Das Thema Chloratbelastung ist in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie momentan in aller Munde. Immer wieder werden erhöhte Werte des gesundheitsschädlichen Chlorats in verschiedenen Endprodukten festgestellt. Traditionelle Desinfektionsverfahren erzeugen davon teilweise Konzentrationen, die weit über den angestrebten minimalen Grenzwerten liegen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie sich schädliche Chloratanreicherungen vermeiden lassen.
Bei Nahrungsmitteln, Molkereiprodukten, Säuglingsnahrung sowie Obst und Gemüse sind in den vergangenen Jahren zunehmend überhöhte Chloratkonzentrationen aufgefallen. Chlorate sind Salze der Chlorsäure. Sie können bei der Aufnahme in den Körper den roten Blutkörperchen schaden und die Jodaufnahme hemmen. Chlorat kann nicht nur bei der Erzeugung auf dem Feld durch die Aufnahme von Pflanzenschutzmitteln, sondern auch während der Verarbeitung in die Nahrung gelangen. Besonderes Augenmerk richten Hersteller und Verarbeiter von Lebensmitteln und Getränken dabei auf das Produktwasser. Es wird vor der Verwendung aufbereitet und desinfiziert. Hier gilt es, besonders achtsam zu sein, da Desinfektionsverfahren den Anteil an Chlorat im Wasser entscheidend beeinflussen. Abhängig vom pH-Wert, der Wassertemperatur, der Anwendungsdauer und der organischen Belastung des Wassers bildet sich Chlorat als Nebenprodukt beim Einsatz chlorhaltiger Mittel. Der Chlorbedarf nimmt bei hoher organischer Belastung zu. Dementsprechend steigt auch der Gehalt an Chlorat und kann die vorhandene Konzentration im Produkt erhöhen. Abhängig von Temperatur und Lagerdauer kann bei gebrauchsfertigen chlorhaltigen Desinfektionsmitteln der Chloratgehalt sogar bis auf den doppelten Wert ansteigen, während das aktive Chlor auf bis zu ein Drittel abnimmt.
Desinfektion mit Chlordioxid
In der Getränke- und Lebensmittelindustrie hat sich Chlordioxid ClO2 als wirksames Desinfektionsmittel etabliert. Ein entscheidender Vorteil gegenüber der Chlorung ist beispielsweise die vom pH-Wert des Wassers unabhängige Wirkung. Auch in geringen Konzentrationen hat ClO2 eine hohe Desinfektionskraft. So lassen sich mit Konzentrationen von 0,3 ppm zuverlässig die Keimzahlen von ca. 1000 KbE/ml innerhalb weniger Minuten auf null bringen.
Bei der Erzeugung von Chlordioxid spielt die Ausbeute des Chlordioxidgenerators
eine entscheidende Rolle. Beim gängigen Verfahren unter Verwendung der Ausgangsstoffe Natriumchlorit und Salzsäure kann beispielsweise davon ausgegangen werden, dass alles, was zur theoretischen Ausbeute von 100 % fehlt, als Chlorat vorliegt. Bei einer Anlage mit 80 % Ausbeute wird folglich mit jedem mg/l Chlordioxid auch gleichzeitig ca. 0,22 mg/l Chlorat dosiert. Bei einer Anlage mit 95 % Ausbeute ist das mit 0,06 mg/l eine fast vierfach geringere Chloratbelastung.




