Häufig erfolgt die Förderung und Wägung der Haupt-, Neben- sowie Mikro-Zutaten bei der Herstellung von Backwaren noch per Hand, was einen sehr aufwendigen Prozess darstellt. Die Automatisierung dieses Prozesses umfasst die Förderung der zu verarbeitenden Zutaten hin zur Chargendosierstation, wo sie in der gewünschten Kombination mittels Dosiersystemen, die entweder nach dem Prinzip der Gewichtszunahme (Gain-in-Weight, kurz GIW) oder der Gewichtsabnahme (Loss-in-Weight, kurz LIW) funktionieren, an das Mischwerk übergeben werden. Die Anlieferung von Hauptzutaten erfolgt beispielsweise per Güterwaggon, Silotankwagen oder Schüttgutbehälter. Vom Speichersilo aus werden sie dann je nach Backrezept zu den Wäge- und Dosierstationen befördert. Die hierzu verwendeten Fördersysteme lassen sich in eine Backstraßen-SPS integrieren, die die verschiedenen Zutaten und Prozesse der Backrezepte steuert.
Die Entladung der meisten Silotankwagen erfolgt mit Druckluft. Nach dessen Ankunft wird er mithilfe eines flexiblen Schlauchs mit der Förderleitung verbunden. Sollte der Silotankwagen nicht über ein eingebautes Druckluftgebläse verfügen, wird über einen weiteren Schlauch ein externes Druckluftgebläse angeschlossen. Über die Bedieneinheit wählt der Bediener dann das gewünschte Entladeziel, beispielsweise Silo 1 für Stärke oder Silo 2 für Mehl. Beim Einschalten des Druckluftgebläses wird im Silotankwagen ein Überdruck aufgebaut, der das Liefergut aus dem Silotankwagen über die Förderleitung in das Silo leitet. Die Zutatenanlieferung kann alternativ auch in Kisten, Beuteln und großvolumigen Schüttgutbehältern wie etwa Big Bags erfolgen. Druckfördersysteme kommen beim Transport großer Schüttgutmengen über größere Entfernungen zum Zuge. Vakuumfördersysteme hingegen finden vor allem bei kleineren Volumen und kürzeren Entfernungen Verwendung. Einer der Vorteile von Vakuumsystemen besteht in der nach innen gerichteten Saugwirkung, die das Entweichen von Stäuben in die Umgebung reduziert. Dies ist bei Anwendungen wichtig, bei denen hohe Hygieneanforderungen zu erfüllen oder Staubemissionen zu vermeiden sind. Ein weiterer Vorteil von Vakuumfördersystemen ist die einfache Implementierung bei Anlagen mit mehreren Materialaufnahmequellen. Andererseits gibt es bei der Vakuumförderung Einschränkungen bezüglich Entfernung und Durchsatz, denn das erzeugte Vakuum lässt sich nicht beliebig erhöhen. Bei vielen Prozessen werden Vakuum- und Druckfördersysteme kombiniert, um die Vorteile der beiden Technologien nutzen zu können.
Nach der Förderung von der Quelle, beispielsweise einem Silo, hin zur Prozessumgebung werden die Zutaten zunächst der Wäge- und Dosierstation zugeführt. Diese besteht oft aus volumetrischen Dosiervorrichtungen zur Beschickung eines auf Wägezellen montierten Sammelbehälters. Hierbei handelt es sich um die Chargendosierung nach dem Prinzip der Gewichtszunahme (GIW-Chargendosierung). Alternativ hierzu kann die Dosierstation mit gravimetrischen Dosiervorrichtungen, beispielsweise Dosierschnecken oder Vibrationsdosierern, zur Übergabe der Zutaten an den Prozess nach dem Prinzip der Gewichtsabnahme (LIW-Chargendosierung) ausgestattet sein. Wie im Anschluss ausgeführt, gibt es auch Einsatzfälle, bei denen bei an sich umfangreichen Chargen bestimmte Zutaten nur in geringen Spuren benötigt werden. Hier empfiehlt sich die Kombination beider Verfahren: die LIW-Chargendosierung für die nur in Spuren eingesetzten Zutaten und Nebenzutaten sowie die GIW-Chargendosierung für die Hauptzutaten. Bei der GIW-Chargendosierung übergeben volumetrische Dosiervorrichtungen nacheinander die einzelnen Zutaten an einen auf Wägezellen montierten Sammelbehälter. Dabei werden die ersten 90 % des festgelegten Gewichtsanteils einer jeden Zutat mit hoher Geschwindigkeit zugegeben. Gegen Ende des Zyklus wird die Beschickung jedoch verlangsamt, um bei den fehlenden 10 % eine präzise Dosierung zu gewährleisten. Der GIW-Regler überwacht kontinuierlich das Gewicht der einzelnen Zutaten und gibt für jeden volumetrischen Dosierer die entsprechenden Signale für Start bzw. Stopp sowie Beschleunigung bzw. Verlangsamung aus. Sobald alle Zutaten zugegeben wurden, ist die Charge vollständig und die Mischung wird an den nächsten Prozess übergeben. Diese Art der Dosierung dauert insgesamt länger als die LIW-Chargendosierung, da die einzelnen Zutaten beim GIW-Verfahren nacheinander zugegeben werden.




