Maintal Konfitüren im unterfränkischen Haßfurt blickt auf eine Geschichte von nahezu 130 Jahren zurück. Das bekannteste Produkt des Unternehmens ist die Hagebuttenkonfitüre, fränkisch Hiffenmark genannt. Mit diesem Produkt deckt das Unternehmen 58 % des deutschlandweiten Bedarfs, stellt aber eine sehr große Palette verschiedenster Konfitüren und Gelees her.
In einem so viele Jahre bestehenden Unternehmen ist es immer wieder nötig, Anlagen, die in die Jahre gekommen sind, zu ersetzen. Dabei wird nicht einfach Verschlissenes ausgetauscht, sondern die Anlagen werden technisch auf neuesten Stand gebracht.
2012 stand die Erneuerung der mittlerweile schadhaften, 30 Jahre alten mit Heizöl befeuerten Dampfanlage an. Geschäftsführer Klaus Hammelbacher wollte sie durch eine zeitgemäße Energieanlage, die unter sparsamster Nutzung der eingesetzten Primärenergie nicht nur den nötigen Prozessdampf, sondern auch Strom liefert, ersetzen.
Geplant von Gammel Engineering aus dem niederbayerischen Abensberg, entstand in Kooperation mit dem Stadtwerk Haßfurt eine von Erdgas gespeiste Energieanlage. Eine Mikrogasturbine von Dürr erzeugt Strom für den Eigenbedarf und ihre Abwärme wird genutzt, um den benötigten Prozessdampf mit 10 bar zu liefern.
Die Gasturbine läuft konstant und liefert, bei einer elektrischen Leistung von 100 kW, zwei Drittel des benötigten Stroms. Ihre Abwärme deckt zwei Drittel des Wärmebedarfs der Konfitürenproduktion ab. Das fehlende Drittel wird durch direkte Beheizung des Dampfkessels mittels Gasbrenner erzeugt. Der konventionelle Teil des Vierzugkessels liefert bis zu 2,5 t Dampf pro Stunde, 0,5 t davon aus der Abwärme der Gasturbine. Auf diese Weise kann die stets benötigte Grundlast an Prozessdampf durch die Gasturbine bereitgestellt werden. Bei höherem Dampfbedarf kann der Gasbrenner zugeschaltet werden, dessen Leistung sich stufenlos regeln lässt. Da der Dampfbedarf schwankt, reicht den größten Teil der Zeit die Abwärme der Gasturbine, um den benötigten Dampf zu erzeugen.
Das Speisewasser wird vor seinem Eintritt in den Dampfkessel in einem Rauchgaswärmetauscher mit dem Rauchgas aus dem Dampfkessel vorgeheizt, was die Temperatur des Rauchgases beträchtlich senkt sowie den Gasverbrauch vermindert. Nach diesem Wärmetauscher dient ein Economizer dazu, dem Rauchgas noch weitere Wärme zu entziehen und damit Wasser für Reinigungszwecke und die Beheizung der Räume zu erhitzen. Auf diese Weise verlassen die Rauchgase nun den Kamin mit rund 120 °C statt wie vor der Erneuerung der Heizanlage mit 210 bis 220 °C. Das Werk bezieht den zusätzlich benötigten Strom weiterhin vom Stadtwerk Haßfurt.
Für Maintal Konfitüren hat die neue Anlage mehrere Vorteile. Zunächst wird die Energie insgesamt besser genutzt, da wesentlich weniger durch den Kamin verlorengeht. Das setzt den Einsatz an Primärenergie herab, was sowohl bei den Kosten als auch im CO2-Ausstoß sichtbar wird. Sodann ersetzt das kostengünstigere Erdgas das bisherige teuere Heizöl. Ferner bewirkt Erdgas im Vergleich zu Öl einen geringeren CO2-Ausstoß bezogen auf die erzeugte Wärme. Die Umstellung auf die neue Energieerzeugung führt zu einer Einsparung von etwa 5 t CO2 pro Jahr, wie Gammel Engineering berechnet hat.




