Wilhelm Pfeuffer
Outsourcingprojekte zählen zum festen Arsenal industrieller Rationalisierungsstrategien. In wachsendem Umfang bewerben sich Fachdienstleister verstärkt um Instandhaltungsfunktionen für den Maschinen- und Anlagenpark. Dabei sehen sich die Verantwortlichen in der Industrie oft vor eine schwere Entscheidung gestellt. Einerseits reichen die betreffenden Arbeiten tief in den Wertschöpfungsprozeß, von ihnen hängen sowohl Liefer- als auch Qualitätsfähigkeit ab. Andererseits sind beim heutigen Wettbewerbsdruck die Argumente pro Outsourcing nicht von der Hand zu weisen: Servicefirmen empfehlen sich durch günstiges Preisniveau, beispielsweise mit Stundensätzen von knapp 25 DM, und ständiger Verfügbarkeit auch in der Nacht und an Wochenenden. Wie stellen sich die Grundmodule erfolgsträchtiger Vergabekonzepte dar?
Auf die Frage nach dem optimalen Outsourcingpaket liefert zwar die Vergleichskalkulation eine erste Antwort, doch meist muß das rechnerische Ersparnispotential durch energische betriebspolitische Maßnahmen erschlossen werden. Vor allem gilt es, freigesetzte Personalkapazität gezielt umzuwidmen, sonst zehrt ein wachsender Leerzeitensockel den projektierten Kostenabbau auf. Die Neudefinition von Stellenprofilen und notwendige Versetzungen sind aber eine heikle Sache. Wurden unter dem Leitbild der Total Productive Maintenance die Stellenprofile der Fertigung um Instandhaltungsfunktionen bereichert, kann die Fremdvergabe das Selbstverständnis des Mitarbeiters schmerzhaft treffen. Empfindet er das verbleibende Tätigkeitsspektrum als verengt und einseitig, seinen produktiven Beitrag als abgewertet, muß man mit verminderter Leistungsbereitschaft rechnen.
Eine grundsätzliche Präferenz zugunsten der Eigenregie besteht auf drei Aufgabenfeldern des Instandhaltungsbereichs:
• Behebung akuter funktions- und sicherheitsgefährdender Mängel,
• Maßnahmen mit Engpaß-Charakter für den Produktionsablauf und extremen Fehlerrisiken,
• Arbeiten, beispielsweise die Füllstandskontrolle von Schmier- oder Kühlmedien, die beim Dienstleister zu Selbstaufträgen führen können.
Zur Vergabe empfehlen sich demnach vorwiegend solche Aktivitäten, die periodisch und gebündelt erfolgen können und die im Verständnis des Industriearbeiters eher negativ besetzt sind. Allerdings unterliegt die Fremdquote einer massiven Eigendynamik: Da der Dienstleister bei größerem Auftragsvolumen seine weitgehend fixen Wege-, Dispositions- und Rüstkosten besser absorbieren kann, wird er mit hart kalkulierten Preisgeboten langfristig um ein erweitertes Leistungspaket werben.




