Der Strombedarf von elektrisch beheizten Durchlaufbacköfen ist naturgemäß hoch und liegt bei den von Freiberger eingesetzten Pizzaöfen bei 450 kW. Dies entspricht der Motorleistung eines V12-Verbrennungsmotors mit über 600 PS. Die Energieversorgung erfolgt über zwei parallel geschaltete Niederspannungstransformatoren mit einer Leistung von jeweils 1250 kVA und einem Kurzschlussniveau von ca. 60 kA. Um derartige Leistungen im Fehlerfall sicher ausschalten zu können, kommen zwei NZM3-630A-Leistungsschalter mit 150-kA-Kurzschlussausschaltvermögen zum Einsatz. Für den bestmöglichen Schutz des Bedienpersonals und der Öfen ist eine exakte Einstellung des maximalen Bemessungsstromes erforderlich, damit bei Überlast im Fehlerfall sofort abgeschaltet wird. Der Bemessungsstrom des Ofens hängt dabei vorrangig von der aufzuheizenden Masse, also der Anzahl der Pizzen im Ofen, sowie der gewünschten Durchlaufgeschwindigkeit und der Zahl der Backetagen ab. Im Kurzschlussfall muss der Leistungsschalter in der Lage sein, den Pizzaofen in 0,04 s abzuschalten.
Die Leistungsschalter der NZM-Gerätereihe leiten die Energie zu den angeschlossenen Verbrauchern und schalten diese – etwa bei Überlast oder Kurzschluss – zuverlässig ab. Einsatzgebiete sind Anlagen- und Kabelschutz, Motorschutz oder der Selektiv- und Generatorschutz. Kernstück eines jeden NZM bildet die Auslöseelektronik, sie erfasst die aktuellen Ströme nicht nur schnell, sondern bewertet diese auch. So erfolgt beim Überschreiten der parametrierten Auslöseschwellen unverzüglich eine Abschaltung. Das vermeidet Schäden an Maschinen oder Anlagen. Damit die nicht betroffenen Anlagenteile ihren Betrieb ungestört aufrechterhalten können, werden in Energieverteilungen zumeist ein Einspeiseschalter und mehrere Abgangsschalter hierarchisch angeordnet und deren Parametrierung selektiv aufeinander abgestimmt. Zum optimalen Abstimmen der Schalter sind die Parameter grafisch in Form von Auslösekennlinien darstellbar und vereinfachen so die Inbetriebnahme.
Aus den aktuell erfassten Strömen leitet die Auslöseelektronik wichtige Betriebs- und Diagnosedaten ab. Werden Lastwarnungen oder Überlasten identifiziert, lassen sich frühzeitig Maßnahmen einleiten, bevor es zu einem Anlagenstillstand kommt. Fand dennoch eine Abschaltung statt, können der Auslösegrund und die davor liegenden letzten Ereignisse aus der Elektronik ausgelesen werden. Diese Historiefunktion erfasst Ereignisse wie Kurzschluss, Lastwarnung, betroffene Phase oder unsymmetrische Phasenbelastung. Eine Störung ist angesichts dieser relevanten Hinweise zügig zu beseitigen. Zudem schaffen die Strom- und Statuserfassung, die Fernschaltung der Schalter und gegebenenfalls aller angeschlossenen Motorstarter die Voraussetzungen für ein tarifoptimiertes Last- und Energiemanagement. Das Unternehmen Freiberger setzt außerdem ein Data Management Interface (DMI) von Moeller ein. Damit stehen dem Pizzaproduzenten nicht nur die bereits beschriebenen Funktionen zur Verfügung, das Unternehmen kann die Daten auch über Profibus DP aus der Ferne übermitteln. Mit dem Exportieren und Protokollieren der Stromdaten in Microsoft Excel lässt sich an einem Bedienpanel die genutzte Energie (Arbeit) darstellen. Das bietet Transparenz und generiert Daten für weitere Budgetplanungen.




