Vollmilchpulver wird aus Vollmilch mittels Trocknung hergestellt. Zur Dehydratation kommen hierbei sowohl die Sprüh- als auch die Walzentrocknung zum Einsatz. Zum Fördern von sprühgetrocknetem Milchpulver sind gängige, pneumatische Förderungen schlecht geeignet, da sie mit hohen Fördergeschwindigkeiten arbeiten und es dadurch zur Zerstörung der Partikelstruktur kommen kann. Gesucht wurde deshalb bei der Konzipierung einer neuen Anlage eine Lösung im Bereich der Dichtstromförderung. Außerdem mussten vom Sprühturm bis zu den Puffersilos ca. 60 m bei einer Förderleistung von bis zu 6 t/h zurückgelegt werden. Zur Beschickung der Big Bag- und Sack-Abfüllanlagen aus den Puffersilos waren 30 m zu überbrücken und eine Förderleistung von 12 t/h notwendig.
Das von AZO realisierte Anlagenkonzept bietet eine hohe Flexibilität und Hygiene bei der Abfüllung des am Sprühturm anfallenden getrockneten und gesiebten Milchpulvers. Es kann über einen Pufferbehälter direkt in Big Bags abgefüllt oder über die schonende Dichtstromförderung AZO Multiair auf eine Absackanlage gefördert werden. Hier erfolgt die Abfüllung in Säcke unter inerten Bedingungen. Falls es nicht möglich ist, sofort abzufüllen, wird das Milchpulver über die AZO-Multiair-Anlage schonend in Puffersilos gefördert und zwischengelagert. Die Silos sind zur Füllstandüberwachung mit Wägezellen ausgestattet. Zur Austragsunterstützung wird das Produkt über Belüftungsdüsen mit Druckluft oder Stickstoff fluidisiert. Aus den Silos heraus wird das Milchpulver mittels einer Saug-Plus-Anlage, das ist eine schonende Saugförderung im Dichtstrom, auf die Big Bag-Befüllstation oder auf die Absackanlage gefördert. Durch die Zwischenlagerung in den Puffersilos erreicht man eine Entkopplung von Sprühturm und Abfüllung und kann so Leistungsschwankungen ausgleichen.
Das am Sprühturm anfallende Milchpulver wird nach dem Fließbettkühler und der nachgeschalteten Siebmaschine sowie einem Metallabscheider der Big Bag-Befüllstation zugeführt. Hierfür kommt ein Vibrationsrohr zum Einsatz. Vor der Abfüllanlage sind Probenehmer installiert, die eine lückenlose Nachvollziehbarkeit der Produktqualität ermöglichen. Das Milchpulver gelangt in einen Pufferbehälter, der mit einer Dosierklappe versehen ist. Diese verhindert ein Nachrieseln während der Big Bag geschlossen und gewechselt wird. Zur Befüllung hängt der Bediener die Schlaufen eines leeren Big Bags in die automatisch lösbaren Schlaufenhalter. Dabei lassen sich die hinteren Schlaufenhalter in Richtung Bediener bewegen, sodass ein ergonomisches Aufhängen von einer Seite möglich ist. Danach zieht der Bediener den Big Bag-Anschlussstutzen über das Befüllrohr und stellt über die aufblasbare Manschette eine staubdichte Verbindung her. Das Aufblasen des Big Bags mit Druckluft oder Stickstoff kann nun beginnen. Zunächst hängt der Big Bag frei an seinen Schlaufen. Um eine bessere Standfestigkeit und einen ebenen Boden zu erreichen, wird ein Unterstützungstisch mit integrierten Wägezellen und einer Vibrationsunterstützung für bessere Füllkonditionen automatisch unter den Big Bag gefahren. Durch Öffnen der Dosierklappe am Pufferbehälter beginnt die Befüllung im Grobstrom. Zur Feindosierung wird die Klappe langsam geschlossen, bis das Sollgewicht erreicht ist. Dadurch erreicht man eine hohe Dosiergenauigkeit. Um die Big Bags zuverlässig gasdicht zu verschließen, wird der Einfüllstutzen mit bis zu drei Schweißnähten direkt an Ort und Stelle verschlossen. Die Verschließeinheit ist für die Zone 21 ausgelegt. Das Befüllen und Verschließen des Big Bags im High Care-Bereich ist damit abgeschlossen.




