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    Hoch hinauf und kurvengängig
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    Technik

    Hoch hinauf und kurvengängig

    Salz- und Sesamstangen gehören zu den wichtigsten Spezialitäten des Traditionsunternehmens Pauly. Aneinander gereiht würde allein die Wochenproduktion der
    Veröffentlicht
    04. November 2010
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Technik

    Karsten Schopper

    Salz- und Sesamstangen sowie Brezeln sind die wichtigsten Spezialitäten des Traditionsunternehmens Pauly. Vor allem die Knabberstangen sind wahrlich kein einfacher Snack, wenn es um das Handling geht. Ihre Rundform lässt das Ansaugen nicht zu, sie zerbrechen leicht, und sie verursachen eine staubige, salzhaltige Luft in der Produktionshalle. Mit diesen Merkmalen stellen die haltbaren Laugenstangen eine große Herausforderung für alle Anlagenteile dar und bereiten manchem Maschinenbauer Kopfzerbrechen. Bei der Pauly GmbH & Co KG in Weimar-Wenkbach bei Marburg waren jedoch Spezialisten in Sachen Nahrungsmittelindustrie und Fördertechnik am Werk, die in enger Kooperation den Workflow so richtig zum Laufen brachten. Pauly setzt fünf Linien, bestehend aus 22 Bändern, des Rexroth-Kettenfördersystems VarioFlow S zum sicheren Transport von Salz- und Sesamstangen sowie Laugenbrezeln ein. Das Gesamtsystem umfasst rund 380 m und benötigt trotz dieser Länge lediglich 22 Antriebe. Zunächst wird aus rund 60 t Mehl pro Tag der Teig gemischt, der als „Meterware“ durch die Stangen- und Brezelstanzmaschinen läuft. Dann werden die späteren Knabbereien gebacken, geröstet, abgekühlt, mit Salz oder Sesam bestreut, portioniert und in Tüten oder Runddosen abgepackt. Transportiert via VarioFlow S gelangen täglich allein 120 000 Packungen Salz- und Sesamstangen schließlich zu den Packstationen, an denen sie sortenrein oder in unterschiedlicher Sortierung zusammen mit Brezeln in Kartons verpackt werden. „Hoher Qualitätsanspruch im Sinne der Lebensmittelverordnungen, hohe Flexibilität zur schnellen Reaktion auf veränderte Marktanforderungen, die Berücksichtigung der engen Platzverhältnisse und natürlich eine rasche Amortisierung“, nennt Stefan Kruse, Werkleiter in Weimar-Wenkbach, als die wichtigsten Auswahlkriterien für das Rexroth-Kettenfördersystem. So entschieden sich die Verantwortlichen bei Pauly, in Absprache mit der Berning Maschinenfabrik GmbH, für das VarioFlow S. Der Sondermaschinenbauer im nahe gelegenen Frankenberg zeichnet sich durch ein umfangreiches Know-how im Bereich der Nahrungsmittelindustrie aus und hat bereits eine Reihe von Speziallösungen für Pauly erstellt.

    Das Fördersystem überzeugt durch Schnelligkeit, Sicherheit und sehr genügsame Platzanforderungen. Von den angebotenen Baugrößen wählte Pauly eine 42 mm hohe Mitnehmerkette und eine Flachplattenkette mit einer einheitlichen Kettenbreite von 100 mm für seine fünf Linien. Der Einsatz des offenen Aluminiumprofils erfüllt die hohen Hygieneanforderungen bei der Gebäckherstellung. Dazu trägt auch die nicht schöpfende Kette bei, die leicht und rückstandsfrei gereinigt werden kann. Die Kette erfordert zudem wenig Wartung, die leicht durchführbar ist, da die Kette ohne Spezialwerkzeug geöffnet und geschlossen werden kann und die Kettenflügel ohne Öffnen der Kette austauschbar sind.

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    Als weiteren Pluspunkt bezeichnet der Werkleiter die Kurvengängigkeit des Systems. Die auf Kugeln gelagerte Kette lässt nicht nur enge Biegeradien zu, sodass die Strecke mit 90-Grad-Kurven an die Platzverhältnisse im Pauly-Werk angepasst werden können. Die Kugellager sind im Vergleich zu Kurvenrädern auch deutlich geringere Staubfänger und reibungsfrei, was die Standzeiten der Kette verlängert.

    Zur sicheren Auslegung des Systems nutzte Maschinenbauer Berning, der gleichzeitig Systempartner der Bosch Rexroth AG ist, die 3D-CAD-Software von Rexroth einschließlich Stücklistenfunktion und Berechnungsprogramm für die benötigte Antriebsleistung. Die Vorteile erkannte auch Kruse schnell: „Das war ein wichtiger Teil des Gesamtprojekts. Immerhin brauchen wir aus Platzgründen hohe Steigungen und mussten eine Deckenunterkonstruktion zur Montage des VarioFlow S anfertigen. Die jeweiligen Belastungen wurden anhand des CAD-Systems getestet, berechnet und berücksichtigt. Da wir mit einem Kettenförderer teilweise sehr lange Strecken von nahezu 30 m zurücklegen und der Verlauf des Förderers räumlich visualisiert werden konnte, war sichergestellt, dass er in die vorhandene Umgebung passt.“

    Pauly setzt fünf bauteilgleiche Linien mit unterschiedlichen Abmessungen und Ausgangshöhen ein. Somit schließt sich an jede der Produktionsmaschinen für das Salz- und Sesamgebäck ein Kettenfördersystem an. Das VarioFlow S wurde linienweise während des laufenden Betriebs aufgebaut und sorgt heute für den sicheren und gleichmäßigen Transport von unterschiedlich großen Tüten bei allen Übergabestellen, Steigungen und Längenabschnitten, sodass die Tüten an den Verpackungsplätzen immer gleich ausgerichtet ankommen. Die Werksleitung hatte sich für diese Einzellinien entschieden, weil bei der Produktion in drei und zuweilen auch vier Schichten keine Zeit für den Umbau der Maschinen blieb und sich das VarioFlow S den Gegebenheiten anpassen ließ. Einen weiteren Vorteil sieht Kruse im Produktionsalltag: „Die fünf unabhängigen Linien sind seitens der Steuerungstechnik einfach zu handhaben und erlauben eine hohe Transparenz und Flexibilität, da alle relevanten Verpackungen ohne Umrüsten auf allen Linien transportiert werden können.“

    Dank Steigungen von bis zu 45° und den in Summe rund 380 m verbauter Streckenlänge gelingt es nun, die Endverpackung der Snacktüten aus dem eigentlichen Produktionsbereich auszulagern. Während die früheren Insellösungen noch in der sehr warmen, salzhaltigen, recht geräuschintensiven und der, durch die Backöfen, staubigen Atmosphäre angesiedelt waren, gewinnen die Packarbeitsplätze dank des Kettenfördersystems an Qualität durch bessere Ergonomie. Auf das Kettenfördersystem haben diese widrigen Umgebungsbedingungen keinen Einfluss. Die ausgereifte Technik des VarioFlow S widersteht zudem auch den hohen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter sowie zwischen Produktion und Stillstandszeiten.

    Bei Pauly kann man sich auch den weiteren Ausbau des Rexroth-Kettenfördersystems vorstellen. Da das System flexibel und modular aufgebaut ist, lässt es sich bei späteren Rationalisierungen oder dem Umstellen auf neue Produkte schnell und mit vergleichsweise geringer Investition erweitern.

    Online-Info www.dei.de/1110461

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