Das Deutsche Milchkontor (DMK), Deutschlands größtes Molkereiunternehmen, setzt bei der Realisierung von Industrie 4.0 auf die Partnerschaft mit dem Softwarespezialisten Inray. Wie sich Produktionssysteme in einer Molkerei intelligent vernetzen lassen, erläutern Michael Lindel, Teamleiter Supply Chain IT-Systeme/MES beim DMK, und Sören Rose, Geschäftsführer von Inray.
Beim Thema Industrie 4.0 steht oft die Fertigungsindustrie im Fokus. Herr Lindel, wie sehen Sie das Thema in der Milchverarbeitung, die ja ein klassischer Zweig der Prozessindustrie ist?
Michael Lindel: Bei uns ist das Thema genauso aktuell wie in nahezu jeder Industrie. In den letzten Jahren haben wir einen hohen Automatisierungsgrad in unseren Prozessen erreicht. Gerade das scheint uns sogar ein Vorsprung gegenüber anderen Industrien zu sein. Unsere Prozesse werden durch zentrale Steuerungen automatisiert, die oft mehrere Anlagen steuern. Dadurch waren wir schon gut gerüstet und konnten allein durch die Anbindung dieser Steuerungen viele Daten gewinnen und Prozesse verbessern. Erst im Bereich der Verpackung haben wir eine ähnliche Situation wie in der Fertigungsindustrie, da wir hier über viele Einzelmaschinen sprechen.
Herr Rose, welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ziele von Industrie 4.0 in der Prozessindustrie?
Sören Rose: Wir sehen vor allem die Selbststeuerung und Selbstoptimierung der Produktion als ein wichtiges Ziel. Die Verfahren der Prozessindustrie eignen sich dafür gut, da sie oft schon hochautomatisiert ablaufen. Über die Vernetzung und Kopplung der Anlagen können effektive Regelkreise aufgebaut werden. Ebenfalls interessant ist das Thema Predictive Maintenance, da die Anlagen auf 24/7 ausgerichtet sind und jeder Stillstand kostet. Durch die hohe Automatisierung stehen bereits viele wertvolle Daten zur Verfügung, die dafür genutzt werden können. Beim Thema Losgröße 1 werden wir sicher nicht bei 1 landen, aber auch in der Milchindustrie sehen wir höhere Variantenvielfalt durch spezielle Kundenanforderungen.
Herr Lindel, wann und wie haben Sie im DMK-Konzern die ersten Schritte in Richtung Industrie 4.0 gemacht?
Lindel: Das ist schwer auf ein Jahr festzumachen. Klar ist aber, dass es mit der Vernetzung der Steuerungen und deren Anbindung an übergeordnete Systeme begonnen hat. Dabei spielt die Einführung unseres MES-Portals als Fertigungsleitsystem in den Produktionswerken eine wichtige Rolle. Vor etwa zehn Jahren hat DMK, damals noch Nordmilch und Humana, begonnen, Daten statt auf Papier mit dem OPC-Router von Inray automatisch in Datenbanken zu schreiben. Wir haben verschiedene Systeme angebunden, um eine möglichst umfassende Dokumentation der Produktion zu bekommen. Sehr schnell haben wir dann auch begonnen, Daten in die Steuerungen zu senden, um die Produktion automatisch mit Auftragsdaten und Rezepten aus überlagerten Systemen zu versorgen. Wir haben für uns erkannt, dass wir mit dem OPC-Router und dem Kepware-OPC-Server eine einfache und flexible Lösung für alle Arten von Anbindungen haben. Damit können wir in Projekten sicherstellen, dass es fast nichts gibt, was wir nicht anbinden können. Dabei sind wir noch lange nicht am Ziel angelangt. Es gilt für uns, weiter Grundlagen zu schaffen wie Vereinheitlichung der MES-Systeme inklusive Schnittstellen zu weiteren Werksystemen wie Logistiksystemen, um für die künftigen Herausforderungen gerüstet zu sein.




