Dipl.-Wirt.-Ing. Jochen Endreß
Eine gute Reinigbarkeit aller produktberührten Anlagenteile, inklusive Sensoren und Aktoren, ist in der Lebensmittel- und der Pharmaindustrie unerlässlich. Zur Beurteilung der Reinigbarkeit eines Bauteiles ist in Europa der EHEDG-Test gemäß EHEDG-Cleanability-Methode das Maß aller Dinge. Dieser Test ist Grundlage für die EHEDG-Zertifizierung und wurde für pH-Reiner beim Lehrstuhl für Maschinen- und Apparatekunde der TU München/Weihenstephan durchgeführt. Der Test beruht auf einem Vergleich der Reinigungsfähigkeit zwischen einem Referenzsystem (gerade Rohrleitung mit bekannter, leicht zu reinigender Innenoberfläche) und dem Testobjekt – in diesem Falle pH-Reiner mit verschiedenen Einbauadaptern.
Der EHEDG-Test beginnt mit der Verschmutzung des Referenzsystems und des Testbauteils mit einer Suspension aus Sauermilch und Sporen von Geobacillus stearothermophilus var. calidolactis. Es handelt sich hierbei um einen temperaturresistenten, schnell sporulierenden Keim, der auf einem speziellen, violett gefärbten Nährboden nach dem Auswachsen der Sporen eine gelbe Farbreaktion hervorruft. Sowohl das Referenzsystem als auch das Testobjekt werden nach dem Entleeren der Keimsuspension mit einem standardisierten und in der Praxis üblichen Verfahren gereinigt. Danach werden Referenzsystem und Testobjekt aus der Anlage ausgebaut, mit Agar ausgekleidet und bebrütet. Der Agar wird dann herauspräpariert und im Vergleich begutachtet. Die Reinigbarkeit des Testobjektes kann durch das Maß der Verfärbung im Vergleich zum Referenzsystems beurteilt werden.
In seiner Schlussbewertung bestätigte das Testinstitut, dass sich die pH-Sonde in beiden Prozessanschlüssen einfach und leicht reinigen lässt und das Diaphragma, das mit aseptischer Elektrolytlösung unter Druck beaufschlagt ist, diesbezüglich kein Problem darstellt. Beide O-Ringabdichtungen an den Prozessanschlüssen sind gemäß den EHEDG-Kriterien konstruiert und reinigbar und stellen somit kein hygienisches Risiko dar. Die Hygienic-Design-Kriterien der EHEDG sind erfüllt.
In der Pharma- und Lebensmittelindustrie wird die pH-Wert-Messung vor allem in Anlagen mit einem hohen Automatisierungsgrad eingesetzt, um eine gleich bleibende und reproduzierbare Qualität der hergestellten Produkte sicherzustellen. Aus diesem Grund ist eine kontinuierliche Messung direkt im Produkthauptstrom eigentlich die beste Lösung, um eine hohe Produktqualität zu gewährleisten. Traditionelle „quasi-kontinuierliche“ pH-Wert-Messverfahren arbeiten mit Wechselarmaturen, d. h. die pH-Elektroden müssen bei CIP-Prozessen oder zur periodischen Kalibrierung aus dem Hauptstrom gefahren werden oder sie werden lediglich in bestimmten Messintervallen in den Prozess eingefahren. Die stahlemaillierte pH-Reiner hingegen kann permanent im Prozess (Hauptstrom) verbleiben, wodurch eine kontinuierliche pH-Wert-Messung möglich wird. pH-Reiner kommt besonders an Stellen zum Einsatz, wo erhöhte Ansprüche an Messgenauigkeit, Druck, Temperatur, Sterilität und Lebensdauer gestellt werden, beispielsweise in Rohrleitungen und Behältern mit höheren Drücken, Druckimpulsen oder bei Inline-Reinigung.




