MES-Systeme sind komplex. Sie setzen sich aus verschiedenen Aktionsebenen zusammen, die sich von der Automatisierungs-(Maschinen-)Ebene über die Prozess-(Linien-)Ebene bis hin zur Betriebs- und Unternehmensebene erstrecken. Daraus ergeben sich wesentliche Merkmale eines MES-Systems:
- Es handelt sich um individuell verschiedene Systeme. Kein MES gleicht dem anderen, wenn dies auch bei oberflächlicher Betrachtung anzunehmen wäre. Zur individuellen Ausgestaltung sind hochqualifizierte Fachleute nötig.
- In punkto Einzelbausteine und Schnitt- stellen gilt der Grundsatz: so viel Standard wie möglich, so viel Individualität wie nötig.
- Aus Kosten- und Anpassungsgründen (z. B. mithilfe der Scrum-Methodik) empfiehlt sich eine schrittweise Einführung.
Im Folgenden sollen diese drei Merkmale am Beispiel des GQM MES bei der Einführung im Bereich Produktion, Logistik und Produktionsplanung praxisgerecht dargelegt werden. Dabei kommt man gerade im Mittelstand nicht ohne praktische Erfahrungswerte und erprobte Basiskonzeptionen aus. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Qualitätssicherung und die Produktentwicklung, die in einem weiteren Artikel separat beschrieben werden sollen.
Zunächst gilt es ein branchenspezifisches MES, das alle relevanten und branchenspezifischen Basisprozesse enthält, auszuwählen. Diese Prozesse sind im Überblick in Bild 1 für das GQM MES abgebildet. Alle diese Prozesse sind in ihren Grundstrukturen als Daten- und Funktionsmodelle angelegt. Die einzelnen Funktionsbereiche werden häufig auch als Module bezeichnet. Jeder Basisprozess enthält eine Vielzahl von Einzelprozessen, die das Datenmodell nutzen und in Ihrem branchenspezifischen Umfang den Rahmen dieser kurzen Abhandlung sprengen würden. Die Einzelprozesse werden bei der Nutzung des Systems innerhalb der betriebsspezifischen Arbeitsprozesse kombiniert. Der rot eingezeichnete, spezifische Arbeitsprozess kann als Beispiel zur Verdeutlichung dienen: Im Bereich Produktentwicklung werden neue (oder auch modifizierte) Produkte generiert [1] und dann mit einer exakten Spezifikation versehen [2]. Die dazugehörenden Abläufe werden genau dokumentiert und zur Produktion freigegeben [3]. Zur Produktion dieser Produkte erfolgt eine entsprechende Produktions- bzw. Produktionsfeinplanung [4], eventuell mit Bestellwesen. Nach dem geprüften Wareneingang [5] wird unter Verwendung der Produktionsrezepturen [6] produziert [8] und verpackt und ins Lager überstellt [7] [9] [11]. Qualitätsprüfungen [10] begleiten den gesamten Prozess ebenso wie ein zeitnahes Produktionscontrolling [12]. Dies, wie erwähnt, ist nur ein Beispiel für einen betriebs- oder unternehmensübergreifenden Ablauf, der aus einer Vielzahl von Einzelfunktionen besteht, die im Übrigen vielfältig kombinierbar sind.




