Jörg Herrmann, Steffen Hönlinger
Die Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie hat einen immerwährenden Spagat zu bewältigen. Während einerseits hohe Stückzahlen und der Zwang zu kurzen Lieferzeiten immer schnellere Handlingabläufe erforderlich machen, sind andererseits angesichts immer kürzer werdender Produktzyklen und kurzfristiger Produktionsumstellungen sehr flexible Lösungen gefragt, die ohne großen Aufwand auf neue Produkte umgestellt werden können. Eine Innovation aus dem Hause Schunk wird es den Unternehmen dieser Branche künftig leichter machen, diese an sich widersprüchlichen Forderungen nach Geschwindigkeit und Flexibilität miteinander zu versöhnen: Die neue Vierpunkt-Greifeinheit macht es möglich, beliebig geformte Produkte sicher zu greifen und dabei nicht nur hohe Hygieneanforderungen einzuhalten, sondern auch extrem hohe Taktraten mit bis zu 100 Zyklen pro Minute zu realisieren. Das System ist aber nicht nur schnell, sondern kann auch binnen Minuten auf andere Produktabmessungen und -formen umgestellt werden. Es sorgt so für höchstmögliche Flexibilität in Handlinganlagen und Packstraßen. Dieser Umstand prädestiniert die Vierpunkt-Greifeinheit für den Einsatz in der Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie. Ihr Einsatzspektrum ist universell und reicht von unterschiedlichsten Verpackungsaufgaben im Non-Food-Bereich bis hin zur Handhabung von Backwaren, Käse, Fleisch und Fisch.
Die Vierpunkt-Greifeinheit besteht aus vier Greifern, die über einen verstellbaren Stern aus kohlefaserverstärktem Kunststoff so angeordnet werden, dass das Gut stets an vier Punkten gegriffen werden kann. So lassen sich nicht nur trapezförmige, runde, quadratische und rechteckige Formen greifen, sondern bei entsprechender Greifereinstellung auch dreieckige Produkte. Zudem lassen sich auch beliebige Freiformen verarbeiten, wie sie gerade im Lebensmittelbereich häufig anzutreffen sind, also zum Beispiel unregelmäßig geformte Fischfilets oder Schnitzel.
In der Vierpunkt-Greifeinheit werden modifizierte SGB-Winkelgreifer aus dem Standardprogramm von Schunk eingesetzt, für andere Aufgaben lassen sich aber auch beliebige andere Standardgreifmodule verwenden. Um die Öffnungszeiten der Greifer zu reduzieren, wurden die vier Einzelgreifer mit eigens von Schunk entwickelten Tuning-Kits ausgestattet. In diesen innovativen Kits wirkt ein zusätzlicher Pneumatikkolben während des Öffnens auf die Grundbacke des Greifers und beschleunigt dadurch den Öffnungsvorgang. Die ohnehin gute Öffnungszeit wird damit noch einmal um rund 20 % verkürzt, und die Greif-einheit kann das Greifgut schneller ablegen – mit entsprechend positiven Folgen für die erreichbaren Zykluszeiten.
Um die Masse der Greifeinheit so weit wie möglich zu reduzieren und so den Einsatz in High-Speed-Handlingsystemen zu ermöglichen, wurden vor allem Kunststoffe und Aluminium verwendet. Der Verstell-stern, der die vier Greifer trägt, besteht aus einem extrem verwindungssteifen Kohlefaser-Verbundwerkstoff. Dieser kombiniert beste mechanische Eigenschaften mit einem sehr geringen Gewicht und sorgt dafür, dass die ganze Einheit nur ca. 800 g wiegt.




