Mit der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) verschärft die EU die Anforderungen an Verpackungen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette. Die meisten verbindlichen Vorgaben und Pflichten für Unternehmen gelten ab dem 12. August 2026. Steffen Kampmann, Partner bei Prof. Roll & Pastuch, erklärt was Unternehmen jetzt beachten müssen.
Herr Kampmann, die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR gilt ab August 2026. Wie ernst ist die Lage für Unternehmen der Lebensmittelindustrie?
Steffen Kampmann: Sehr ernst und viele unterschätzen das noch. Die PPWR ist keine graduelle Anpassung bestehender Regeln, sondern ein struktureller Systemwechsel. Harmonisierte Umweltkennzeichnungen, strengere Recyclingfähigkeitsanforderungen, Materialnachverfolgbarkeit: Das betrifft das gesamte Verpackungsportfolio. Wer jetzt nicht handelt, riskiert den Marktzugang und erhebliche Compliance-Kosten.
Was sollten Unternehmen kurzfristig konkret anpacken?
Kampmann: Drei Dinge sollten auf jeden Fall sofort angegangen werden. Erstens: ein vollständiges Verpackungsaudit mit den Fragestellungen ‚Welche Materialien sind im Einsatz? Welche sind bereits PPWR-konform? Wo gibt es Lücken?’ Zweitens die Lieferkette einbinden: Lieferanten müssen jetzt auf Recyclingfähigkeit und Rückverfolgbarkeit verpflichtet werden. Drittens: interne Verantwortlichkeiten klären. Die PPWR ist kein reines Nachhaltigkeitsthema, sondern braucht Ownership in Einkauf, der Produktentwicklung und Rechtsabteilung gleichzeitig.
Welche Rolle spielen digitale Lösungen dabei?
Kampmann: Digtiale Lösungen spielen eine sehr zentrale Rolle. Track-and-Trace-Systeme werden zum Pflichtbaustein. Gerade für die Materialnachverfolgbarkeit. Darüber hinaus ermöglichen digitale Produktpässe eine konsistente Dokumentation über die gesamte Wertschöpfungskette. Wer hier früh investiert, schafft nicht nur Compliance, sondern auch Transparenz gegenüber Handel und Endverbraucher. Das kann ein echter Wettbewerbsvorteil sein.
Wie sollte das strategisch eingebettet sein?
Kampmann: Wer PPWR nur als Compliance-Aufgabe behandelt, verschenkt Potenzial. Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, die nachhaltige Transformation des Verpackungsportfolios sollte direkt mit der Pricing-Strategie verknüpft werden. Nachhaltige Verpackung ist für viele Konsumenten ein Kaufargument und damit eine gute Basis für Preisaufschläge und entsprechend neue Margen. Regulatorische Anforderungen frühzeitig zu antizipieren und aktiv in die Gesamtstrategie zu integrieren, ist der entscheidende Unterschied zwischen reaktiven Unternehmen und solchen, die den Wandel zu ihrem Vorteil nutzen und effektiv monetarisieren.




