Die Milchwerke Berchtesgadener Land erzeugen seit dem Jahr 2016 einen großen Teil ihrer benötigen Energie selbst in der hauseigenen Energiezentrale. Mit einem Wirkungsgrad von 90 % deckt eine Gasturbine 50 % des Strombedarfs, liefert aus der Abwärme Dampf und hilft damit dem Unternehmen, seinen CO2-Fußabdruck zu verringern und Ressourcen einzusparen. Bei der Messtechnik setzt man auf Geräte von Endress+Hauser wie Vortex-Durchflussmessgeräte und Dampfrechner.
Die Milchwerke Berchtesgadener Land benötigen zur Verarbeitung der angelieferten Rohmilch viel Strom und Dampf. So wird zur Sterilisierung der 148 Lager-, Steril- oder Butterreifetanks über längere Zeit Dampf eingeblasen, wie Florian Lexhaller, Technischer Leiter der Milchwerke berichtet. Auch für die Prozesstechnik ist kontinuierlich eine große Menge an Dampf notwendig. Im Durchschnitt verbraucht die Molkerei 7 bis 8 t, in der Spitze sogar bis zu 10 t Dampf pro Stunde.
Weil die Produktion von Dampf sehr energieaufwendig ist und die bis dato eingesetzten Dampfkessel schon etwas in die Jahre gekommen waren, sahen die Verantwortlichen an dieser Stelle große Einsparpotentiale beim Energieeinsatz und CO2-Ausstoß.
Gasturbine mit 1,6 MW Leistung
Die Idee: Anstatt die elektrische Energie für die Anlagentechnik und für die Dampfproduktion aus dem öffentlichen Netz zu beziehen, soll der Strom künftig selbst erzeugt und aus der Abwärme Dampf erzeugt werden. Der Vorteil dieser Lösung ist es, dass die Energieerzeugung effizienter gestaltet werden kann. Weil sowohl Strom und Dampf in der Molkerei genutzt werden, steigt mit dieser Lösung auch die Versorgungssicherheit und das Risiko für Anlagenstillstände wird deutlich reduziert.
Den Umbau stemmte die Molkerei mit einem Partner aus dem Anlagenbau im laufenden Betrieb, die Gasturbine ging 2016 ans Netz der Molkerei. Die Turbine mit einer Leistung von 1,6 MW von Kawasaki produziert ca. die Hälfte der in der Molkerei benötigten elektrischen Energie. Die Abwärme der Turbine wird dann in einen Abhitzekessel geleitet, der 5 t Dampf pro Stunde produziert. Ergänzt wird die Dampfproduktion mit zwei Spitzenlastkesseln von Bosch, die jeweils 10 t Dampf pro Stunde bei einem Druck von 10 bar erzeugen können.
Die Abwärme der Dampferzeugung wird genutzt, um ein Warmwassersystem mit 200.000 l Pufferspeicher aufzuheizen. Mit dieser sogenannten Niedertemperaturwärme werden in Zukunft alle Gebäude beheizt, sodass die Gebäudeheizungen rückgebaut werden können. Auch die CIP-Anlagen und der Milchwärmer für Quark werden durch das Niedertemperaturwärmesystem gespeist, ein Wärmenetz durch die gesamte Firma wurde bereits verbaut. Über diese Kaskade von Wärmetauschern wird das 530 °C heiße Turbinenabgas auf 50 °C abgekühlt, bevor es das Abzugsrohr verlässt.




