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    Farbweizen soll Verzehr von Vollkornbroten attraktiver machen
    Bildquelle nicht angegeben
    Technik

    Farbweizen soll Verzehr von Vollkornbroten attraktiver machen

    Weißer und purpurner Weizen sind zwar weniger ertragreich als herkömmliche Weizensorten, könnten jedoch eine Ernährung mit Vollkorn attraktiver zu machen.
    Veröffentlicht
    14. Mai 2025
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Technik

    Dass Farbweizen im Bäckereihandwerk ansprechende und schmackhafte Brote liefern kann, belegt ein zweitägiger Backmarathon mit Forschern der Universität Hohenheim und dem Bäckereibetrieb Beckabeck in Römerstein. Insgesamt 75 Vollkorntestbrote aus 25 verschiedenen Weizensorten stellten die beiden Bäckermeister Heiner Beck und Christian Böck her.

    Die im Backmarathon verwendeten sechs weißen, acht roten und zehn purpurnen Weizensorten sowie eine Gelbweizensorte akquirierte Prof. Dr. Longin von der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim im In- und Ausland. „Während Europa vor allem auf den roten Weizen setzt, ist weißer Weizen für die Gebäckherstellung populär in den USA, Australien und Neuseeland“, so der Weizenexperte. Auch purpurne Weizensorten sind hierzulande nur schwer zu finden. Er und sein Kollege Prof. Dr. Mario Jekle, Fachgebiet Pflanzliche Lebensmittel haben die Weizensorten zuvor in umfassenden Feld- und Laboranalysen untersucht. „Weiße und purpurne Weizensorten schnitten im Feld überraschend gut ab“, erklärt Prof. Dr. Longin.

    Im Praxisbackversuch wollten die Forscher testen, ob die Farbweizensorten auch qualitativ und geschmacklich mit dem in Deutschland gängigen roten Weizen mithalten können. Mit Ausnahme der Mehlsorte wurde für alle Testbrote dasselbe Rezept verwendet. Auch die Ruhezeiten sowie die Backtemperatur sind bei allen Broten identisch. Lediglich die Knetzeiten und Wassermengen passen die Bäckermeister den jeweiligen Eigenschaften der unterschiedlichen Mehle an. Eine professionelle Aroma- und Geschmacksbeurteilung der Brote durch die vier Experten fand am darauffolgenden Tag statt.

    Attraktivere Vollkornbrote

    Das gemeinsame Ziel der beiden Hohenheimer Wissenschaftler: Den Verzehr von ernährungsphysiologisch vorteilhaftem Vollkorn attraktiver machen – durch Brot aus farbigem Weizen. Denn Weizen, so Prof. Dr. Jekle, sei essenziell für eine ausgewogene Ernährung: „Weizen liefert weltweit gesehen etwa 20% unseres täglichen Energiebedarfs. Die wertvollen Inhaltsstoffe sind aber vor allem in den Randschichten der Körner vorhanden. Sie kommen somit hauptsächlich in Vollkornprodukten vor, sodass sich die Versorgung durch mehr Vollkorn verbessern ließe.“ Trotz dieser Eigenschaften ist der Konsum von Vollkornbackwaren in Deutschland aber immer noch sehr gering. Aktuell beträgt der Anteil von Vollkorn im Brotmarkt nur etwa 11% – Tendenz sinkend.

    Gesunde Nährstoffe, weniger Vollkorngeschmack

    Abhilfe für dieses Problem sieht Christian Böck unter anderem in der Optik der Brote aus weißen Weizen: „Je heller das Korn, desto heller ist auch die Brotkrume“, erläutert der Bäckermeister. „Weiße Weizensorten liefern deshalb ein deutlich helleres und somit für viele Menschen ansprechenderes Vollkornbrot als die gängigen roten Weizensorten.“ Die weißen Weizensorten überzeugen nicht nur durch einen deutlich milderen Geschmack als die Vollkornbrote aus normalem Weizen. Sie punkten auch in Laboranalysen: „Unsere Laboruntersuchungen konnten zeigen, dass weiße Weizensorten ein ähnlich gutes Nährstoffspektrum wie der in Deutschland gängige rote Weizen aufweisen“, führt Jana Kant, Doktorandin am Fachgebiet Pflanzliche Lebensmittel, aus.

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    Purpurne Weizensorten beinhalten gesunde Pflanzenfarbstoffe

    Purpurfarbener Weizen liefert dunklere Brote als gängiger roter Weizen. In den Aroma- und Geschmacksanalysen weisen die Brote zudem einen intensiven schokoladig-nussigen Geschmack auf. Vor allem punkten Purpurweizensorten jedoch aus ernährungsphysiologischer Sicht: Sie weisen einen hohen Gehalt an gesunden Pflanzenstoffen auf – sogenannten Anthocyanen, die für eine dunkel purpurne Färbung der Weizenkörner sorgen und zum Beispiel auch in roten und blauen Früchten vorkommen. „Studien weisen darauf hin, dass Anthocyane zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen minimieren und die Zellgesundheit verbessern können“, so Prof. Dr. Jekle. „In unseren Laboranalysen konnten wir feststellen, dass die Brote aus purpurnem Weizen in etwa neunmal so viele Anthocyane enthalten wie Brote aus rotem Weizen.“ Allerdings sind auch die Anthocyane lediglich in den äußeren Randschichten der Körner vorhanden. Daher sollte man auch bei der Verarbeitung von purpurnem Weizen auf Vollkorn setzen.

    Teigverarbeitung muss angepasst werden

    Einige wenige Schwächen zeigen sich bei den bisher kaum etablierten farbigen Weizensorten im Praxisbackversuch. Deutliche Unterschiede fallen den beiden Bäckermeistern zwischen den purpurnen und weißen Weizensorten auf. Das Backvolumen einiger purpurfarbener Sorten kann mit rotem Weizen gut mithalten. Der weiße Weizen zeigt hingegen eine wesentlich schlechtere Teigstabilität. Die Herstellung von Toastbroten oder Schnittbrötchen könnte damit zur Herausforderung werden. Die Testbrote aus weißem Weizen konnten dennoch überzeugen. Handwerker könnten durch den Einsatz von Sauer- oder Vorteigen, angepasster Knetung oder Backformen die Teigstabilität verbessern – ähnlich wie bei Dinkel oder Emmer.

    Weniger Ertrag auf dem Feld, resistent gegenüber Krankheiten

    Das Ergebnis des Feldversuchs: Im Durchschnitt lieferten die weißen Weizensorten rund 10% weniger Ertrag als roter Weizen. Bei purpurnen Weizensorten waren es knapp 15% weniger. Bedeutende Nachteile ließen sich jedoch nicht erkennen. Im Gegenteil: Weiße und purpurne Weizensorten waren auf einem agronomisch besseren Niveau als alternative Weizenarten wie Emmer und Einkorn – und erwiesen sich als erstaunlich resistent gegenüber Krankheiten.

    Fazit

    Die Feld-, Labor- und Backversuche zeigen, dass weiße und purpurne Weizensorten dazu beitragen könnten, mehr Menschen für Vollkornbackwaren zu begeistern und eine gesunde Ernährung mit Brot zu fördern. Während jährlich Millionenbeträge in die Züchtung roter Weizensorten fließen, braucht es für weiße und purpurfarbene Sorten eine stärkere Vernetzung, innovative Ideen und mehr Forschung entlang der Wertschöpfungskette.

    Direkt zu den Ergebnissen der Studie

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