A. Balbuchta, C. Demmer, T. Draguhn
Fructo-Oligosaccharide, kurz FOS genannt, sind Kohlenhydrate und gehören zur Gruppe der kurzkettigen Fructane. In der Natur findet man FOS in zahlreichen Gemüsen, Früchten und Geteidearten, wie Zichorie, Zwiebel, Banane, Gerste und Weizen. Aus chemischer Sicht sind FOS ein Gemisch aus Oligosacchariden, die aus einem Glukosemolekül und bis zu zehn Fruktosemolekülen zusammengesetzt sind. Die Fruktosemoleküle sind dabei über spezielle glykosidische Bindung miteinander verknüpft.
Ein Weg zur Herstellung von Fructo-Oligo-sacchariden ist die teilweise enzymatische Hydrolyse von Inulin, das aus der Zichorie gewonnen wird. Produkte, die nach diesem Verfahren gewonnen werden, sind mehr oder weniger reproduzierbare Gemische aus FOS mit zwei bis maximal zehn Fruktoseinheiten. Gleichzeitig enthalten sie aber auch Polyfruktosemoleküle unterschiedlicher Kettenlänge. Um diese vielfältige Molekülmischung zu umgehen, hat ein japanisches Unternehmen ein Herstellungsverfahren für FOS mit dem Handelsnamen Actilight entwickelt. Ausgangsbasis bei der Herstellung ist Zuckersirup, der einem patentierten enzymatischen Prozess unterzogen wird: Die Zuckermoleküle werden dabei teilweise in ein Glukose- und eine Fruktoseeinheit gespalten. Anschließend werden ein bis drei freigesetzte Fruktosemoleküle mit einem Saccharosemolekül verknüpft. Ergebnis ist eine Mischung aus nur drei verschiedenen FOS-Molekülen sowie Saccharose, Fruktose und Glukose. Eine Erhöhung der FOS-Konzentration erreicht man durch eine chromatographische Abtrennung von Mono- und Disacchariden. In seiner reinsten Form enthält Actilight 95% FOS in der Trockensubstanz. Dieses Herstellungsverfahren garantiert eine hohe Reproduzierbarkeit in Bezug auf die Zuckerzusammensetzung. Dadurch können auch gleichbleibende technologische, organo-leptische und ernährungsphysiologische Eigenschaften gewährleistet werden.
Die ernährungsphysiologischen Eigenschaften von Actilight ergeben sich aus dem Verhalten der FOS im menschlichen Magen-Darm-Trakt: Da sie in den oberen Abschnitten des Darms von den hydrolytischen Verdauungsenzymen nicht abgebaut werden können, gelangen mehr als 90% der aufgenommenen FOS in den Dickdarm. Erst dort werden sie durch bestimmte Bakterien der Darmflora, insbesondere der Gruppe der Bifidobakterien verbraucht.
Die im Dickdarm als natürlicher Bestandteil der Darmflora vorhandenen Bifidobakterien können über spezielle Enzyme FOS verwerten. Vor allem die kurzkettigen FOS sind ein wertvoller Nährstoff für ihr Wachstum und ihre Entwicklung. Da Actilight ausschließlich diese kurzkettigen FOS enthält, konnte in klinischen Studien gezeigt werden, dass bei einer Tagesdosis von 5 g die Anzahl der Bifidobakterien mindestens verzehnfacht werden kann. Gleichzeitig werden potentiell krankmachenden Keime wie Clostridium perfringens zurückgedrängt. Dies bedeutet: Die dominante Mikroflora, die die Entwicklung der sogenannten Begleitflora unter Kontrolle hält, wird gestärkt. In dieser Begleitflora können auch Keime leben, die als Pathogene gelten.




