Dr. Michelle Jones
Phytosterole und Phytostanole sind wachsartige Substanzen, die in allen Obst- und Gemüsesorten vorkommen. Dort haben sie die Aufgabe, die Zellmembranen zu stabilisieren. Bislang wurden über 40 Phytosterole in Pflanzen gefunden. Am häufigsten sind beta-Sitosterol, Stigmasterol und Campesterol. Phytostanole sind eine Gruppe verwandter Verbindungen, die ebenfalls in Pflanzen vorkommen. Es handelt sich dabei um die vollständige hydrierte Form der Phytosterole. Den Phytostanolen fehlt eine Kohlenstoff-Doppelbindung, die sowohl im Cholesterin als auch in Phytosterolen vorkommt. Cholesterin und Phytosterol sind 4-Desmethyl-Sterole. Sie haben die gleiche Ringstruktur und unterscheiden sich nur durch die Seitenketten. Phytosterole besitzen eine zusätzliche Methyl- oder Ethylgruppe.
In Europa beträgt die tägliche Aufnahme von Phytosterolen bei einer Mischernährung 250 mg, bei einer vegetarischen Ernährung sind es zwischen 400 und 750 mg. Bei einer Mischernährung werden etwa gleiche Mengen an Phytosterolen und Cholesterin aufgenommen (ca. 300 mg/Tag Cholesterin aus der Nahrung). Phytosterole werden aus Lebensmitteln wie pflanzlichen Ölen, Getreide, Obst und Gemüse gewonnen. Phytostanole sind in erster Linie in Mais, Weizen, Roggen und Reis vorhanden. Mit einer täglichen Zufuhr von etwa 25 mg aus der Nahrung liegen die Phytostanole mengenmäßig weit hinter den Phytosterolen.
Die nur geringen Unterschiede im Aufbau des menschlichen Cholesterins und der Phytosterole und Stanole spielen aber eine große Rolle, wenn sie über die Nahrung aufgenommen werden. Cholesterin tierischen Ursprungs wird schnell resorbiert und trägt in unterschiedlichem Maße zur Erhöhung des Cholesterinspiegels im Blut bei. Im Gegensatz dazu werden Phytosterole und Phytostanole nur schlecht resorbiert und finden sich daher auch nur in sehr geringen Mengen im Blut wieder. In klinischen Tests hat es sich gezeigt, dass durch die Aufnahme größerer Mengen Phytosterole und Phytostanole im Zuge einer Ernährung, die aus viel Getreide und Gemüse besteht, die Resorption des Nahrungscholesterins ebenso wie die des endogenen Cholesterins gehemmt wird. Das Ergebnis sind sinkende Cholesterinwerte im Blutserum. Der genaue Ablauf dieser Hemmreaktion ist noch nicht vollständig bekannt, aber es gibt bereits verschiedene Theorien dazu.
Eine Theorie geht davon aus, dass das wenig lösliche Cholesterin, das nur in geringen Mengen im Darm vorkommt, durch den Zusatz von Phytosterol in eine Form überführt wird (ausfällt), die nicht mehr resorbiert werden kann. Eine zweite Theorie basiert auf der Tatsache, dass Cholesterin zunächst in so genannte gemischte Micellen, die Gallensalz und Phospholipide enthalten, eingebunden werden muss, um die Resorption zu erleichtern. Da Cholesterin in diesen Micellen nur minimal löslich ist, können Phytosterole und Phytostanole das Cholesterin verdrängen und damit dessen Aufnahme im Körper verhindern. Zwar werden die Micellen, die Phytosterole bzw. Phytostanole enthalten, resorbiert, nehmen aber zum größten Teil nicht an dem Cholesterintransport teil und werden schnell wieder an den Darm ausgeschieden.




