Der Energieinhalt im Wasserdampf von Abgasen lässt sich mithilfe der Brennwerttechnik nutzbar machen. Korrosionsbeständige Werkstoffe in Wärmetauschern und feuchteunempfindliche Abgassysteme und Kamine ermöglichen dies langfristig ohne Schäden. Für die Brennwertnutzung ist es hierbei erforderlich, dem Abgas nicht nur die fühlbare Wärme, sondern teilweise auch die im Wasserdampf gebundene Kondensationswärme zu entziehen.
Vergleicht man die für die Brennwertnutzung relevanten Kenndaten gebräuchlicher Brennstoffe, so bietet Erdgas das höchste Nutzungspotenzial. Im Vergleich zu Heizöl EL steht mehr Kondensationswärme auf höherem Kondensationstemperaturniveau zur Verfügung, d. h. die Abgaskondensation setzt bereits bei höheren Abgastemperaturen ein. Durch die Verbrennung entstehende Abgase sind nahezu ruß- und schwefelfrei. Dadurch ist der Aufwand zur Reinigung verschmutzter Heizflächen zur Erhaltung der Effektivität und Vermeidung von Betriebsstörungen gering. Da auch der pH-Wert des Abgaskondensates im Vergleich zu Heizöl EL höher ist, ist der Aufwand für die Entsorgung des Abgaskondensates niedriger.
Die stärkere Marktdurchdringung von schwefelarmem Heizöl führt zu einer verstärkten Nachfrage von Brennwertsystemen auch für diesen Brennstoff. Der geringe Schwefelgehalt begünstigt eine rußfreie und rückstandslose Verbrennung, so dass die Abgaskondensation auch bei schwefelarmen Heizöl ausgenutzt werden kann.
Für den Brennstoff Heizöl EL kann die Brennwerttechnik nicht empfohlen werden, da zur Aufrechterhaltung eines störungsfreien, effektiven Kesselbetriebes ein sehr häufiges Reinigen verschmutzter Heizflächen mit anschließender Entsorgung anfallen würde.
Brennwertkessel und Gasthermen für vergleichsweise kleine Leistungsgrößen werden meist vollständig aus Edelstahl hergestellt. Die Fertigung von Heißwasserkesseln mit großer Leistung erfolgt aus technischen Gründen und wegen der hohen Kosten nicht aus Edelstahl. Sie werden für die Brennwertnutzung mit speziellen Edelstahl-Abgaswärmetauschern ausgestattet, die am Kessel integriert sind oder als separates Modul installiert werden.
Bei der Brennwertnutzung an Dampfkesselanlagen finden zweistufige Abgaswärmerückgewinnungssysteme Verwendung. Der erste, meist am Kesselkörper integrierte Economiser, kühlt die Abgase auf circa 130 °C. Im Abgasstrom nachgeschaltet kommt ein Edelstahl-Abgaswärmetauscher als separates Modul zum Einsatz.
Bis vor einigen Jahren lag der Anwendungsschwerpunkt der Brennwertnutzung im Bereich der kleinen Brennwertkessel und Gasheizthermen für die Zentralheizung und Brauchwassererzeugung kleiner Wohneinheiten. Mittlerweile hat sie sich auch im großen Leistungsbereich durchgesetzt.




