Zwischen Wachstumschancen und Veränderungsdruck: Der Markt für Kekse und Cracker wandelt sich grundlegend. Daniel Bossel, Produktmanager bei Syntegon, wirft einen Blick auf die wichtigsten Herausforderungen der Branche und wie Hersteller diese strategisch für sich nutzen können.
Frisch gebackene Kekse gehören zu den beliebtesten Leckereien weltweit. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten bieten sie als kleiner Luxus zwischendurch einen Genussmoment, der trotz Inflation und gestiegenen Rohstoffpreisen bezahlbar ist. Die zunehmende Nachfrage nach Keksen und Crackern eröffnet für Hersteller beachtliche Wachstumschancen – doch gleichzeitig ändern sich die Rahmenbedingungen in hohem Tempo. Neue Konsumtrends, wachsende Produktvielfalt, steigende Nachhaltigkeitsanforderungen sowie Personalengpässe und Digitalisierung stellen die Branche vor komplexe Aufgaben.
Gesundheitsbewusste Snacks und Convenience auf dem Vormarsch
Der moderne Verbraucher trifft bewusste Kaufentscheidungen und das auch am Backwarenregal: Produkten, die den persönlichen Lebensstil unterstützen, sind auf dem Vormarsch. Funktionelle Snacks mit reduziertem Zuckergehalt, zugesetzten Proteinen oder Ballaststoffen werden immer beliebter. Auch „Free-from“-Varianten wie glutenfreie oder laktosefreie Produkte sind längst im Mainstream angekommen. Transparenz bei den Inhaltsstoffen wird dabei zum Kaufkriterium – wobei kurze, verständliche Zutatenlisten überzeugen. Gleichzeitig bleibt Convenience ein zentraler Faktor: Einzelverpackungen, wiederverschließbare Formate und „on-the-go“-Lösungen entsprechen dem mobilen Lifestyle der Konsumenten, die zunehmend zwischen Genussmomenten und funktionalen Snacks unterscheiden.
Wachsende Produktvielfalt als Herausforderung
Die vielfältigen Verbraucherwünsche und neuen Präferenzen haben vor allem eines zur Folge: Eine bisher nie dagewesene Produktvielfalt – von saisonalen Spezialitäten über limitierte Editionen bis hin zu verschiedensten Verpackungsformaten. In der Produktion stellt das Hersteller vor neue Herausforderungen: Alternative Rezepturen wie glutenfreie oder vegane Varianten sind empfindlich in der Verarbeitung und erfordern besonders schonendes Handling, um Bruch zu vermeiden. Häufige Produkt- und Formatwechsel werden zudem zur Normalität. Gleichzeitig gilt es, trotz wachsender Komplexität wettbewerbsfähige Preise zu gewährleisten. Diese Gleichung geht nur mit hocheffizienten Prozessen auf: Flexible Anlagen mit minimalen Rüstzeiten sind der Schlüsselfaktor, um sowohl Standardprodukte als auch Spezialitäten wirtschaftlich herzustellen. Unternehmen, die agil auf neue Trends reagieren und ein vielfältiges Sortiment effizient produzieren können, sichern sich entscheidende Marktvorteile.
Mehr Effizienz, weniger Ausschuss
In der Welt der Kekse und Cracker stehen Margen aufgrund steigender Energie- und Rohstoffpreise zunehmend unter Druck. Um eine wirtschaftliche Produktion zu garantieren, wird die Minimierung von Ausschuss immer wichtiger. Jedes Prozent kann über die Rentabilität entscheiden. Damit jeder Keks und jeder Cracker am Ende ein Gewinn ist, ist produktschonendes Handling im gesamten Verarbeitungsprozess entscheidend. Moderne Technologien wie präzise Linearmotorsysteme und spezialisierte Greifwerkzeuge für Roboter reduzieren Bruchware signifikant – ein direkter Beitrag zur Gewinnoptimierung, der jeden einzelnen Keks und Cracker zum Erfolgsfaktor macht.
Nachhaltigkeit im Fokus
Neben Verbrauchererwartungen setzen auch neue Regulierungen die Hersteller unter Handlungsdruck. Nachhaltigkeit ist längst keine Option mehr, sondern zentraler Geschäftsfaktor: Regulierungen wie die EU-Verpackungsverordnung PPWR mit ihren verbindlichen Standards verlangen ein strategisches Umdenken. Der notwendige Wechsel von Verbundmaterialien zu recyclingfähigen Lösungen erfordert anpassungsfähige Verpackungsprozesse. Da nachhaltige Materialien andere physikalische Eigenschaften aufweisen, werden innovative Siegeltechnologien zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
Lebensmittelsicherheit bei steigender Produktkomplexität
Auch im Bereich der Lebensmittelsicherheit steigen die Anforderungen an die Produktionsabläufe – vor allem durch die wachsende Komplexität des Sortiments selbst. Mit der Zunahme von „frei von“-Varianten wird insbesondere professionelles Allergenmanagement immer wichtiger. Investitionen in Anlagen mit durchdachtem Hygienedesign zahlen sich dabei mehrfach aus: Glatte Oberflächen und leicht demontierbare Komponenten ermöglichen eine gründliche und schnellere Reinigung, was Produktionsunterbrechungen und Kontaminationsrisiken effektiv minimiert.
Kostendruck und Fachkräftemangel
Die Backwarenbranche steht vor einer doppelten Belastungsprobe: Während der Fachkräftemangel zunimmt, wächst gleichzeitig der Kostendruck. Steigende Personalausgaben belasten die ohnehin schmalen Margen zusätzlich. Die zentrale Herausforderung für Hersteller: mit weniger und teilweise geringer qualifiziertem Personal eine konstant hohe Produktqualität zu gewährleisten. Die Lösung: intelligente Automatisierung. Moderne Produktionslinien reduzieren den Personalbedarf entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Verarbeitung über die Qualitätskontrolle bis zur Verpackung – bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung.
Zudem entwickelt sich die Digitalisierung zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Vernetzte Anlagen ermöglichen Echtzeitüberwachung und sofortige Reaktion bei Abweichungen. Eine vorausschauende Wartung optimiert dabei die Instandhaltungsprozesse: Statt starrer Wartungszyklen erfolgen Eingriffe nur nach Bedarf, was Stillstandzeiten minimiert, Personalressourcen schont und die Lebensdauer der Anlagen verlängert.
Partnerschaften als Schlüssel zum Erfolg
Angesichts der vielschichtigen Herausforderungen für Keks- und Crackerhersteller reicht die Optimierung einzelner Aspekte nicht mehr aus. „Moderne Herausforderungen erfordern ganzheitliche Systemlösungen und echte Partnerschaften“, sagt Daniel Bossel. „Wir sehen uns als Problemlöser, der gemeinsam mit dem Anwender zukunftsfähige Konzepte entwickelt – gestützt auf unser globales Netzwerk und unsere jahrzehntelange Erfahrung in der Backwarenindustrie.“ Zukunftsorientierte Hersteller setzen auf Partner, die Branchenexpertise mit Innovationskraft verbinden. Ein umfassendes Lösungsportfolio – von der Produkthandhabung über flexible Verpackungssysteme bis zu maßgeschneiderten Serviceangeboten – hilft dabei, die Balance zwischen Qualität, Effizienz, Flexibilität und Nachhaltigkeit zu finden.
Fazit und Ausblick
Die Zukunft der Keks- und Crackerbranche gehört Herstellern, die auf automatisierte, hochflexible Produktionssysteme setzen und sich agil an veränderte Marktbedingungen anpassen können. Wer jetzt in eine zukunftssichere Lösung investiert und auf die richtigen strategischen Partner setzt, ist für die komplexen Herausforderungen der Branche gerüstet. (br)




