Pflanzliche Proteine erleben einen beispiellosen Aufschwung. Getrieben von technologischen Innovationen, neuen Konsumentengruppen und steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen entwickeln sich Erbse, Soja & Co. zur ernsthaften Alternative zu tierischem Eiweiß. Parallel wächst der Druck auf die Industrie, effiziente und ressourcenschonende Verfahren zur Proteinextraktion bereitzustellen – und damit die Basis für die Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung zu sichern.
Noch vor wenigen Jahren führten Pflanzenproteinprodukte ein trauriges Nischendasein in den Supermarktregalen. Eine Art Urknall stellt die Gründung der inzwischen weltberühmten Unternehmen „Beyond Meat“ und „Impossible Foods“ in den Jahren 2009 und 2011 im Silicon Valley dar. Mit viel unternehmerischem Geschick und ausgefeilten Marketingstrategien schafften es die Start-ups mit pflanzenbasierten Burger-Pattys innerhalb von einer Dekade vom kleinen Start-up zum Global Player. Der Impossible Burger basiert auf einer Rezeptur mit Soja- und Kartoffelprotein, der Beyond Burger setzt auf Erbsenprotein. Beide Produkte imitieren in Sachen Geschmack, Konsistenz und Optik nahezu perfekt ihr tierisches Vorbild.
Aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs und der positiven Mediendarstellung wurden seither weltweit unzählige Start-ups gegründet. Die Investoren stehen Schlange und so gibt es inzwischen eine unvorstellbare Vielfalt an pflanzlichen Pendants, wie z. B. Hühnchen, Speck, Ei, Fisch, Käse, Joghurt usw. Auch die bekannten Lebensmittelkonzerne sind bereits lange eingestiegen und erweitern ihr Produktportfolio. Eine logische Konsequenz daraus ist ein enormer Anstieg der weltweiten Nachfrage an Pflanzenprotein. Die existierenden Hersteller von Pflanzenprotein reagieren auf diese Nachfrage und errichten neue Fabriken, um im globalen Wettbewerb Marktanteile zu gewinnen. Zu ihnen gesellen sich nun vermehrt Quereinsteiger, die am Erfolg teilhaben wollen. Bei diesen Quereinsteigern handelt sich v. a. um Unternehmen aus dem Agrar-Bereich, die den Rohstoff (z. B. Erbsen) bereits anbauen und verkaufen und nun ihre Wertschöpfungskette ausbauen wollen. Eine weitere große Gruppe sind die Ölmühlen, bei denen im Rahmen der Ölgewinnung ein proteinreicher Presskuchen zurückbleibt. Auch Lebensmittelbetriebe, die derzeit noch pflanzliches Protein einkaufen, interessieren sich mehr und mehr für eine eigene Produktion von Pflanzenproteinen. Diese Variante ist daher besonders interessant, weil bei direkter Verarbeitung vor Ort eine kostenintensive Trocknung des Produkts entfallen kann und das ungetrocknete Protein gleichzeitig überlegene funktionelle Eigenschaften besitzt.
Eine nachhaltige Entwicklung
Die Fortschritte im Bereich der Produktentwicklung sind nur ein Grund für den Siegeszug von Erbse & Co. Die heutige Weltbevölkerung von ca. 8,2 Mrd. erreicht nach Expertenschätzungen einen Anstieg auf ca. 9,8 Mrd. (in 2050) und ca. 11,2 Mrd. (in 2100). All diese Menschen sind angewiesen auf eine ausreichende Proteinversorgung. Eine Versorgung rein auf Basis von tierischem Eiweiß stößt hier an ihre ökologischen und ethischen Grenzen. Die Gewinnung von Proteinen direkt aus der Pflanze ist deutlich ressourcenschonender als der Umweg über die Viehhaltung, wo die Pflanzen lediglich als Futtermittel fungieren und ein Großteil der enthaltenen Nährstoffe ungenutzt bleibt. Der regionale Anbau von Erbsen, Bohnen, Lupinen, Raps usw. bringt auch eine deutlichere Verbesserung der Biodiversität, da diese blühenden Pflanzen gleichzeitig auch eine Nahrungsquelle für die Insektenwelt darstellen. Auch das moralische Dilemma der intensiven Viehhaltung zur Fleischerzeugung lässt sich durch die pflanzliche Alternative auflösen. Diese Fakten sprechen für eine nachhaltige und langfristige Entwicklung. Von einem kurzen Trend oder Hype kann keine Rede mehr sein.




