Unter Infrarotthermografie versteht man die Messung der Oberflächentemperatur mit Hilfe einer Thermografiekamera und die optische Darstellung als Falschfarbenbild oder -film.
Wie wichtig die Kontrolle der korrekten Verarbeitungstemperatur in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sein kann, ergibt sich schon bei einem Blick auf die möglichen Folgen eines Qualitätsmangels. Beim Verbraucher entsteht eine negative Einstellung gegenüber Produkt und Hersteller, wenn eine Ware vor dem Erreichen des MHD verdorben ist. Noch schlimmer ist es, wenn sich durch Produktreste in unvollständig gereinigten Mehrwegbehältern Bakterien oder Keime bilden können. Auch wenn Lebensmittel- und Veterinärbehörden ihre Aufgaben als Kontrollinstanz aufmerksam wahrnehmen, können sie immer nur Abläufe überprüfen und Stichproben nehmen. Letztere auszuwerten benötigt Zeit, in der die Ware – auch bei positivem Befund – häufig schon ausgeliefert ist. Anschließende Rückrufaktionen verursachen Kosten und schlechte Schlagzeilen.
Mit der Infrarotthermografie lassen sich Füllstände in Behältern, beispielsweise Mehrwegflaschen oder -fässern, einfach überprüfen; besonders bei der Reinigung und Wiederbefüllung von Leergut können auf diese Weise eventuelle Produkt- oder Reinigungsflüssigkeitsreste einfach und schnell sichtbar gemacht werden.
Bei durchsichtigen Glasflaschen kann bereits eine optische Prüfung ausreichend sein. Bei Fässern besteht diese Möglichkeit in der Regel nicht. Abhilfe schafft hier eine entsprechend justierte Thermografiekamera. Sie zeigt eventuelle Restmengen der Reinigungsflüssigkeit (heiß) an. Aber auch bei durchsichtigen Gebinden kann der Einsatz von Thermografiekameras sinnvoll sein, denn wasserklare Produkt- oder Reinigungsflüssigkeitsreste sind für eine Sichtkamera genauso durchsichtig wie die Verpackung. Eine Thermografiekamera zeigt jedoch die heißen Flüssigkeitsreste eindeutig an. Außerdem ist bei der Gebindereinigung sicherzustellen, dass an allen Stellen die notwendige Temperatur erreicht wird, um Bakterien abzutöten. Für die hier notwendigen Kontrollen bietet sich ebenfalls der Einsatz von Thermografiekameras an.
Bei der Herstellung von Milchprodukten ist der Einsatz von Thermografiekameras zur Füllstandskontrolle zum Beispiel von Jogurt problemlos möglich. Gleiches gilt für Lebensmittel in Dosen. Anhand der Temperaturunterschiede kann der Füllstand in der bereits geschlossenen Dose kontrolliert werden, ohne sie öffnen zu müssen.
Beim Gefriertrocknen von Obst können unvollständig gefrorene Früchte – sie stellen ein Qualitätsrisiko für die gesamte Charge dar – an ihrer Temperatur erkannt und ausgesondert werden. Bewährt hat sich diese Vorgehensweise auf Basis von Thermografiekameras beispielsweise bei der Verarbeitung von Erdbeeren.




