dei: Herr Conzelmann, zahlreiche Lebensmittelskandale haben bei allen Beteiligten im Bereich der Lebensmittelproduktion den Wunsch nach einem internationalen Standard für die Qualitätssicherung hervorgebracht. Welches System könnte hierfür infrage kommen?
„…Bizerba hat sich selbst die Pflicht auferlegt, bei der Konzeption neuer Anlagen auf Richtlinien des EHEDG zu achten.“
Dieter Conzelmann: Generell gilt die Maxime, dass sich Mikroorganismen erst gar nicht in der Produktionsumgebung einnisten dürfen. Denn Bakterien, Pilze und Hefen zersetzen Lebensmittel nicht nur bis zur Ungenießbarkeit, sondern können schlimmstenfalls zu Lebensmittelinfektionen führen. Das wollen Lebensmittelhändler um jeden Preis vermeiden und verlangen deshalb, dass jeder Zulieferer die gleichen Hygienestandards einhält. Hier beginnt sich derzeit der Standard der EHEDG durchzusetzen. Die Verwendung von Geräten nach diesem Standard fließt dann wiederum positiv in die Bewertung nach dem IFS 6 ein. Dieser wurde in einem Gemeinschaftsprojekt von Einzelhandelsverbänden Deutschlands, Frankreichs und Italiens entwickelt und gibt Produzenten Richtlinien für den hygienischen und einwandfreien Umgang mit Lebensmitteln an die Hand. Überall dort, wo Produkte verarbeitet werden oder bei der Erstverpackung die Gefahr einer Kontamination besteht, können akkreditierte Zertifizierungsstellen und zugelassene Auditoren die Produktionsumstände nach diesem Bewertungssystem beurteilen.
dei: Hat sich der IFS seit seiner Einführung im Jahr 2003 als akzeptierter Standard etabliert?
Conzelmann: Das hat er. 11 000 Zertifikate, Richtlinien, übersetzt in 20 Sprachen und 800 Food-Auditoren, machen ihn zu einem der größten Lebensmittelsicherheits- und Qualitätsstandards weltweit. 90 % der großen europäischen Handelshäuser – unter ihnen Walmart, Metro, Rewe und Edeka – nutzen den IFS als ihren primären Lebensmittelsicherheitsstandard. Hersteller sollten sich daher zertifizieren lassen, um ihre Listung im Handel nicht zu verlieren. Viele wissen das übrigens auch zu schätzen. Denn der IFS bietet ihnen die Möglichkeit, sich als Erzeuger hochwertiger Produkte zu profilieren. Zudem wird das interne Betriebsmanagement optimiert und die Kommunikation mit Behörden, Versicherungen und NGOs verbessert.
dei: Orientiert sich Bizerba bei der Konzeption neuer Anlagen für die Lebensmittelindustrie an den EHEDG-Richtlinien, die eine der Grundlagen für die IFS-Zertifizierung sind?
Conzelmann: Bizerba hat sich selbst die Pflicht auferlegt, bei der Konzeption neuer Anlagen auf Richtlinien des EHEDG zu achten. Unsere Hygienekontrollwaage CWP Neptune erfüllt die Richtlinien zu 100 %. Auch bei Baugruppen wie Transportband und Motor wurde auf das Hygienic Design geachtet, was im Ergebnis zu nur noch einem Motor und wenigen Umlenkrollen führte. Oder nehmen Sie die Hygienekontrollwaage IL professional SPM: Sie verzichtet auf die klassische Glockenbrücke, unter der sich Bakterien festsetzen könnten. Die Geräte bieten somit beste Voraussetzungen für Hersteller, nach dem IFS zu produzieren. Gleiches trifft auf Bizerba-Checkweigher zu. Sie schleusen fehlgewichtige Packungen mithilfe von Pushern aus der Produktionslinie aus und dokumentieren alle Vorgänge. Damit unterstützen die Geräte ebenfalls den IFS 6, der neben der Produktionssicherheit auch die Qualitätssicherung und das Qualitätsmanagement zum Gegenstand hat.




