Dipl.-Ing. Mario Müller
Das wichtigste und in fast jedem Produktionsprozess benötigte Gas ist die Druckluft. Sie wird anders als z.B. Stickstoff oder Kohlendioxid direkt vor Ort durch Kompressoren erzeugt. Da die Umgebungsluft aber eine Vielzahl von Verunreinigungen enthält, die über den Kompressor mit verdichtet werden, ist eine gezielte Aufbereitung unerlässlich. Die wichtigsten Verunreinigungen sind im einzelnen Öl (Kompressoröl und atmosphärische Kohlenwasserstoffe), Wasser und Wasseraerosole, Schmutzpartikel und Mikroorganismen. Die so genannte industrielle Aufbereitung der Druckluft findet in der Regel zentral im Kompressorraum statt. Die wesentlichen Aufbereitungsstufen sind die Nachkühlung der Druckluft durch spezielle Nachkühler, die Zentrifugalabscheidung von Wasseraerosolen, die Partikelfiltration und Entfernung von Wasser- und Öl-Aerosolen durch Koaleszenzfilter, die Trocknung durch Adsorption- oder Kältetrockner und die Entfernung von Öldämpfen und -gerüchen durch Aktivkohlefilter.
Bei aseptischen und sterilen Produktionen ist zusätzlich zur zentralen, industriellen Aufbereitung immer eine endständige Sterilisation der Druckluft oder des benötigten Prozessgases (Kohlendioxid, Stickstoff, etc.) erforderlich. An diesen kritischen Stellen setzt man im allgemeinen Kerzenfilter ein. Diese haben als Filtermedium entweder ein mehrlagiges, PTFE veredeltes Mikrofaservlies (Tiefenfilter) oder eine synthetische PTFE-Membrane (Membranfilter).
Der Tiefenfilter zeichnet sich durch seine hohe Durchsatzleistung und die Fähigkeit, auch größere Mengen an Partikel aufnehmen zu können aus, ohne merklichen Anstieg des Differenzdruckes oder gar Verlust der Integrität. Der Membranfilter mit seiner Porenstruktur ist hingegen durch seine extrem hydrophobe (wasserabweisende) Oberfläche gekennzeichnet und wird damit bevorzugt in Bereichen mit hoher Luft- bzw. Gasfeuchte eingesetzt. Die Wirkungsweise beider Filtermedien beruht auf den folgenden drei Filtrationsmechanismen:
• Direktes Abfangen: Mikroorganismen werden auf der Oberfläche des Filtermaterials mittels Siebfiltration zurückgehalten.
• Trägheitsaufprall: Mikroorganismen können in das Filtermedium eindringen, sind aber dann nicht in der Lage, den gewundenen Kanälen des Filtermediums zu folgen und treffen so auf die Filtermatrix und werden zurückgehalten.
• Diffusion/Braun’sche Molekularbewegung: Die Mikroorganismen führen aufgrund ihrer geringen Größe eine Eigenbewegung im Gasstrom aus. Sie treffen zwangsläufig auf die Filtermatrix und bleiben dann in der Tiefe des Filtermediums haften.




