Dr. Bernhard Grimm
Edelbitter, Vollmilch, weiß, mit Nüssen oder Nougatfüllung, in Muschelform oder als Trüffel – so zahlreich wie die Vorlieben der Verbraucher sind auch die möglichen Formen der Schokolade. Da Süßwarenhersteller in der Regel verschiedene Endprodukte anbieten, erfordert diese Vielfalt der Schokoladenformen zwangsläufig flexible Produktionsprozesse: Unterschiedliche Gussformen müssen vorgehalten, neue Chargen in die Produktionsanlage eingespeist und bei Bedarf im laufenden Prozess ausgetauscht oder gereinigt werden. Ein komplexes Szenario, das an die eingesetzten Maschinen und Automationslösungen besondere Anforderungen stellt.
Da die Wirtschaftlichkeit der industriellen Großserienproduktion gerade bei flexiblen Fertigungsketten von der Verfügbarkeit aller Komponenten entlang der Wertschöpfungskette abhängt, sind Informationen über die einzelnen Verfahrensschritte unerlässlich. Für die vielfältigen Teilprozesse der Schokoladenherstellung eröffnet das funkbasierte Identifikationsverfahren RFID (Radio Frequency Identification) enorme Automationspotenziale – und ermöglicht gleichzeitig eine verbesserte Anlageneffizienz und -sicherheit.
Gegenüber herkömmlichen Auto-ID-Verfahren wie dem Bar- oder Data-Matrix-Code bieten robuste Funkidentifikationslösungen wie das BL-ident-Paket von Turck Süßwarenproduzenten einen zentralen Vorteil: Sowohl die elektronischen Datenträger (Tags) als auch die zur Datenübermittlung notwendigen Schreibleseköpfe lassen sich auch unter den besonderen Umgebungsbedingungen der Lebensmittelproduktion zuverlässig einsetzen – weder erhöhte Temperaturen noch Druck, Reinigungsmittel oder Feuchtigkeit können den Komponenten etwas anhaben. So erlaubt der berührungslose, vollautomatische Datenaustausch zwischen Tag, Schreiblesekopf und übergeordneter Steuerung trotz schwieriger Übermittlungsbedingungen eine durchgängige Waren- und Formenverfolgung durch alle Produktionsstufen. Mit einem speziell auf die Prozesskette abgestimmten RFID-System kann der Anlagenbetreiber jeden Schritt innerhalb der Wertschöpfungskette überwachen, protokollieren und zu jedem Zeitpunkt zurückverfolgen.
Um eine durchgängige Identifikation der Schokoladenformen über alle Prozessschritte hinweg zu ermöglichen, werden die Gussformen schon beim Formenhersteller mit kleinen robusten RFID-Datenträgern versehen. So lassen sich die Formen für die unterschiedlichen Endprodukte schon im Lager jederzeit eindeutig identifizieren und verfolgen. Da die Daten jeder einzelnen Form – einmal ausgelesen – zentral verfügbar sind, lassen sich Inventurvorgänge zu jeder Zeit durchführen und protokollieren, ohne alle Formen im Lager mit großem Personalaufwand manuell erfassen zu müssen.
Auch während der eigentlichen Produktion ermöglichen die Datenträger die Rückverfolgung jeder einzelnen Kunststoffform – je nach Anlage können mehrere tausend Stück im Umlauf sein. Schreibleseköpfe an den Beschickungsstationen, den Gießmaschinen oder an wichtigen Kontrollpunkten erfassen die Datenträger und übermitteln die gespeicherten Informationen ohne Zeitverlust an die übergeordnete Steuerung. Das Betriebspersonal weiß so zu jedem Zeitpunkt, wo sich einzelne Formen innerhalb des Produktionsprozesses befinden und welchen aktuellen Status sie haben: Beispielsweise, ob die Formen noch zu befüllen sind, schon ihren Inhalt erhalten haben, bereits abgekühlt sind oder den gesamten Prozess durchlaufen haben und nun erneut bereitgestellt werden sollen. Ein sprichwörtlicher Informationsvorsprung, der hilft, Chargenwechsel effizienter zu gestalten und Anlagenstillstände zu vermeiden – schließlich wird der gesamte Produktionszyklus in Echtzeit überwacht und Störungen werden unmittelbar aufgedeckt.




