cav: Herma will sich in Zukunft noch stärker auf spezifische Branchenlösungen konzentrieren, unter anderem für die Chemie- und Pharmaindustrie. Welche Trends für Etikettenlösungen sehen Sie denn zur Zeit in diesen Branchen?
Minich: Schauen wir zunächst einmal in Richtung Chemie. Dort sind, etwa unter dem Stichwort Gefahrgut-Kennzeichnung, zunehmend Etikettenlösungen gefragt, die auch unter extremen äußeren Einflüssen und auf ganz unterschiedlichen, auch schwierigen Materialien zuverlässig haften, gleichzeitig sich aber möglichst dezentral auf üblichen Computerdruckern beschriften lassen. Da ein Unternehmen so die Zahl der zu produzierenden und zu bevorratenden Etikettenvarianten erheblich reduzieren kann, tragen solche Lösungen ganz klar dazu bei, die betriebliche Effizienz zu steigern. Für Merck haben wir beispielsweise kürzlich ein Etikettenmaterial entwickelt, das nicht nur gleichermaßen auf Verpackungen aus Pappe, Glas, Kunststoff, PE, lackiertem Blech und Edelstahl haftet, sondern u.a. auch seewasserbeständig ist. Im Klartext: Damit gekennzeichnete Behälter können im Falle eines Falles bis zu drei Monate im Meer liegen, ohne dass sich das Etikett löst. Im Pharmabereich wiederum rückt das Thema Sicherheit noch spürbarer in den Fokus, unter ganz unterschiedlichen Aspekten übrigens.
cav: Können Sie uns ein Beispiel nennen?
Minich: Etwa in puncto zuverlässige Dokumentation eines Medikamenteneinsatzes in Patientenakten. Die sichere Alternative zu handschriftlichen Eintragungen, die immer mit Fehlern behaftet sein können, sind Etiketten mit einem kleinen abnehmbaren Belegteil, der noch einmal alle relevanten Informationen enthält und problemlos in Krankenakten eingeklebt werden kann. Diese Lösung haben wir zum Beispiel für Ampullen mit einem Narkosemittel von Merckle realisiert. Dabei galt es, den Einsatz der Dokumentationsetiketten auch unter schwierigen OP-Bedingungen sicher zu stellen. Deshalb haben wir eine kleberfreie Anfasslasche entwickelt, mit der das Belegteil selbst mit empfindlichen OP-Handschuhen aus Latex problemlos und ohne Beschädigung des Etiketts abgetrennt werden kann. Eine der Herausforderungen bestand darüber hinaus in der Entwicklung eines geeigneten Haftmaterials: Die besagten Ampullen haben einen Durchmesser von nur 10 bis 15 Millimeter. Je kleiner der Radius eines Produkts, desto mehr macht sich die Rückstellkraft der Etiketten bemerkbar. Im weiteren Verpackungsprozess würden sich die aufgestellten Etiketten dann unter Umständen untereinander oder mit der Blisterverpackung verkleben.
cav: Beim Stichwort Sicherheit denken viele Verantwortliche in der Pharmaindustrie aber mehr und mehr auch an Schutz gegen Produktfälschungen …




