Dipl.-Ing. Roland Berger
Die Anteile der einzelnen Energiemedien an den Energiekosten sind in den verschiedenen Teilbranchen der Lebensmittelindustrie unterschiedlich. Meist haben jedoch Wärme als Warmwasser oder Dampf und Kälte in Form von Kühlwasser, Sole oder als Kältemittel in Direktverdampfern einen sehr bedeutenden Anteil an den Energiekosten innerhalb eines Betriebes. Vor dem Hintergrund der seit 2004 stetig steigenden Energiepreise lassen sich in den Bereichen Wärme und Kälte regelmäßig relevante Energieeinsparmaßnahmen mit Amortisationszeiten von weniger als zwei bis drei Jahren realisieren. Die Projektrenditen sind recht hoch und liegen meistens zwischen 20 bis 100 %. Sie resultieren aus der langen Nutzungsdauer der energietechnischen Anlagen, die in der Regel 10 bis 20 Jahre beträgt. Darüber hinaus eignen sich die Energiemedien Wärme und Kälte aufgrund ihrer Wechselwirkung untereinander sehr gut für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.
Im Folgenden sollen mögliche Energieeinsparpotenziale beispielhaft an einem Projekt erläutert werden, das Ökotec mit einem Lebensmittelhersteller umgesetzt hat. In diesem Unternehmen machen die Wärmekosten ca. 40 % der Medienkosten aus. Die Kältekosten als Teil der Stromkosten von 48 % haben einen Anteil von etwa 20 % an den Energiekosten. Im ersten Schritt führte Ökotec eine Energieanalyse durch, bei der 30 Maßnahmen mit einem Einsparvolumen von 18 % der Medienkosten bei einer durchschnittlichen Amortisationszeit von weniger als 2,5 Jahren erarbeitet wurden. Die Maßnahmen konzentrierten sich u. a. auf folgende Bereiche:
- Wärmedämmung von Verteilungen
- Nutzung der Abwärme
- Anpassung der Niveaus von Temperaturen, Drücken etc.
- Regelung von Anlagen
Eine unzureichende oder fehlende Wärmedämmung an Wärme- und Kälteverteilersystemen kann zu signifikanten Energieverlusten führen. Indikatoren für Einsparpotenziale in diesem Bereich sind hohe Oberflächentemperaturen von 60 bis 150 °C an Wärmesystemen und damit einhergehende hohe Umgebungstemperaturen. Hinweise auf einen Optimierungsbedarf an Kältesystemen sind Oberflächentemperaturen kleiner 10 °C, wobei es an der Oberfläche der Dämmung zur Bildung von Kondensattropfen oder Eis kommen kann. Bei der Beseitigung dieser Schwachstellen hat sich eine schrittweise Vorgehensweise bewährt:
- Aufnahme der Oberflächentemperaturen und Abmessungen (Flächen, Rohrlängen, Durchmesser) aller relevanten Systemkomponenten wie Rohrleitungen, Armaturen und Behälter der Energiemedien
- Berechnung der Energieverluste beispielsweise auf Grundlage der VDI 2055




