Die Logistik zwischen Rohstofflieferant und Hersteller hat sich in den vergangen Jahren entscheidend verändert. War sie früher vor allem transaktionsorientiert und auf eine bzw. wenige Aufgaben beschränkt, sind heute partnerschaftliches Zusammenarbeiten, langfristige Verträge zwischen den einzelnen Mitspielern und die Integration von Prozessen gefragt. Nur auf diese Weise lassen sich Ziele wie optimales Preis-Leistungs-Verhältnis und größtmögliche Warenverfügbarkeit bei minimalen Beständen erreichen.
„In Zukunft werden Supplier-Managed-Inventory-Konzepte – also die verbrauchsgesteuerte Versorgung des Herstellers mit Rohstoffen – eine wichtige Rolle in der Logistik spielen. Mit SMI lässt sich die Planung transparenter und automatisierter gestalten“, erklärt Peter Piesch, Geschäftsführer des Klingenberger Unternehmens ProConNet. Kern des Gedankens ist, dass der Rohstofflieferant dafür verantwortlich ist, dass im Lager seines Kunden immer die optimale Menge an Rohstoffen bereit steht. Er wartet also nicht mehr auf Bestellungen seines Kunden, sondern steuert den Nachschub selbst. Das setzt voraus, dass der Lieferant die nötige Visibilität über den Bedarf und die Lagerbestände seines Kunden hat.
In der Praxis sieht das so aus: Eine Mühle liefert Biomehl an einen Babynahrungsproduzenten für die Weiterverarbeitung zu Breien etc. Die Verantwortung für die Lieferung der Rohstoffe wird an den Biomehllieferanten übertragen. Dieser ist damit für die Bestände bzw. die Befüllung des Herstellerlagers verantwortlich. Der Produzent wickelt seine Bedarfsplanung mit dem Rohstofflieferanten vollautomatisch auf Grundlage eines vorab geschlossenen Kontraktes ab.
Um die Zusammenarbeit zwischen Produzent und Lieferant effizienter zu gestalten, will die Global Upstream Supply Initiative (GUSI) die Schnittstelle zwischen Hersteller und Lieferant über einheitliche Standards zusammenbringen. Dabei handelt es sich um eine Arbeitsgruppe der Global Commerce Initiative (GCI), der führende Unternehmen, wie Nestlé, Unilever, Procter & Gamble, Symrise und andere angehören. Im Kern geht es darum, die Geschäftsprozesse zwischen Herstellern und ihren Lieferanten von Zutaten, Rohmaterialien, aber auch Handelswaren und Verpackungen effizienter zu gestalten. Auch hier liegt der Schlüssel in der Transparenz von Bestands- und Nachfragemanagement. Die für die Steuerung der Prozesse notwendigen Informationen werden über das Internet im XML-Format ausgetauscht. Dafür wurde das Upstream-Integration-Model (UIM) entwickelt, in dem eine Reihe von Standardgeschäftsprozessen und Informationsströmen definiert werden.
Die Vorteile solch eines Konzeptes liegen auf der Hand, wie Piesch berichtet: „Da detaillierte Informationen über den jeweiligen Bedarf und die Lagerbestände vorliegen, wird die Abstimmung zwischen Produktion und Beschaffungslogistik verbessert. Gleichzeitig werden die Planungsprozesse weltweit vereinheitlicht.“ Der Zulieferer der Rohstoffe verfügt über eine vorausschauende Verbrauchsplanung. Er kann auf dieser Basis selbstständig entscheiden, wann und wie viel er liefert, da ihm Produktionsplanzahlen und Vorlaufzeiten bekannt sind. Zusätzlich werden die Losgrößen berücksichtigt, damit möglichst komplette Liefereinheiten auf den Weg gebracht werden. Letztendlich kann also der Babybreihersteller seinen Lagerbestand minimieren. Zusätzlich wird die Administration auf beiden Seiten gestrafft, da die Bestellvorgänge standardisiert und automatisiert werden. Potenziale liegen neben reduzierten Beständen zudem in einer deutlich gestiegenen Planungssicherheit. Out-of-Stock-Situationen oder die Abwicklung kostenintensiver Retourlieferungen werden vermieden. „Davon abgesehen führen solche Konzepte zu einer engeren Lieferanten-Hersteller-Beziehung“, merkt Piesch an. Sowohl der Lieferant als auch der Kunde erhalten mehr Sicherheit, da bekannt ist, welche Rohstoffe wann, zu welchem Kunden bzw. Standort geliefert werden. Der Produzent kann sich darauf verlassen, dass der Lagerbestand bzw. die Nachschublieferung für die geplanten Produktionen optimiert zur Verfügung gestellt wird.




