Dipl.-Phys. Martin Witzsch
Bei der Milch Union Hocheifel (MUH) werden Tag für Tag 2,5 Mio. l Milch erfasst, auf 0,5 °C genau erhitzt, abgefüllt oder zu haltbaren Produkten weiter verarbeitet. Für die Elektrotechnik sind insgesamt 15 Mitarbeiter zuständig. Planung, Wartung und Überwachung des Bereichs Automatisierungstechnik obliegt einer vierköpfigen Truppe. Mit seinem kleinen, aber schlagkräftigen Team kümmert sich Dipl.-Ing. Oliver Goebel um fast jede Art von Prozess-Steuerung im Hause MUH. Es gibt reichlich zu tun, denn die Produktion wächst ständig und neue Aufgaben, wie die Gebäudeautomatisierung, kommen hinzu. Das hat auch den Aufgabenschwerpunkt verlagert. Noch vor einigen Jahren mussten passende Steuerungskonzepte mangels fertiger Lösungen komplett selbst entwickelt werden. Inzwischen gibt es für viele Anlagenteile fertige Steuerungslösungen auf dem Markt. Die Kunst der Prozess-Spezialisten besteht jetzt darin, diese Teile in eine Gesamtsteuerung zu integrieren. Dabei achtet man streng auf dezentrale Konzepte: „Ohne Feldbustechnik”, so Oliver Goebel, „sind die Aufgaben in einem derartigen Werk mit so einem kleinen Team nicht zu bewältigen.”
Verpackungsanlagen beispielsweise werden komplett von Spezialfirmen wie Tetra PAK und SIG Combibloc bezogen, die mit einem selbst entwickelten Steuerungskonzept arbeiten. Nur durch diese Standardisierung können die Hersteller schnellste Abwicklung von Wartungen und Reparaturen sichern. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich diese hochspezifischen Module nicht ohne weiteres in jede Gesamtanlage integrieren lassen. Die Steuerungen stellen nicht immer alle extern benötigten Signale zur Verfügung. Deshalb werden diese über das Wago-I/O-System 750 direkt abgegriffen, teils von zusätzlichen, teils sogar von vorhandenen Sensoren.
Auch die den Abfüllanlagen nachgeschaltete Fördertechnik ist mit dem Wago-I/O-System 750 ausgerüstet. Dabei wurde zur Steuerung der Etikettendrucker eine besondere Lösung entwickelt. Mit den Druckern werden Labels auf die Paletten appliziert. Auf diesen Etiketten stehen alle Parameter der jeweiligen Palette, die zur eindeutigen Identifizierung und Rückverfolgung des produzierten Gutes gebraucht werden. Jeder Drucker ist mit einem Scanner versehen, der die Etikettendaten wieder einliest. Damit werden die Paletten für die weitere Förderungssteuerung erfasst. Eine zusätzliche Aufgabe ist die kundenspezifische Positionierung des Etiketts. Verschiedene Drucker-Fabrikate sind im Einsatz, die ursprünglich mit herstellereigenen Steuerungen und Schnittstellen ausgerüstet waren. Die mobilen Druckeinheiten müssen jedoch an beliebiger Stelle des Fördersystems arbeiten können und untereinander austauschbar sein. Diese Anforderungen überschreiten bei weitem die Möglichkeiten der normalen Druckersteuerungen. Das Team der MUH ersetzte sie kurzerhand durch Wago-Feldbusknoten, die statt mit Kopplern mit programmierbaren Feldbus-Controllern ausgerüstet sind. Die kompakten Einheiten finden auch in dem kleinen Gehäuse Platz. Da innerhalb eines Knotens unterschiedliche Ein- und Ausgangsspannungen kombiniert werden können, entfallen separate Umsetzer z.B. für den Druckkopf, der mit 5 V betrieben wird. Auch die serielle Schnittstelle ist in den Knoten integriert. Mit 12 mm benötigt sie nicht mehr Platz als eine Standardklemme. Das Steuerprogramm läuft komplett im Controller. Diese Lösung ist weit preisgünstiger und kompakter als eine Steuerung mit einer klassischen SPS. Am Drucker befinden sich einheitliche Anschlüsse für Scanner, Bus und Leitsystem. So ist jedes Gerät an beliebiger Stelle der Förderung einzusetzen.




