Deutschland im Jahr 1946 – Stunde null für Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft. In Vaterstetten bei München hat Erwin Sick in dieser schwierigen Zeit den Mut, Pioniergeist zu beweisen und seine Überzeugung zu verwirklichen. Seine Idee: Optik mit Elektronik für friedliche Zwecke zum Nutzen des Menschen kombinieren. Als „Erfinder aus Leidenschaft“, wie er sich selbst bezeichnet, will er „Geräte mit Pfiff“ entwickeln, die „mehr als andere können“ – sich durch Innovation, Qualität und besonderen Nutzen auszeichnen und abheben. Mensch und Umwelt schützen – die persönliche Motivation von Erwin Sick ist nicht nur Triebfeder seines unternehmerischen Handelns, sondern weist der jungen Firma früh den Weg in nachhaltige Wachstumsmärkte.
Ende September 2016 feierte die Sick AG ihr 70-jähriges Jubiläum feiern. Was Gisela und Erwin Sick ursprünglich als „gesunden Mittelbetrieb mit 80 bis 100 ausgesuchten Kräften“ aufbauen wollten, ist heute einer der weltweiten Technologie- und Marktführer für Sensoren und Sensorlösungen für industrielle Anwendungen – ein Global Player mit mehr als 7400 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 1,3 Mrd. Euro im Jahr 2015.
Die ersten Aufträge akquirierte Erwin Sick 1949 auf der Messe „Achema – Ausstellungstagung für chemisches Apparatewesen“. Auf der „Deutschen Erfinder- und Neuheiten- Messe“, die im Juni 1951 in München stattfand, präsentierte er das erste Modell seines Lichtvorhangs und erhielt ein Diplom für „schöpferische Sonderleistung“. Am 20. Oktober erfolgte die Patentanmeldung des Lichtvorhangs nach dem Autokollimationsprinzip. Diese Anmeldung bedeutete den technischen Durchbruch.
Da das Unternehmen expandierte, reichte die Baracke der Familie bald nicht mehr aus. Sick zog von München ins badische Oberkirch um. Am neuen Standort produzierten die Mitarbeiter das Druckmarkensteuergerät und den Lichtvorhang in kleinen Serien. Neben deutschen Unternehmen wussten zu dieser Zeit bereits Kunden aus Frankreich, Italien und der Schweiz die Produkte zu schätzen. Schon zwei Jahre später, 1956, zog das Unternehmen aufgrund des weiter gestiegenen Platzbedarfs erneut um, diesmal nach Waldkirch. In den folgenden Jahren wuchs das Unternehmen weiter. Erwin Sick gründete 1960 in München zusätzlich das Institut für Automation, in dem neue Technologien entwickelt wurden. Der Betrieb in Waldkirch blieb für die Weiterentwicklung und Produktion zuständig.
Anfang der 70er-Jahre begann das Unternehmen seine internationale Expansion. Die erste Tochtergesellschaft wurde 1972 in Frankreich gegründet, bereits 1975 erfolgte die Gründung einer Vertriebsgesellschaft in den USA. 1976 firmierte das bislang als Einzelfirma geführte Unternehmen in die Erwin Sick GmbH Optik-Elektronik um. Das Unternehmen investierte 10 Mio. DM in einen Neubau in der Sebastian-Kneipp-Straße, der heutigen Erwin-Sick-Straße, in Waldkirch. Auf mehr als 13 000 m² fanden 1977 die Entwicklung, Produktion, Verwaltung und Sozialeinrichtungen Platz. Auch eine Lehrwerkstatt konnte gegründet werden.




