Christopher Rubin
Vor einigen Jahren wurde im Bereich der verzehrfertigen Produkte aus dem Extruder meist nach einfachen, direkt expandierten Produkten gefragt. Diese wurden auf Anlagen mit kleiner Leistung produziert. In den letzten Jahren zeigt sich jedoch, dass Verbraucher immer mehr Wert auf eine größere Formenvielfalt, vor allem auch auf verfeinerte, detailliertere Formen sowie auf eine größere Farbvielfalt legen. Immer mehr Rohmaterialkomponenten kommen zum Einsatz. Der Kochextruder wird im Prozess oft mit anderen Maschinen kombiniert. Dies führt häufig zu einer anspruchsvolleren Prozessführung, was wiederum zu Herausforderungen für Steuerungsexperten wird. Außerdem geht der Trend von Anlagen mit mehreren kleineren Linien hin zu Linien mit sehr großen Leistungen. Um sich von ihren Mitbewerbern zu differenzieren, haben Produzenten immer neue Ideen, die sie in die Gestaltung der Produkte einfließen lassen. Stellvertretend für eine Vielzahl aktueller Trends sollen im Folgenden drei Beispiele aus dem Bereich Frühstückszerealien und Snacks vorgestellt werden.
Corn Flakes gehören schon seit Jahrzehnten zum Frühstückssortiment vieler Menschen. Mit steigendem Wellnessbewusstsein in einigen Regionen der Welt, entwickelte sich in jüngster Vergangenheit zusätzlich der Wunsch nach Frühstücksflocken aus mehreren Getreidesorten und mit weniger Zucker. Unter dem Sammelbegriff Multigrain-Flocken sind alle Kombinationen der verschiedenen Getreidesorten möglich. Ein wichtiger Bestandteil der Multigrain-Flocken bildet häufig Reis, der als größere Fraktionen in den Flocken auch optisch erkennbar ist und somit den Multigrain-Charakter dokumentiert. Um diese Produkte zu erlangen, musste der Produktionsprozess für Frühstücksflocken um die Möglichkeit zur Beimengung von ganzen Körnen ergänzt werden. Dieser erweiterte Prozess ist speziell, weil die Verarbeitung von Mehlen, ganzen Körnern, Reis und weiteren Zutaten nicht in einem Prozessschritt möglich ist. Die ganzen Körner müssen konventionell in einem chargenweisen Verfahren im Trommelkocher vorgekocht werden, bevor sie im Extruder den weiteren Zutaten beigemengt werden können. Beim Bühler-Verfahren werden die ganzen oder gebrochenen Körner in einem Vorkonditionierer im Durchlaufverfahren kontinuierlich vorgekocht. Der gesamte Vorkochprozess und die Einspeisung in den Extruder sind in die Steuerung des Gesamtprozesses eingebunden.
In einigen Regionen der Welt spielen auffällige Farben eine große Rolle. In selteneren Fällen betrifft dies Frühstücksflocken wie Corn Flakes, weit häufiger jedoch direkt expandierte Cerealien. Grundsätzlich gilt: je bunter, desto besser und je künstlicher die Farben wirken, desto erfolgreicher das Produkt. Besonders die Mehrfarbigkeit von Produkten zieht Käufer an. Ein Beispiel ist ein Produkt aus verschiedenfarbigen extrudierten Ringen. Meist werden die verschiedenen Farben separat produziert und anschließend vermischt. Die Bühler-Entwickler haben an der Verschlankung des Prozesses gearbeitet und ein Verfahren entwickelt, bei dem mit einem einzigen Extruder kontinuierlich Extrudate mit verschiedenen Farben hergestellt werden können, ohne in einem nachgelagerten Prozess Chargen einzelner Farben vermischen zu müssen. Dazu werden die Farben abwechselnd in den Verfahrensteil des Extruders dosiert. Die Zeitintervalle sind sehr kurz gehalten, damit nicht in einem zusätzlichen Schritt nachgemischt werden muss. Das Vermengen während des Transports, der Besprühung sowie der Trocknung reicht aus, um eine homogene Mischung zur erhalten. Für diesen Prozess musste die Verfahrensgeometrie in einer Weise angepasst werden, dass Farbverschleierungen an den Übergängen zwischen den einzelnen Farben vermieden werden können.




