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    Brauen nach dem Energiespargebot
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    Technik

    Brauen nach dem Energiespargebot

    Bei steigenden Energiekosten fragt das technische Management, wie sich Anlagen und Prozesse energieeffizienter und damit wirtschaftlicher gestalten
    Veröffentlicht
    08. September 2013
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Technik

    Die Autorin: Juliane Bränzel Mitarbeiterin der Abteilung Energiesysteme, TÜV Süd Industrie Service

    Um aus Gerste, Malz und Hopfen Bier zu brauen, werden rund drei Viertel der gesamten Energie in Form von Wärme benötigt. Das Gros der Wärmeenergie entfällt auf die Produktionsprozesse im Sudhaus, wo die Maische erhitzt und gekocht wird. Weitere 40 % werden für die Abfüllung verbraucht. Die meiste elektrische Energie wird für Kühlprozesse benötigt, weitere 18 % für die Abfüllung. Durch einen effizienteren Anlagenbetrieb und Veränderungen im Produktionsprozess sind Einsparungen möglich. Energiemanagement ermöglicht somit systematische und kontinuierliche Optimierungen, die sich nicht zuletzt auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken.

    Das hatten auch die verantwortlichen Entscheider einer großen deutschen Brauerei im Blick. Sie haben Energie-Experten von TÜV Süd beauftragt, ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 zu implementieren. Die international anerkannte Methodik zur Steigerung der Energieeffizienz folgt einem festen Schema: Zunächst wird im Rahmen einer sogenannten energetischen Bewertung der Status Quo im Unternehmen in Bezug auf den Energieverbrauch und dessen Beeinflussbarkeit ermittelt. Nur so können Aussagen darüber getroffen werden, an welchen Stellen im Produktionsprozess Verbräuche am größten sind und wo sich Einsparpotenziale befinden. Aus dieser energetischen Bewertung werden dann Empfehlungen abgeleitet, mit welchen Maßnahmen und zu welchen Kosten Energie eingespart werden kann. Doch es bleibt nicht allein dabei, einzelne Effizienzmaßnahmen anzustoßen und umzusetzen. Für das Unternehmen beginnt mit der umgesetzten ISO 50001 ein langfristiger und kontinuierlicher Optimierungskreislauf, der die Energieeffizienz im Unternehmen stetig steigert.

    Diese Strukturen galt es auch in der Brauerei zu etablieren. Um dies zu erreichen, haben sich die Fachleute zunächst ein umfassendes Bild vom Energiebedarf der Brauerei gemacht. Im Rahmen einer ersten Bestandsaufnahme sichteten die Experten alle relevanten Unterlagen und Daten aus dem technischen Anlagenbetrieb sowie auch aus dem bestehenden Qualitätsmanagementsystem. Der so ermittelte Ist-Zustand wurde dann mit den Anforderungen der Norm ISO 50001 verglichen. Viele Anforderungen der Norm erfüllte die Brauerei bereits. So wurden bereits Energieverbrauchskennzahlen gebildet und die Anlagen durch die technischen Mitarbeiter regelmäßig optimiert – auch unter energetischen Aspekten.

    Mit diesen Erkenntnissen als Fundament wurden mehrere mehrtägige Energie-Workshops veranstaltet. Die Teilnehmer stammen aus allen relevanten Unternehmensbereichen und bilden seitdem das sogenannte Energieteam, was auch in einem Organigramm dokumentiert ist. Die TÜV-Süd-Experten erläuterten den Mitarbeitern zunächst die Anforderungen der Norm ISO 50001 und stellten das Ergebnis der Bestandsaufnahme vor. Damit war es dem Energieteam möglich, gemeinsam einen Projektplan zu erarbeiten.

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    Der erste Workshop befasste sich intensiv mit der energetischen Bewertung – sowohl für den Strom- als auch für den Wärmeeinsatz der Brauerei. Damit wurde für alle Teilnehmer deutlich, wo im Produktionsprozess die größten Strom- und Wärmeverbräuche liegen. Auf dieser Grundlage diskutierte die Gruppe die Frage der Beeinflussbarkeit einzelner Anlagen und konkrete Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz. So wurde beispielsweise festgestellt, dass sich das System zur Nutzung von Abwärme weiter ausbauen lässt. Bei einigen Anlagen wurde die Abwärme schon von einem Wärmeträger abgeführt und zur späteren Nutzung in gut isolierten, thermischen Speichern zwischengelagert. Bei anderen Anlagen wird die Abwärme nach wie vor an die Umwelt abgegeben, sodass sich durch ihre Integration in das bestehende System Möglichkeiten zur Energieeinsparung ergeben.

    Doch nicht nur technische Maßnahmen standen auf der Agenda. Auch Ideen, die auf einem veränderten Mitarbeiterverhalten basieren, wurden in der Gruppe diskutiert. Die solide energetische Bewertung wurde somit zum Ausgangspunkt für die folgenden Workshops. In konzentrierten Sitzungen entwickelte das Energieteam beispielsweise einen detaillierten Messplan, plante Maßnahmen zur Mitarbeitersensibilisierung, diskutierte konkrete Energieeffizienzvorgaben für die Einkaufsabteilung und formulierte das elektronisch gelenkte Handbuch. Das Handbuch definiert in erster Linie Strukturen, Zuständigkeiten, Abläufe und Handlungsanweisungen.

    Abschließend wurden insbesondere die Führungskräfte mit den Details der ISO 50001 vertraut gemacht. Denn sowohl die Führungsebene als auch das Energieteam haben eine wichtige Leit- und Multiplikatorfunktion im Unternehmen. Es ist wichtig, alle Beschäftigten für das Thema Energieeffizienz zu sensibilisieren, einerseits um die verhaltensabhängigen Energieeinsparpotenziale eines Unternehmens zu heben, und andererseits um auch möglichst viele Ideen für neue Konzepte zu generieren.

    Die Suche nach konkreten, messbaren und wirtschaftlich umsetzbaren Energiezielen fällt keinem Unternehmen leicht. Die TÜV-Süd-Experten haben deshalb eine eigene Methodik entwickelt, um Orientierung zu bieten und Entscheidungen zu erleichtern. Wo der Handlungsbedarf am größten ist, zeigen sogenannte Prioritätskennzahlen. Diese bündeln quantitative Aussagen über den Energieverbrauch, die Beeinflussbarkeit der einzelnen Anlagen und die Investitionssumme einer Einsparmaßnahme in einer dimensionslosen Zahl.

    Innovative Konzepte wurden auf dieser Basis entwickelt: Künftig nutzt die Brauerei Abwärme aus verschiedenen Anlagen der Produktion. Sie wird in gut isolierte, thermische Speicher überführt. So zwischengelagert, kann die Energie an anderen energieintensiven Stellen im Produktionsprozess verwandt werden ohne zusätzliche Energie aufwenden zu müssen. Ein eigenes Blockheizkraftwerk wurde errichtet, das bei einem hohen Wirkungsgrad Strom und Wärme liefert. Das Kraftwerk kann sowohl mit Erdgas als auch mit Biogas aus der hauseigenen, anaeroben Abwasseraufbereitung betrieben werden.

    Innerhalb von fünf Monaten wurden mithilfe der externen Energie-Experten die strukturellen Voraussetzungen für ein funktionierendes Energiemanagementsystem in der Brauerei geschaffen. Energieziele wurden definiert und Abläufe festgelegt, die nun in einem kontinuierlichen Optimierungsprozess verbessert werden können. Zudem haben die Energie- Experten die implementierten Strukturen während eines ersten internen Audits überprüft. Das System wurde erfolgreich nach ISO 50001 zertifiziert.

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