Die Autorin: Juliane Bränzel Mitarbeiterin der Abteilung Energiesysteme, TÜV Süd Industrie Service
Um aus Gerste, Malz und Hopfen Bier zu brauen, werden rund drei Viertel der gesamten Energie in Form von Wärme benötigt. Das Gros der Wärmeenergie entfällt auf die Produktionsprozesse im Sudhaus, wo die Maische erhitzt und gekocht wird. Weitere 40 % werden für die Abfüllung verbraucht. Die meiste elektrische Energie wird für Kühlprozesse benötigt, weitere 18 % für die Abfüllung. Durch einen effizienteren Anlagenbetrieb und Veränderungen im Produktionsprozess sind Einsparungen möglich. Energiemanagement ermöglicht somit systematische und kontinuierliche Optimierungen, die sich nicht zuletzt auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken.
Das hatten auch die verantwortlichen Entscheider einer großen deutschen Brauerei im Blick. Sie haben Energie-Experten von TÜV Süd beauftragt, ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 zu implementieren. Die international anerkannte Methodik zur Steigerung der Energieeffizienz folgt einem festen Schema: Zunächst wird im Rahmen einer sogenannten energetischen Bewertung der Status Quo im Unternehmen in Bezug auf den Energieverbrauch und dessen Beeinflussbarkeit ermittelt. Nur so können Aussagen darüber getroffen werden, an welchen Stellen im Produktionsprozess Verbräuche am größten sind und wo sich Einsparpotenziale befinden. Aus dieser energetischen Bewertung werden dann Empfehlungen abgeleitet, mit welchen Maßnahmen und zu welchen Kosten Energie eingespart werden kann. Doch es bleibt nicht allein dabei, einzelne Effizienzmaßnahmen anzustoßen und umzusetzen. Für das Unternehmen beginnt mit der umgesetzten ISO 50001 ein langfristiger und kontinuierlicher Optimierungskreislauf, der die Energieeffizienz im Unternehmen stetig steigert.
Diese Strukturen galt es auch in der Brauerei zu etablieren. Um dies zu erreichen, haben sich die Fachleute zunächst ein umfassendes Bild vom Energiebedarf der Brauerei gemacht. Im Rahmen einer ersten Bestandsaufnahme sichteten die Experten alle relevanten Unterlagen und Daten aus dem technischen Anlagenbetrieb sowie auch aus dem bestehenden Qualitätsmanagementsystem. Der so ermittelte Ist-Zustand wurde dann mit den Anforderungen der Norm ISO 50001 verglichen. Viele Anforderungen der Norm erfüllte die Brauerei bereits. So wurden bereits Energieverbrauchskennzahlen gebildet und die Anlagen durch die technischen Mitarbeiter regelmäßig optimiert – auch unter energetischen Aspekten.
Mit diesen Erkenntnissen als Fundament wurden mehrere mehrtägige Energie-Workshops veranstaltet. Die Teilnehmer stammen aus allen relevanten Unternehmensbereichen und bilden seitdem das sogenannte Energieteam, was auch in einem Organigramm dokumentiert ist. Die TÜV-Süd-Experten erläuterten den Mitarbeitern zunächst die Anforderungen der Norm ISO 50001 und stellten das Ergebnis der Bestandsaufnahme vor. Damit war es dem Energieteam möglich, gemeinsam einen Projektplan zu erarbeiten.




