Dipl.-Ing. Wolfgang Löwen
Nie zuvor haben sich in der Lebensmittelbranche Veränderungen so rasch wie heute vollzogen. Weder in den Märkten, und damit auch bei den Produkten, noch im organisatorischen Bereich bleibt noch Zeit für einen geordneten Lebenszyklus. Durch globale Märkte unterliegen die Produkte einem unbarmherzigen Wettbewerb durch den Vergleich von Kosten und Qualität. Die Konsumenten fordern individuelle Produkte, die exakt den Bedürfnissen entsprechen und die Produktionsbetriebe müssen diese liefern.
Information bekommt in dieser Zeit strategischen Charakter. Stehen wichtige Daten nicht oder nur in schlechter Qualität zur Verfügung, wird bei der Anpassung der Unternehmen falsch entschieden und ungeeignet gehandelt. Soll parallel und im Team gearbeitet werden – und das ist bei komplexen Umbauten von Produktionsbetrieben unumgänglich – benötigt man Informationen für die Kommunikation und Koordination. Wichtig ist also, daß die Informationsversorgung stimmt.
Eine hohe Planungsbereitschaft für die Objekte des Anlagevermögens zu erreichen, ist Ausgangs- und Zielpunkt von Facility Management. Ganzheitliche Informationssysteme für die Bewirtschaftung des Anlagevermögens von Produktionsstandorten stecken jedoch noch in den Kinderschuhen. Daher sollen hier die Hintergründe und Ansatzpunkte zu einem rechnergestützten Facility Management beleuchtet werden.
Die tägliche Praxis von Planungsprojekten zeigt, daß ein beachtlicher Anteil der Projektarbeit für die Sammlung und Aufbereitung von Planungsdaten als Planungsgrundlage aufgewendet werden muß. Und gerade hier setzt Facility Management (Abb. 1) an. Die konsequente Pflege der einmal ermittelten Planungsgrundlage über das Projektende hinaus ist der Weg zur wachsenden Planungsbereitschaft von Projekt zu Projekt.
Ein häufig verwendetes Beispiel zur Illustration des Verfalls von Planungsgrundlagen sind die Gebäudebestandspläne. In der Gebäudeplanung werden Planungsstände erarbeitet und bis zur Ausführungsplanung fortgeschrieben. Danach werden die Pläne durch das ausführende Unternehmen umgesetzt. Die Praxis zeigt, daß sogar schon mit der Realisierung der Planbestand nicht mehr mit dem Gebäudebestand übereinstimmen muß. Häufig wird nach der Gebäudeerstellung der letzte Planungsstand als Bestandsplan übernommen, jedoch bauliche Veränderungen aus dem täglichen Betrieb nicht fortgeschrieben. Damit sinkt der Informationsbestand kontinuierlich mit der Zeit. Dabei sind die Informationen über den Gebäudebestand noch relativ unkritisch. Sie können mit unvergleichbar geringerem Aufwand neu aufgenommen werden, da sie sichtbar sind – im Vergleich zum Beispiel zum nicht dokumentierten Abwassersystem.
Eine hohe Planungsbereitschaft wird also dadurch erreicht, daß alle Änderungen der Planungsgrundlage kontinuierlich fortgeschrieben und jederzeit aktuell zur Verfügung gestellt werden. Damit ergibt sich bei der Projektdurchführung ein bedeutender Zeitgewinn. Von der Betriebsplanung können direkt gesicherte Informationen verarbeitet werden und die Kontrolle und projektbezogene Aktualisierung der Planungsgrundlage entfällt.




