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    Am Ende geht es immer um Machbarkeit
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    Technik

    Am Ende geht es immer um Machbarkeit

    Vor drei Jahren haben sich die Unternehmen Orafti, Palatinit und Remy zur Beneo-Gruppe zusammengeschlossen. Aufgrund des schnell wachsenden Marktes für
    Veröffentlicht
    04. November 2010
    Lesezeit
    6 Minuten
    Rubrik
    Technik

    dei: Frau Meissner, wie weit ist der Prozess des internen Zusammenwachsens denn schon vorangeschritten, drei Jahre nach Gründung von Beneo?

    Meissner: Die Zusammenführung von drei Unternehmenseinheiten ist natürlich ein langwieriger Prozess, der auch nach drei Jahren nicht vollständig abgeschlossen sein kann – immerhin haben wir inzwischen etwa 900 Mitarbeiter. Aber die neuen internen Strukturen sind geschaffen und wir beginnen, diese auch wirklich zu leben. Man lernt in solch einem Prozess ständig dazu, und nicht alles, was sich verständlich und logisch anhört, ist am Ende auch einfach umzusetzen.

    dei: Wo lagen die Probleme?

    Meissner: Obwohl wir alle Europäer sind – Beneo-Palatinit mit Firmensitz in Mannheim und Beneo-Orafti sowie Beneo-Remy mit Sitz in Belgien – gibt es dennoch kulturelle Unterschiede und damit Herausforderungen, an die man im ersten Moment gar nicht gedacht hat. Aber wir sind von unseren gemeinsamen Zielen überzeugt und das ist das Entscheidende.

    dei: Welche Auswirkungen haben die neuen Strukturen bei Beneo?

    Meissner: Wir möchten die Lebensmittelhersteller dabei unterstützen, den weltweit wachsenden Gesundheitsproblemen mit ausgewogenen und gesunden Produkten zu begegnen. Nicht nur mit den geeigneten Inhaltsstoffen, sondern insbesondere mit dem umfassenden Fachwissen unserer Experten – sei es zu ernährungsphysiologischen Fragen oder zu regulatorischen Themen. Hierbei helfen uns unsere neuen Strukturen enorm.

    dei: Wie profitieren Kunden konkret von den internen Veränderungen?

    Meissner: Der größte Vorteil ist sicherlich, dass unsere Kunden durch den Zusammenschluss jetzt noch besseren Zugang zu unserem Netzwerk und damit zur gesamten Expertise von Beneo haben. Und das geht weit über unser vielfältiges Angebot an Inhaltsstoffen hinaus. Wenn wir uns beispielsweise die Entwicklung der vergangenen Jahre im Bereich der gesetzlichen Rahmenbedingungen anschauen, dann können wir eine immense Zunahme der Verordnungen und Regulierungen beobachten. Das ist für Innovationen auf dem Markt der funktionellen Produkte nicht unbedingt förderlich und man braucht zum Teil einen sehr langen Atem. Daher war es uns wichtig, unser Fachwissen auf diesem Gebiet zu bündeln und weiter auszubauen, um unsere Kunden in den aktuell kritischsten Fragen der Lebensmittelbranche noch besser zu unterstützen.

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    dei: Und wie bewerkstelligt Beneo das?

    Meissner: Wir investieren momentan etwa zehnmal mehr in Forschung und Entwicklung als dies die Lebensmittelindustrie durchschnittlich tut und besitzen so ein solides wissenschaftliches Fundament, von dem auch unsere Kunden profitieren. Die Gründung des Beneo-Institutes im Rahmen der FiE in Frankfurt im vergangenen Jahr hat hier ein Zeichen gesetzt. Es ist unser Anspruch, zu den Ersten zu zählen, wenn es um ernährungswissenschaftliche und regulatorische Fragen zu unseren Inhaltsstoffen geht – immer im Hinblick auf umsetzbare Konzepte für unsere Kunden. Wer es als Zulieferer schafft, auf diesem Gebiet Komplexität für Kunden zu reduzieren, der bietet einen echten Mehrwert. Und dies wollen wir für eine große Produktpalette tun.

    dei: Planen Sie das Angebot an funktionellen Inhaltsstoffen in den nächsten Jahren weiter auszubauen?

    Meissner: Wir streben hier ein gesundes Wachstum an. Im Rahmen der HiE in Madrid werden wir zwei neue Inhaltsstoffe vorstellen. Zum einen ein reines Weizengluten für Anwendungen wie Backwaren oder zur Texturverbesserung von Lebensmitteln, zum anderen ein flüssiges Fructo-Oligosaccharid aus biologischem Anbau, das sich für den Einsatz in Bioprodukten eignet. Weizengluten ist übrigens ein gutes Beispiel für einen weiteren Effekt unserer Zusammenführung. Das Produkt gibt es bereits seit einigen Jahren in der Unternehmensgruppe und jetzt nehmen wir die Vermarktung für den Lebensmittelbereich auf. So prüfen wir kontinuierlich bestehende Produkte auf mögliche Anwendungen, Nachfrage und Marktpotenzial.

    dei: Gibt es weitere Wachstumspunkte?

    Meissner: Ja, natürlich. Neben dem langsamen Ausbau unserer Produktpalette bedeutet gesundes Wachstum in erster Linie, unseren Kunden neue, umsetzbare Ernährungs- und Produktkonzepte anbieten zu können. Der beste Inhaltsstoff nützt wenig, wenn er in einer bestimmten Formulierung nicht funktioniert. Deshalb forschen wir auch nach wie vor ausgiebig an unseren bestehenden Produkten, um das Spektrum des Machbaren auszubauen. Und dabei geht es nicht nur um technisch umsetzbare Lösungen, es beginnt mit den grundsätzlichsten Anforderungen – und das sind Geschmack und Sensorik. Das ist eine große Herausforderung, weil die Menschen immer weniger bereit sind, für einen Zusatznutzen Geschmackseinbußen hinzunehmen. Die vergangenen Jahre zeigen uns, dass Hersteller dabei zunehmend auf die Erfahrung der Zulieferer zurückgreifen. Zu wissen, was ich mit einem Inhaltsstoff umsetzen kann, gehört meiner Meinung nach zu den wichtigsten Kompetenzen eines Herstellers von Inhaltsstoffen. Und dabei muss man auch schnell auf neue Trends reagieren können und Lösungen anbieten. Am Ende geht es immer um Machbarkeit.

    dei: Reden wir noch ein wenig über die vielzitierten Trends innerhalb der Lebensmittelbranche. Welche spielen für das Geschäft von Beneo eine entscheidende Rolle?

    „Wir investieren momentan etwa zehnmal mehr in Forschung und Entwicklung als dies die Lebensmittelindustrie durchschnittlich tut. Davon profitieren auch unsere Kunden.“

    Meissner: Für uns sind insbesondere die Themen Gewichtskontrolle, Verdauung und Energiemanagement relevant. Für all diese Gebiete können wir Herstellern passende Inhaltsstoffe anbieten, deren Funktionalitäten durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt sind – von den prebiotischen Ballaststoffen Inulin und Oligofructose zum Thema Darmgesundheit, über den Zuckeraustauschstoff Isomalt für zuckerfreie Lösungen bis hin zu Reisderivaten, die sich für gluten- und laktosefreie Anwendungen eignen. Oder denken sie an unser gering glykämisches Kohlenhydrat Palatinose, das sich hervorragend für Produkte aus dem Bereich Energiemanagement einsetzen lässt. Dazu gehören aber auch übergreifende Themen wie Einfachheit – einerseits in der Rezeptur, andererseits in Hinblick auf die Klarheit und Verständlichkeit der Produktbeschreibung.

    dei: Gibt es weitere wichtige Trends?

    Meissner: Ein weiterer großer Bereich ist Natürlichkeit, Clean Label und „free from“. Zu letzterem zählen Produkte, die ohne Zucker, Fett, Laktose oder Gluten auskommen. Die Anzahl der Menschen, die solche Produkte wählen, wächst. Und dabei müssen nicht immer Unverträglichkeiten oder Allergien der Grund sein, viele handeln diesbezüglich oft präventiv, weil sie das Gefühl haben, sich damit etwas Gutes zu tun.

    dei: Besteht nicht längerfristig gesehen die Gefahr, dass der Trend zu mehr Natürlichkeit Sie als Hersteller funktioneller Inhaltsstoffe außen vor lässt, weil Verbraucher unter einem natürlichen Lebensmittel eines verstehen, das nicht industriell bearbeitet wurde?

    Meissner: Der Unterschied zwischen einem Apfel von der Streuobstwiese und einem industriell verarbeiteten Smoothie mit natürlichen Inhaltsstoffen ist dem Verbraucher durchaus bewusst. Diese beiden Kategorien konkurrieren nicht miteinander. Der Verbraucher möchte beides, und es ist gut, wenn er die Wahl hat. Der aktuelle Trend bezieht sich auf die Frage nach künstlichen Zusatzstoffen wie Aromen, Farben, Geschmacksverstärkern oder Konservierungsstoffen. Das sind die Themen, bei denen Verbraucher derzeit sensibel und vorsichtig sind. Verbraucher nutzen funktionelle Produkte, um sich im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung rundum gut versorgt zu fühlen – und dies so natürlich wie möglich. Gleichzeitig ist auch die Tendenz hin zu Convenience Food ungebrochen. Immer mehr Menschen finden nicht die Zeit, selbst zu kochen und regionale Produkte selbst zu verarbeiten, auch wenn sie es gerne würden. Hier ist die Industrie angehalten, entsprechende Produkte zu entwickeln, die den hohen Ansprüchen dieser Verbraucher gerecht werden. Wir sehen hier noch sehr viele spannende Möglichkeiten im Bereich der funktionellen Lebensmittel und blicken zuversichtlich in die Zukunft. Halle 9, Stand M6

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