temperaturen von mehreren Tausend Kelvin und Drücke von über 100 MPa – die jedoch räumlich so eng begrenzt sind, dass das Gesamtmedium kalt bleibt.
Neben der Kavitation erzeugt Ultraschall im Medium akustisches Streaming, also gerichtete Flüssigkeitsströmungen, sowie Mikroströmungen in Blasennähe. Diese Effekte beschleunigen den Stofftransport an Phasengrenzen, destabilisieren Biofilme, perforieren Zellmembranen und fördern die Freisetzung intrazellulärer Inhaltsstoffe. Die Intensität der Kavitation hängt von Frequenz, Schallleistung, Temperatur, Viskosität und dem Gasgehalt des Mediums ab – Parameter, die bei der Prozessauslegung systematisch berücksichtigt werden müssen.
Anwendungsfelder in der Obst- und Gemüseverarbeitung
Das technisch am weitesten verbreitete Einsatzfeld ist die ultraschallunterstützte Wasch- und Reinigungsstufe. Beim Waschen von Blattgemüse, Beeren oder Wurzelgemüse löst die Kavitation anhaftende Partikel, Pestizidresiduen und Mikroorganismen von der Oberfläche effektiver ab als konventionelle Spritz- oder Tauchsysteme. Gleichzeitig reduziert sich der Wasserverbrauch, da die mechanische Reinigungsleistung des Ultraschalls den Einsatz von Netzmitteln teilweise ersetzt. In Kombination mit geringen Konzentrationen von Chlordioxid oder Ozon lassen sich synergistische Dekontaminationseffekte erzielen.




