Petra Klagge*, Dipl.-Ing. Jörg Nottmeyer**, Dipl.-Wi.-Ing. Patrick Wader MBA**
Die Walter Rau AG produziert an ihrem Neusser Standort Produkte für die Lebensmittelindustrie. Direkt am Rheinhafen gelegen, umfasst der Betrieb von der Pressung von Ölsaaten über Fettmodifikation und Raffination bis zur Verpackung bzw. Abfüllung alle Schritte zur Herstellung von Speiseölen und -fetten. Der Betrieb ist seit 1997 ISO 9001 zertifiziert. Es werden ausschließlich pflanzliche Öle und Fette hergestellt. Alle Produkte werden in koscherer Qualität produziert und sind entsprechend zertifiziert. Es werden aber auch Fette und Öle aus ökologischem Landbau nach EWG-Verordnung 2092/91 verarbeitet.
Im Zuge des kontinuierlichen Prozesses zur Werksoptimierung hat die Walter Rau AG das Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR), ein An-Institut der RWTH Aachen, beauftragt, Verbesserungsmaßnahmen für das Neusser Werk I zu ermitteln. Neben der Erzielung von Kostentransparenz für die Raffination und der Ermittlung von Rationalisierungsmaßnahmen sollten gleichzeitig evtl. vorhandene Prozessrisiken sowie Umweltbelastungen identifiziert werden. Aus den gewonnenen Informationen sollten konkrete Maßnahmen abgeleitet werden, um innerhalb kürzester Zeit effektive Verbesserungen einzuleiten. Dabei stand die enge Zusammenarbeit mit allen betroffenen Mitarbeitern und Vorgesetzten im Vordergrund, so dass alle Entscheidungen auch auf breiter Basis Zustimmung finden würden.
Das installierte Projektteam bestand aus Rau-Mitarbeitern der Bereiche Forschung und Entwicklung, Qualitätssicherung, Produktion und Technik sowie aus Mitarbeitern des FIR. Das Projekt untergliederte sich in mehrere Schritte und begann mit einer Analysephase Mitte 1999. Der konzeptionelle Teil des Projekts wurde bis Mai 2000 abgeschlossen. Zur Zeit werden die gemeinsam erarbeiteten Maßnahmen von der Walter Rau AG umgesetzt.
Zwei große Produktströme, die im Neusser Werk raffiniert werden, sind Kokos- und Palmkernöle sowie die entsprechenden Fette. Daneben wird auch eine breite Palette von weiteren Produkten, wie Soja- und Rübfette sowie Sonnenblumenfette und Palmöl hergestellt. Die untersuchten Prozessschritte umfassen fast alle Vorgänge der Raffination: von der Entsäuerung über die Bleichung bis hin zur Härtung. Diese Prozessschritte wurden vorrangig bearbeitet, da sie die größten Potenziale versprachen. Die Schritte Desodorierung sowie Umesterung wurden in den ersten Analyseschritten nicht detailliert untersucht und werden zu einem späteren Zeitpunkt betrachtet. Zur verursachungsgerechten Kostenzuordnung wurden für die einzelnen Prozessschritte je Produkt alle Kostenarten einer Anlage betrachtet. Dabei wurden u.a. die Rohstoff-, Lohn-, Instandhaltungs-, Energie-, Wasser- und Hilfsstoffkosten berücksichtigt. Daneben wurden auch die direkt mit der Mengenausbringung verbundenen Faktoren wie Ausbeute, Anteil der freien Fettsäure (FFA) und Mindererlöse mit in die Berechnung einbezogen. Zunächst wurden die einzelnen Prozesssegmente betrachtet, um hierdurch die Kosten (DM pro Tonne) im Prozessschritt zu ermitteln. Die Betrachtungsweise hat den Vorteil, dass alternative Prozessschritte vergleichbar werden. In einem zweiten Schritt wurden dann die einzelnen Hauptprodukte, wie z.B. Kokosöl und -fett betrachtet und die Kosten produktspezifisch (DM pro Tonne je Produkt) bestimmt (Abb. 1).




