Durch ein automatisches Hochregallager und umfangreiche Fördertechnik hat die österreichische Molkereigenossenschaft Kärntnermilch auf minimaler Fläche rund 3000 Palettenstellplätze hinzugewonnen. Diese lassen sich nahtlos in den Materialfluss zwischen Wareneingang, Produktion und Versand einfügen. Auf einer langen Stauförderstrecke können bis zu 70 Paletten gepuffert werden.
Für die Kärntnermilch war es eine Premiere. Nie zuvor hatte die traditionsreiche Molkereigenossenschaft Teilbereiche ihrer Logistik automatisiert. Lieber vertraute das 1928 gegründete Unternehmen, das rund 400 verschiedene Artikel produziert, auf manuelle Prozesse. Das änderte sich, als es der zunehmende Platzbedarf am Standort Spittal/Drau erforderte, die Lager- und Versandkapazitäten zu erweitern. Die rund 3000 zusätzlichen Palettenstellplätze ließen sich auf der verfügbaren Fläche nur mit einem vollautomatischen gekühlten Hochregallager (HRL) realisieren, zumal direkt nebenan auch noch ein neues Kommissionier- und Versandgebäude errichtet werden sollte.
Sicher gegen Ausfälle
Im Rahmen der Ausschreibung für das zweigassige HRL mit umfangreicher Fördertechnik, einem Palettenwickler und einem Lagerverwaltungssystem konnte sich Kardex Mlog, ein deutscher Anbieter integrierter Materialflusssysteme und Hochregallager, gegen zwei Mitbewerber als Generalunternehmer durchsetzen. Neben dem Preis-Leistungsverhältnis und der Produktqualität spielte dabei auch das Vertrauen in die Zuverlässigkeit, Erfahrung und Kompetenz des Lieferanten eine wichtige Rolle. Denn anfangs gab es noch Bedenken, dass ein vollautomatisches Hochregallager eine zu große Abhängigkeit schaffen könnte. Ein technischer Defekt im HRL könnte schließlich die gesamte Produktion zum Erliegen bringen, so die Befürchtung. Kärntnermilch produziert von Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr und sonntags von 3 bis 22 Uhr. Die Bereiche Versand, Konfektionierung und Kommissionierung arbeiten von Sonntag bis Freitag zwischen 6 und 17 Uhr.
Beim Konzipieren der Anlage stand deshalb eine möglichst hohe Absicherung gegen technische Ausfälle im Vordergrund. Das äußert sich zum Beispiel in einer sehr langen Stauförderstrecke, auf der bis zu 70 Paletten gepuffert werden können. „Das entspricht einem Produktionspuffer von einer Stunde, falls das HRL tatsächlich mal ausfallen sollte“, erklärt Andreas Koch, der bei Kardex Mlog im Vertrieb arbeitet und das gesamte Projekt begleitet hat. Dieser Fall ist jedoch seit Inbetriebnahme im Mai 2016 nicht eingetreten, wodurch das Vertrauen in die deutsche Technik von Jahr zu Jahr gewachsen ist.
Staplerdurchfahrt nach Bedarf
Die Stauförderstrecke verbindet das HRL mit Wareneingang und Produktion. Um hier möglichst viele Euro-Paletten zur gleichen Zeit puffern zu können, entschied man sich für Zwei-Strang-Kettenförderer. Im Gegensatz zu Rollenförderern können die Paletten damit quer statt längs transportiert werden. Die rund 100 frequenzgeregelten Antriebe erlauben dabei eine Fördergeschwindigkeit von 0,3 m/s. Zu den Besonderheiten der Förderstrecke gehört ein nach oben schwenkbares Element, das im Bereich der Produktionshalle bei Bedarf die Durchfahrt eines Gabelstaplers ermöglicht. Dieses funktionale Detail wird ein- bis zweimal am Tag für den Transport von Verpackungsmaterial genutzt.




