Dipl.-Ing. Christa Weil
Bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln werden neben den Inhaltsstoffen weitere Informationen wie Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Chargennummern vom Gesetzgeber gefordert. Viele Unternehmen bringen aufgrund der Produkthaftung und der besseren internen Rückverfolgbarkeit noch weitere Informationen auf die Verpackungen auf. Welche Kennzeichnungstechnologie eingesetzt wird, hängt von Faktoren wie Qualität der Kennzeichnung, Umweltverträglichkeit, zu kennzeichnendes Material, Taktzeiten etc. ab.
Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG in Waldenbuch wurde bereits 1912 gegründet und produziert seit 1932 die unter dem Markennamen Ritter Sport bekannte quadratische Schokolade. Inzwischen liefert das Unternehmen seine Schokolade in 60 Länder dieser Erde und ist in Deutschland mit einem Umsatz von ca. 235 Mio. Euro einer der Marktführer. Mit rund 790 Mitarbeitern werden in Waldenbuch täglich ungefähr 2 bis 3 Mio. Tafeln Schokolade hergestellt. Hauptprodukt sind mit einem Produktionsanteil von etwa 80% 100g-Tafeln in 27 verschieden Varianten und Farben (Abb. 1). Daneben gibt es noch Mini- und 40g-Tafeln. Die 100g-Tafeln werden in vier Produktionslinien mit 13 nachfolgenden Verpackungsanlagen produziert. Jede Tafel wird im Produktionsablauf mit dem MHD (Monat und Jahr) und einer Loskennzeichnung versehen. Die Loskennzeichnung besteht dabei aus Buchstaben und Zahlen, aus denen man auch erkennen kann, an welcher Maschine das Produkt verpackt wurde. Das Verpackungsmaterial besteht aus einer OPP-Folie, auf die der Dekordruck aufgebracht und anschließend mit einer Klarsichtkaschierfolie abgedeckt wird. Auf dieser Klarsichtkaschierfolie aus Polypropylen erfolgt dann die individuelle Kennzeichnung mit dem MHD, der Chargennummer etc. (Abb. 2). Die Kennzeichnung erfolgt auf einer auf der Verpackung dafür vorgesehenen weißen Fläche.
Bis vor wenigen Jahren kamen bei Ritter Sport noch Systeme zum Heißprägen mit Wachs zum Einsatz. Diese Systeme sind aber durch den Einsatz von Stempeln sehr unflexibel, was den Kennzeichnungsinhalt angeht. Durch den Export der Schokolade in die ganze Welt ist häufiger ein Wechsel des Kennzeichnungsinhalts notwendig, da unterschiedliche Länder unterschiedliche MHD-Formate wünschen. Außerdem gibt es EU-Richtlinien, die eine hohe Kratzfestigkeit der Kennzeichnung fordern, was mit dem Heißprägeverfahren nicht 100%ig gegeben ist. Bei der Suche nach einer neuen Kennzeichnungstechnologie gab es zwei Möglichkeiten: die Kennzeichnung mit Laser oder mit Tintenstrahldruckern. Verschiedene Versuche mit einem Kennzeichnungslaser scheiterten an der farblosen Kaschierfolie. Der Laser verursachte Löcher in der Verpackung und das MHD war deutlich auf der Schokolade sichtbar. Also blieb als einzige Kennzeichnungsmöglichkeit der Einsatz der Tintenstrahltechnologie. Neben der guten Lesbarkeit und Dauerhaftigkeit der Kennzeichnung war auch die geringe Belastung der Produktionsumgebung mit Lösemitteln ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Tintenstrahlsystems. Hier hatten sich die Verantwortlichen bei Ritter Sport das Ziel gesetzt, die gesetzlichen Grenzwerte (MAK-Werte) nicht nur einzuhalten, sondern erheblich zu unterschreiten. Zudem sollte die verwendete Tinte nach der Kennzeichnung eine möglichst geringe Lösemittel-Emission aufweisen.




