Die Käseherstellung hat in der österreichischen Obersteiermark Tradition. Im Zentrum der obersteirischen Milchwirtschaft, nämlich den Orten Knittelfeld, Kapfenberg und Spielberg, trifft bei der Obersteirischen Molkerei eGen – kurz OM – Überlieferung auf Innovation. Die Genossenschaft wird jährlich mit 150 Mio. kg bester Rohmilch beliefert.
OM, mit Unternehmenshauptsitz in Knittelfeld, gehört zu den wichtigsten Molkereibetrieben Österreichs. 2013 erwirtschafteten etwa 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an allen drei Standorten einen Umsatz von rund 93 Mio. Euro. Eines der Standbeine der Obersteirischen Molkerei ist neben der Frischmilchproduktion (Frischmilch, Joghurt, Schlagsahne, Sauerrahm) die Herstellung von Hart- und Schnittkäse, darunter Murtaler, die mehrfach prämierten Hartkäse Steirischer Bergkäse und Erzherzog Johann und Steirerkäse. Etwa 5000 t der geschätzten Käsespezialitäten stellt OM in einem Jahr her. Der Käse wird in Knittelfeld in der sogenannten Käseküche produziert, gelangt dann in ein Salzbad – ebenfalls in Knittelfeld – und wird dann als sogenannter grüner Käse nach Spielberg in eine hochmoderne Reifungsanlage mit einer vollautomatischen und unter strengsten hygienischen Bedingungen ablaufenden Käsereifung gebracht. Eine tage-, wochen- oder monatelange Reifung ist die Voraussetzung dafür, dass sich das sortentypische Aroma entwickeln kann. Während der Reife werden die Blöcke und runden Laibe in genau definierten Zeitabständen gewendet, bestrichen und gebürstet.
Wenn die von der EU vorgegebene Milchquote fällt, es also keine Beschränkung der Milchmengen mehr gibt, erwarten die Molkereien eine Milchmehrproduktion von etwa 15 %. Aus diesem Grund entstand in Spielberg rechtzeitig ein neues Kühl-, Reife- und Verpackungszentrum für Käse in einem Gesamtwert von 10 Mio. Euro. Das Reifezentrum mit seinen drei Reiferäumen in der ersten Ausbaustufe und der Käsepflegeanlage nahm im April 2014 seinen Betrieb auf. Es ist mit moderner Lager- und Transporttechnik der MLR-Gruppe ausgestattet. „Vor der Realisierung haben wir uns auch das Reifelager der Käserebellen in Steingaden im Allgäu angeschaut, wo bereits ein fahrerloses Transportsystem (FTS) eingesetzt wird“, berichtet OM-Betriebsleiter Siegfried Bärnthaler, „Diese Lösung überzeugte uns.“ Für den Transport der Reifegestelle innerhalb des Käsereifezentrums wird nun auch bei OM ein FTS eingesetzt.
Jeder der Reiferäume in Spielberg, die alle gleich groß sind, ist als Blocklager konzipiert, das in Längsrichtung von einem Mittelgang durchzogen wird. Vom Mittelgang aus werden die sogenannten Reifegestelle, in denen die Käselaibe und -blöcke auf Holzbrettern auf zehn Ebenen untergebracht sind, rechtwinklig zu beiden Seiten in parallelen Reihen abgestellt. Dabei stehen die Gestelle, die jeweils eine Charge darstellen, dreifach hintereinander und dreifach hoch. Jedes der Gestelle (L x B x H = 2250 x 1920 x 2335 mm) kann bis zu 3350 kg wiegen. Die Reiferäume sind zu beiden Seiten eines breiten Gangs angeordnet. Jeder Reiferaum bildet eine Klimazone und ist zu diesem Gang hin mit einem Schnelllauftor verschlossen. Die FTF können die Räume nur über diesen Gang erreichen und müssen das Schnelllauftor durchfahren. Sobald ein FTF ein Schnelllauftor erreicht hat, öffnet sich das Tor. Hat das Fahrzeug das Schnelllauftor passiert, schließt das Tor sofort wieder.




