Dr.-Ing. Arno Kwade, Prof. Dr.-Ing. Dietmar Schulze
Zieht man aus einem Silo Schüttgut ab, können zwei unterschiedliche Fließ-profile auftreten: Massen- oder Kernfluss. In Abbildung 1 sind die unterschiedlichen Fließprofile dargestellt. Beim Massenfluss ist während des Schüttgutabzugs der gesamte Siloinhalt in Bewegung. Dieses Fließprofil ist nur möglich, wenn die Trichterwände ausreichend steil bzw. glatt sind. Andernfalls stellt sich Kernfluss ein. Hier ist zunächst nur das Schüttgut im Bereich direkt über der Auslauföffnung in Bewegung. Das in den toten Zonen – sie entstehen ausgehend von den Trichterwänden im Randbereich des Silos – befindliche Schüttgut wird erst bei vollständiger Entleerung des Behälters ausgetragen.
Lagert man Schüttgüter in Silos, kann es zu Brücken- und Schachtbildung, unregelmäßigem Fluss bei der Entleerung sowie zu einem breiten Verweilzeitspektrum und zu Entmischungserscheinungen kommen.
Bei der Brückenbildung entsteht ein stabiles Gewölbe (Brücke) oberhalb der Auslauföffnung, das zu einem Erliegen des Schüttgutflusses führt. Auch bei Schachtbildung kann das Schüttgut nicht vollständig abfließen. Es verfestigt sich in den toten Zonen eines Kernflusssilos, so dass sich ein stabiler Schacht bildet. Das Ergebnis von Brücken- und Schachtbildung und deren Einsturz ist ein unregelmäßiger Fluss. Dabei kann es zur Fluidisierung feinkörniger Schüttgüter kommen, die dann wie eine Flüssigkeit aus dem Silo ungebremst ausfließen. Ein breites Verweilzeitspektrum ist typisch für den Kernfluss. Das Schüttgut sammelt sich in den toten Zonen des Silos und bleibt dort über längere Zeit liegen. Erst bei der kompletten Entleerung verlässt es den Behälter. Das ist besonders bei leicht verderblichen pulverförmigen Lebensmitteln von großem Nachteil. Anders die Situation beim Massenfluss: Hier gibt es eine sehr enge Verweilzeitverteilung, da der gesamte Siloinhalt in Bewegung ist, und das Schüttgut das Silo gemäß dem First-in-first-out-Prinzip verlässt. Entmischungserscheinungen sind in der Regel beim Füllen der Silos zu beobachten. Während beim Massenfluss die Entmischung beim Ausfließen fast vollständig rückgängig gemacht wird, bleibt sie beim Kernfluss weitestgehend bestehen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Kernfluss mit einer Reihe von Problemen verbunden ist. Bei Massenfluss kann lediglich das Problem der Brückenbildung auftreten.
Für die verfahrenstechnische Auslegung von Silos sind zunächst die Fließeigenschaften des Schüttgutes mit Schergeräten zu messen. Auf Grundlage dieser Mess-werte werden folgende Siloparameter bestimmt:
• notwendige Neigung der Trichterwand zur Realisierung eines Massenflusses




