Silikonelastomere waren noch vor 50 Jahren ein exotisches Material. Heute sind sie aus vielen industriellen Anwendungen und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch in der Medizin-, Pharma- und Lebensmitteltechnik werden Silikone wegen ihres außergewöhnlichen Eigenschaftsspektrums genutzt, etwa für Backformen, Dosiereinrichtungen, Schläuche, Dichtungen und Ventile. Silikonelastomere sind chemisch und physiologisch inert, hitzebeständig, kälteflexibel und alterungsbeständig. Ohne Weichmacher- und Stabilisatorzusatz bleiben ihre physikalischen und technischen Eigenschaften zwischen -40 und +180 °C unverändert; selbst anhaltende niedrige oder hohe Temperaturen und mechanische Belastungen – auch unter Sauerstoff-, Ozon- und Strahlungseinwirkung – führen nicht zur Alterung. Hierin unterscheiden sie sich von allen organischen Elastomeren. Silikonelastomere nehmen kein Wasser auf und besitzen eine wasserabweisende Oberfläche, sind jedoch durchlässig für Wasserdampf und andere Gase. Sie sind elektrische Isolatoren und dämpfen Schwingungen. In vielen Situationen stört jedoch ihre gummitypische, stumpfe Oberfläche: Silikonelastomere haben einen hohen Gleitreibungskoeffizienten. Zudem neigen Silikonartikel dazu, aneinander zu haften. Diese Reibungs- und Haftungseffekte erschweren das Handling bei der Montage und im Einsatz. Silikonschläuche beispielsweise lassen sich nur mit Mühe durch Hülsen führen; zusammenhaftende Silikondichtringe müssen oftmals vor der Montage separiert werden.
Das Problem der Oberflächenreibung lässt sich durch den Einsatz ölausschwitzender Silikonelastomere lösen. Sie enthalten ein spezielles Silikonöl, das fortwährend zur Oberfläche des vulkanisierten Materials wandert und dort einen flüssigen Ölfilm erzeugt. Dieser Film sorgt für die Reibungsverminderung, wie sie zum Beispiel während der Montage gewünscht ist. Ölausschwitzende Silikonelastomere konnten sich überall dort durchsetzen, wo das austretende Öl nicht stört. Sie bewähren sich beispielsweise für Steckerabdichtungen und Dichtkissen. Hier erleichtert das austretende Öl nicht nur die Montage der Dichtungen, sondern schafft auch noch eine zusätzliche Sicherheit gegen eindringende Feuchtigkeit.
Kommt es aber auf Sauberkeit an, kann ein solcher Ölfilm stören. In medizin-, pharma- oder lebensmitteltechnischen Anwendungen verbietet sich der Einsatz ölausschwitzender Silikone gänzlich. Hier gab es bislang nur die Möglichkeit, entweder den hohen Reibwiderstand zu akzeptieren oder aber die Oberflächeneigenschaften nachträglich – etwa durch Aufbringen einer dünnen Beschichtung – zu modifizieren.
Beides ist nun nicht mehr notwendig: Wacker hat Festsilikonkautschuktypen entwickelt, deren Vulkanisate eine intrinsisch gleitfähige Oberfläche haben. Bei ihnen entsteht der reibungsvermindernde Effekt ohne Bildung eines Silikonölfilms. Sie sind deshalb auch für Anwendungen geeignet, in denen ölausschwitzende Silikonelastomere bisher tabu waren.




