Ole Messing
Immer mehr Länder bauen die staatlichen Beschränkungen des Ethanolhandels ab. Seit einiger Zeit lautet die Devise: Liberalisieren und Deregulieren. Die Schweiz muss mit dieser internationalen Entwicklung Schritt halten. Durch die Lockerung der Handelsbeschränkungen dürfte dem bisherigen Monopolisten, der Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV), einige Konkurrenz erwachsen. Rein theoretisch könnte dann jeder Eidgenosse Ethanol herstellen und innerhalb der Landesgrenzen verkaufen.
Der Bund stellt sich dem Wettbewerb und hat frühzeitig reagiert. So gründet die EAV schon Jahre vor der zu erwartenden Gesetzesänderung ein Profitcenter. Alcosuisse soll den Schweizer Kunden auch nach der Privatisierung Produkte und Dienstleistungen zu marktgerechten Preisen und Konditionen anbieten. Um diesen Anspruch Wirklichkeit werden zu lassen, haben die Schweizer nicht zuletzt in die Technik investiert. Im Jahr 2009 hat das Profitcenter die automatisierte Bestandsführung inklusive der gesamten Messtechnik in einem seiner beiden Tanklager rundum erneuert. In den 44 Tanks von Alcosuisse in Delémont, im französischsprachigen Kanton Jura, lagern bis zu 23 Mio. l Ethanol in den verschiedensten Qualitäten, die in nahezu allen Industriezweigen Verwendung finden. Der Wunsch des Auftraggebers: Ein eichfähiges Bestandsführungssytem, das eine optimale Bewirtschaftung sicherstellt.
Für die Evaluation hatte der Bund eine Liste mit knapp 50 Kriterien erstellt. In die Wertung gingen nicht nur technische Details ein, sondern auch Aspekte, wie Sprache, Entfernung, Service, Ersatzteilgarantie und Unternehmensgröße, auch das Thema Gleichstellung spielte eine Rolle. Am Ende hatte Endress+Hauser mit der angebotenen Lösung des Tank-Management-Systems Tankvision am meisten Punkte gesammelt.
Im Laufe des vergangenen Jahres lieferte das Familienunternehmen eine Komplettlösung für die automatisierte Bestandsführung, leitete die mechanische Montage und übernahm die Inbetriebnahme sowie die Schulung des Personals.
Zu einem Bestandsführungssystem gehören normalerweise Feldgeräte zur Messung von physikalischen Größen, wie Füllstand, Temperatur usw., eine Remote-Terminal-Unit (RTU) zur Aufnahme der Signale aus dem Feld und ein PC-basiertes Tank-Management-System, meist mit Windows-Betriebssystem. Anders bei Endress+Hauser. Das Unternehmen hat ein integriertes Inventory-Management-System entwickelt. Das Embedded-System, bei dem RTU und Tank-Management-System zu einer Einheit verschmolzen sind, bietet jede Menge Vorteile. Die grafische Benutzeroberfläche wird über einen integrierten Webserver realisiert. Dynamische Darstellungen ermöglichen es, Tanks beispielsweise nach Produkt, Standort oder Alarmzustand in tabellarischer oder grafischer Form zu gruppieren und darzustellen. Die Visualisierung und Bedienung kann per Internetbrowser an einem oder sogar gleichzeitig an mehreren PCs erfolgen. Es existieren keine Abhängigkeiten vom Betriebssystem oder deren Updates. Von Unterhalt- und Wartungskosten PC-basierter Systeme ganz zu schweigen.




