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    Fettiges Paradoxon
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    Technik

    Fettiges Paradoxon

    Für den Verbraucher klingt es zunächst einmal paradox, wenn man der Nahrung bewusst Fett zusetzt, um den Cholesterinspiegel im Blut zu senken. Nur wenige
    Veröffentlicht
    13. August 2004
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Technik

    Dr. Michelle Jones

    Phytosterole und Phytostanole sind wachsartige Substanzen, die in allen Obst- und Gemüsesorten vorkommen. Dort haben sie die Aufgabe, die Zellmembranen zu stabilisieren. Bislang wurden über 40 Phytosterole in Pflanzen gefunden. Am häufigsten sind beta-Sitosterol, Stigmasterol und Campesterol. Phytostanole sind eine Gruppe verwandter Verbindungen, die ebenfalls in Pflanzen vorkommen. Es handelt sich dabei um die vollständige hydrierte Form der Phytosterole. Den Phytostanolen fehlt eine Kohlenstoff-Doppelbindung, die sowohl im Cholesterin als auch in Phytosterolen vorkommt. Cholesterin und Phytosterol sind 4-Desmethyl-Sterole. Sie haben die gleiche Ringstruktur und unterscheiden sich nur durch die Seitenketten. Phytosterole besitzen eine zusätzliche Methyl- oder Ethylgruppe.

    In Europa beträgt die tägliche Aufnahme von Phytosterolen bei einer Mischernährung 250 mg, bei einer vegetarischen Ernährung sind es zwischen 400 und 750 mg. Bei einer Mischernährung werden etwa gleiche Mengen an Phytosterolen und Cholesterin aufgenommen (ca. 300 mg/Tag Cholesterin aus der Nahrung). Phytosterole werden aus Lebensmitteln wie pflanzlichen Ölen, Getreide, Obst und Gemüse gewonnen. Phytostanole sind in erster Linie in Mais, Weizen, Roggen und Reis vorhanden. Mit einer täglichen Zufuhr von etwa 25 mg aus der Nahrung liegen die Phytostanole mengenmäßig weit hinter den Phytosterolen.

    Die nur geringen Unterschiede im Aufbau des menschlichen Cholesterins und der Phytosterole und Stanole spielen aber eine große Rolle, wenn sie über die Nahrung aufgenommen werden. Cholesterin tierischen Ursprungs wird schnell resorbiert und trägt in unterschiedlichem Maße zur Erhöhung des Cholesterinspiegels im Blut bei. Im Gegensatz dazu werden Phytosterole und Phytostanole nur schlecht resorbiert und finden sich daher auch nur in sehr geringen Mengen im Blut wieder. In klinischen Tests hat es sich gezeigt, dass durch die Aufnahme größerer Mengen Phytosterole und Phytostanole im Zuge einer Ernährung, die aus viel Getreide und Gemüse besteht, die Resorption des Nahrungscholesterins ebenso wie die des endogenen Cholesterins gehemmt wird. Das Ergebnis sind sinkende Cholesterinwerte im Blutserum. Der genaue Ablauf dieser Hemmreaktion ist noch nicht vollständig bekannt, aber es gibt bereits verschiedene Theorien dazu.

    Eine Theorie geht davon aus, dass das wenig lösliche Cholesterin, das nur in geringen Mengen im Darm vorkommt, durch den Zusatz von Phytosterol in eine Form überführt wird (ausfällt), die nicht mehr resorbiert werden kann. Eine zweite Theorie basiert auf der Tatsache, dass Cholesterin zunächst in so genannte gemischte Micellen, die Gallensalz und Phospholipide enthalten, eingebunden werden muss, um die Resorption zu erleichtern. Da Cholesterin in diesen Micellen nur minimal löslich ist, können Phytosterole und Phytostanole das Cholesterin verdrängen und damit dessen Aufnahme im Körper verhindern. Zwar werden die Micellen, die Phytosterole bzw. Phytostanole enthalten, resorbiert, nehmen aber zum größten Teil nicht an dem Cholesterintransport teil und werden schnell wieder an den Darm ausgeschieden.

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    Wissenschaftliche Untersuchungen legen weiterhin den Schluss nahe, dass Phytosterole und Phytostanole neben ihrer Rolle bei der Verringerung des Cholesterins und damit der Herzinfarktgefahr noch weitere positive Auswirkungen in Bezug auf andere Krankheitsbilder haben könnten. So zeigten einige Studien mit isolierten Phytosterolen mögliche positive Auswirkungen in Bezug auf Prostatakrebs und die Vergrößerung der Prostata, auch als gutartige Prostatahyperplasie bekannt. Auch hat sich gezeigt, dass eine Mischung der Phytosterole beta-Sitosterol und beta-Sitosterolin die für rheumatische Arthritis und andere Autoimmunerkrankungen typische Überreaktion des Immunsystems abschwächen kann.

    Der Einsatz von Phytosterolen und Phytostanolen als Weg zur Senkung des Cholesterinspiegels ist nicht neu. Seit den 50er Jahren ist beta-Sitosterol als Nahrungsergänzungsmittel zur Senkung des Cholesterins erhältlich. Die kristalline Struktur und die schlechte Löslichkeit der freien Phytosterole schränken deren Verwendung in Lebensmittelprodukten ein. Wissenschaftlern der Raisio-Gruppe in Finnland gelang ein Durchbruch als sie entdeckten, dass Fettsäureester (Phytostanolester) problemlos in fetthaltige Produkte wie Margarine eingebracht werden konnten. Die Entwicklung der veresterten Formen hat es den Herstellern von Lebensmitteln möglich gemacht, Phytosterole und Phytostanole in fetthaltige Lebensmittel wie Brotaufstriche aus pflanzlichen Ölen, z. B. Becel pro aktiv, zu integrieren. Diese Margarine senkt den Gesamtcholesterinspiegel und das LDL-Cholesterin bei Menschen, die sie regelmäßig verzehren.

    Forschungs- und Entwicklungsbemühungen befassen sich derzeit mit der Anreicherung von Milch und Jogurt mit Phytosterolen und Phytostanol-Derivaten. Diese Produkte bieten dem Verbraucher eine breitere Auswahl an Lebensmitteln, die Cholesterin senkende Substanzen beinhalten. Seit einer Reihe von Jahren gibt es bereits Nahrungsergänzungsmittel mit Phytosterolen, die auch weiterhin eine alternative Möglichkeit für all diejenigen sind, die Nahrungsergänzungsmittel angereicherten Lebensmitteln vorziehen.

    Die Verfügbarkeit phytosterolhaltiger Produkte wächst nach und nach mit der Abschaffung gesetzlicher Hürden bezüglich deren Verwendung in Lebensmitteln und auch weil den Verbrauchern die positiven Gesundheitseigenschaften, die mit diesen Substanzen in Verbindung stehen, bewusster werden. Die eindeutige und präzise Kommunikation der möglichen gesundheitlichen Vorteile der Phytosterole und Phytostanole wird ebenso dazu beitragen, dass eine breitere Vielfalt an entsprechenden Lebensmittelprodukten entwickelt wird.

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