Verpackungen müssen bald gemäß PPWR strenge Design-for-Recycling-Kriterien erfüllen. Ein Ansatzpunkt: Moderne Barrierepapiere können Multilayer-Verpackungen aus Kunststoff ersetzen. Der Vorteil: Sie lassen sich im Altpapier entsorgen. Allerdings ist die maschinelle Hochleistungsverarbeitung der Papiere anspruchsvoll. Im Rahmen einer Kooperation haben Sappi und Sacmi Packaging & Chocolate nachhaltige Verpackungslösungen aus Papier entwickelt.
Was haben Kitkat-Riegel, die Schokoladen von nucao und Tony’s Chocolonely sowie das Gebäck von Griesson gemeinsam? Diese Markenartikel werden Medienberichten zufolge in Schlauchbeutel aus Barrierepapier verpackt. Noch muten solche Papierverpackungen exotisch an, aber das könnte sich bald ändern. Schließlich verlangt die PPWR, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen bis 2030 entscheidend zu verbessern. Die problematischen Verbundkunststoffe gilt es durch umweltfreundlichere Materialien zu ersetzen und für die Alternative Barrierepapiere spricht ihr hocheffizienter Recyclingkreislauf. Diese Papiere werden als Monomateriel eingestuft und sie können vom Verbraucher einfach über die Altpapiertonne entsorgt werden.
Maschinenkompatibilität im Fokus
Moderne Barrierepapiere haben grundsätzlich das Zeug dazu, Kunststofffolien zu ersetzen. Die dünnen Dispersionsbeschichtungen bieten Lebensmitteln zuverlässig Schutz gegen den Eintritt von Feuchtigkeit, Sauerstoff und Mineralöle, andersherum können Fett und Aromen nicht aus den Verpackungen entweichen. Je nach Anwendungsbedarf können sie auch eine Heißsiegelfähigkeit besitzen. Markenartikler profitieren zudem von der hochwertigen Optik der gut bedruckbaren Papiere und ihrer angenehmen Haptik. Als Herausforderung erwies sich bisher jedoch die maschinelle Verarbeitung, denn Papier verhält sich anders als Folien. Um den mechanischen Belastungen während des Verpackungsprozesses auf den schnellen vollautomatischen Anlagen standzuhalten, muss es reißfest sein. Außerdem sollte sich das Papier präzise falten lassen, ohne zu brechen, und es braucht eine gewisse Steifigkeit für die reibungslose Verarbeitung.
Kooperation für Innovation
Sappi ist ein Marktführer für faserbasierte flexible Verpackungspapiere. Die steigende Nachfrage nach Barriere- und Hochbarrierepapieren, die im Papierabfallstrom recycelbar sind, veranlasste das Unternehmen 2023 zur Installation einer hochmodernen Barrierebeschichtungsanlage am Standort Alfeld. Die Investition in Hightech steigerte die Kapazitäten und eröffnete zudem Möglichkeiten beim Produktdesign. Sappi leistet mit der neuen Anlage intensive Entwicklungsarbeit zu Barrierepapierlösungen und unterstreicht damit sein jahrzehntelanges Engagement bei solchen funktionalen Papieren. „Unsere Überzeugung ist, dass sich Innovationen durch Unternehmenskooperationen beschleunigen lassen. Also wollten wir neben unseren Kunden auch einen renommierten Verpackungsmaschinenbauer in den Entwicklungsprozess mit einbeziehen“, erläutert Sibylle Hajostek, Market Manager Paper & Packaging Solutions bei Sappi Europe. Umso willkommener war da die Einladung von Sacmi Packaging & Chocolate in das Forschungs- und Entwicklungszentrum für Primär- und Sekundärverpackungsmaschinen im Schweizer Neuhausen am Rheinfall. Im Fokus der Sacmi-Ingenieure stehen dort unter anderem Advanced Materials. „Barrierepapiere haben bei der Lebensmittelverpackung insbesondere im Premiumbereich eine große Zukunft. Deshalb müssen sie von unseren Anlagen effizient verarbeitet werden können. Es zählen das Anwendungs-Know-how von der Verpackung bis hin zur Qualitätskontrolle, schnelle und flexible Formatentwicklung und Materialtests“, sagt Herbert Hahnenkamp, General Manager DACH bei Sacmi.




