Jörg Herrmann und Steffen Hönlinger
Flexible Automatisierungslösungen sind in der Lebensmittelindustrie auf dem Vormarsch. Die einzelnen Produktionsstufen werden immer stärker miteinander verkettet und automatisiert, oft von der Produktion bis hin zu den Verpackungslinien. So wird das manuelle Handling von Lebensmitteln immer mehr von automatisierten Komponenten abgelöst, die die Produkte bewegen oder verpacken. Diese Entwicklung stellt hohe hygienische Ansprüche an die eingesetzten automatisierten Handlingsysteme, denn sie dürfen keinesfalls zu einer Kontamination oder Verunreinigung der Lebensmittel führen. Dabei verschärfen sich die Hygieneanforderungen um so mehr, je näher man in der Logistikkette an die Verarbeitung der Rohwaren kommt. So gelten im Umgang mit Rohfleisch oder Fisch beispielsweise deutlich strengere Hygieneanforderungen als beim Handling von bereits verpackten Nahrungsmitteln.
Generell gilt: Die verwendeten Automatisierungskomponenten sind so zu gestalten, dass das von ihnen ausgehende Verunreinigungs- und Kontaminationsrisiko auf ein Minimum begrenzt ist und ihre gründliche Reinigung problemlos möglich ist.
Wesentliche Vorgaben sind in diesem Zusammenhang in der DIN EN 1672-2 zu finden. Sie schreibt beispielsweise vor, dass die Hersteller Nachweise über die sachgerechte Konstruktion ihrer Anlagen und Komponenten erbringen und dabei auch eine dokumentierte Risikoanalyse durchführen. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Norm der Gestaltung von Anlagen, Maschinen und deren Komponenten: Oberflächen müssen korrosionsbeständig, nicht toxisch und leicht zu reinigen sein, die eingesetzten Materialien oder Beschichtungen dürfen das Lebensmittel weder verschmutzen noch unerwünschte Gerüche, Farb- oder Geschmacksstoffe übertragen. Toträume, in denen sich Produkt- oder Reinigungsmittelreste ansammeln können, sind auf ein Minimum zu reduzieren. Verbindungselemente wie Schrauben, Nieten etc. sind nach Möglichkeit zu vermeiden, dürfen nicht in das Produkt fallen und müssen leicht zu reinigen sein. Ferner fordert die Norm, dass sich Lager und Wellendurchgänge möglichst außerhalb des Produkt berührten Raumes befinden und natürlich mit Lebensmittelschmierstoffen geschmiert werden.
Die höchsten hygienischen Anforderungen gelten naturgemäß dort, wo ein direkter Kontakt mit Lebensmitteln besteht. Dies gilt insbesondere für Greifer, die eine wichtige Rolle beim automatisierten Handling unverpackter Lebensmittel spielen.
Der Winkelgreifers LMG 44 eignet sich für hygienekritische Anwendungen wie sie beispielsweise für die Lebensmittel- und Pharmaproduktion typisch sind. Bei der Entwicklung des Greifers, der als kleinere Ausführung die Vorgängerbaureihe LMG 64 ergänzt, fanden die Gesichtspunkte des Hygienic Designs in vollem Umfang Anwendung. In einer ausführlichen Risikoanalyse wurden zudem die möglichen biologischen, chemischen und mechanischen Gefährdungen untersucht und damit die Vorgaben der DIN EN 1672-2 umgesetzt.




