dei: Herr Bauer, Danfoss hat mit seinen Frequenzumrichtern einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der elektrischen Antriebstechnik. Wie hat das alles begonnen?
Bauer: Seit seiner Erfindung 1889 ist das Hauptproblem des Asynchronmotors seine Regelbarkeit. Durch den festen Zusammenhang zwischen Drehzahl und Netzfrequenz ist die Drehzahl fest vorgegeben. Anlässlich einer Tagung 1966 stellten sich Danfoss-Ingenieure dieser Aufgabenstellung und suchten eine serienreife Lösung dafür. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur spezielle Anpassungen, die eine Drehzahllösung erlaubten. Dann gelang 1968 der Durchbruch mit dem in Serie gefertigten Frequenzumrichter. Auch wenn es damals nur 14 Geräte im ersten Jahr waren, war dies der Startschuss. Allerdings dauerte es noch ein paar Jahre bis zum Durchbruch der Technologie für den Massenmarkt, bis die Geräte kleiner und wirtschaftlich interessanter wurden.
dei: Sie sprachen davon, dass der Durchbruch etwas Zeit brauchte. Welche Faktoren waren für den letztendlichen Erfolg ausschlaggebend?
Bauer: Ausgehend von den ersten ölgekühlten Geräten 1968, war einer der wichtigsten Schritte die Luftkühlung, die für wesentlich kleinere Geräte sorgte. Danach folgte in der nächsten Entwicklungsstufe die Einführung digitaler Geräte Ende der 80er Jahre. Auch hier war Danfoss führend. Erste branchenspezifische Frequenz-umrichter kamen in den frühen 90ern auf den Markt, zum Beispiel für HVAC oder Wasser/Abwasser-Anwendungen. Gleichzeitig sorgte die Einführung der Bustechnologien für eine zunehmende Verbreitung im Markt. Inzwischen sind die Antriebe modular aufgebaut und vereinen immer mehr Funktionen und mehr Intelligenz. Dies erschließt neue Aufgaben- und Einsatzbereiche. Gleichzeitig sorgt die Energiedebatte für ein verstärktes Interesse an den Geräten.
dei: Wo liegt die besondere Bedeutung der Frequenzumrichtertechnologie für die Entwicklung der Antriebstechnik?
Bauer: Frequenzumrichter haben einen großen Einfluss auf die moderne Antriebstechnik. Nicht zuletzt waren sie es, die die kostengünstigen, robusten und wartungsarmen Drehstromasynchronmaschinen zum Standardmotor in vielen Anwendungen machten. Und die elektronische Drehzahlsteuerung ermöglichte an vielen Stellen überhaupt erst eine Prozessoptimierung, die Steigerung der Produktqualität und eine bessere Auslastung der Produktionslinien. Zudem half die Miniaturisierung in der Elektronik dabei, kompaktere Anlagen zu bauen, die dem Anwender durch die integrierte Intelligenz hohe Flexibilität bei Prozessauswahl und -gestaltung bringen und eine Vielzahl neuer Funktionen im Sicherheits- und Steuerungsbereich bereitstellen. Im Augenblick zählen moderne Frequenzumrichter zu den effektivsten Mitteln, um für die in der Diskussion um Klimawandel und Erderwärmung geforderte Energieeinsparung zu sorgen. Nur effiziente Gesamtsysteme werden den Bedarf an Energie schnell und wirksam senken.




