Die Develey Senf & Feinkost GmbH gilt als größter deutscher Senfhersteller und hält einen Anteil von gut 30 % am Senfmarkt. Auf einer zehn Jahre alten Anlage produzierte der Feinkostspezialist pro Jahr rund 35 Mio. Senfbehälter-Einheiten. Um auch für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein, suchte das Unterhachinger Unternehmen nach einer neuen Verpackungslösung. Vor diesem Hintergrund nahm Develey im Jahr 2006 Kontakt mit den Unternehmen Weidenhammer Plastic Packaging, Waldorf Technik, Kebo und Demag auf.
Hochwertig und leicht – mit diesen drei Worten lässt sich das Konzept umreißen, das Weidenhammer Plastic Packaging für den Develey erarbeitete. Dank eines extrem dünnwandigen Polypropylen-Bechers mit einem Label aus Papier, konnten ganze zwei Gramm abgespeckt werden – für Develey ein schlagkräftiges Zusatzargument hinsichtlich der Kosten, die dem Unternehmen über das Duale System Deutschland (DSD) ohnehin entstanden. Die galt es zu eliminieren. Bei einem Investitionsvolumen von 650 000 Euro ein Rechenexempel, das bei der endgültigen Vergabe des Auftrags ebenso überzeugen konnte wie die Kompetenz von Weidenhammer.
Maurizio Conte, der Operations Manager von Weidenhammer Plastic Packaging, ist davon überzeugt, dass der leichte Polypropylen-Senfbecher mit Papierlabel eine Signalwirkung auf den Markt haben wird. Denn neben den geringeren DSD-Entsorgungsgebühren profitiert Develey von einer weiteren Kostenersparnis zwischen 10 und 15 %, die sich aus dem Austausch des herkömmlichen Kunststofflabels gegen ein Papierlabel ergeben. Für Weidenhammer, deren Domäne die Kunststoffverpackung ist, steht jedoch diese Preisreduzierung nicht an erster Stelle. Wichtiger sei es, dem Kunden in der Relation zu einem geringen Einstandspreis eine Ersatzinvestition mit innovativen Möglichkeiten und Marketingspielräumen gestaltet zu haben, die gut zehn Jahre im Einsatz sein wird, betont Conte. Voraussetzung für den Erfolg der neuen Verpackungslösung war das perfekte Zusammenspiel Werkzeug, Maschine, Label und Anlagenautomation.
Für den Bau des Werkzeugs für die Spritzgießmaschine zeichnete das Schweizer Unternehmen Kebo verantwortlich. Es stand vor der Aufgabe, den Zyklus des Vorgängermodells, das mit einem deutlich kleineren Werkzeug bestückt war und in das kein Label eingelegt wurde, zu halten. Zudem verlangt die Verarbeitung des Werkstoffs Papier eine extreme Genauigkeit im Bereich weniger µm. Ein echtes Novum stellten außerdem acht Kavitäten dar. Trotz umfassender Erfahrungswerte, die die Kebo-Spezialisten bereits bei einem anderen Papier-Projekt erworben hatte, erforderte der Develey-Auftrag diverse Tests sowie die Anpassung des TE-Bandes, bis von Perfektion die Rede sein konnte. „Das Konzept, die Wandstärke massiv zu reduzieren, so dass sie mitsamt Etikett bei einer Toleranz von ±2 % gerade noch 0,39 mm misst, verlangt nach einer sehr gleichmäßigen Ausspritzung“, erläutert Thomas Fehr, Projektmanager bei Kebo. „Da die Ausspritzung von unten her erfolgt – der Boden misst dabei 0,42 mm – und der komplette Ring am anderen Ende des Bechers mit seinen Rillen genauso ebenmäßig gefüllt werden muss, ergibt sich hier eine Herausforderung bei immerhin acht Kavitäten.“ Diese kann nur über einen optimal angepassten Heißkanal erreicht werden. Eine weiteres Problem stellte die Haltefunktion für die Papierlabel im Werkzeug dar. Gelöst werden konnte es durch dünne Vakuumkanäle. Sie sind dafür verantwortlich, dass das Label exakt im Werkzeug platziert wird. Auch auf den ersten Blick nebensächliche Eigenschaften des Papiers, wie dessen Qualität, Faserrichtung etc. entpuppen sich beim Handling als entscheidende Faktoren.




