Sabine Koll
Gesünder, jünger, schöner: Gesunde Ernährung ist der Mehrheit der Bevölkerung ein großes Anliegen. Laut dem Marktforschungsunternehmen Datamonitor steigt die Zahl der Menschen, die proaktiv die Kontrolle über ihre Gesundheit behalten oder erlangen wollen. „Der demografische Wandel trägt ebenfalls dazu bei“, erklärt Professor Dr. Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V. (BVE). „Die Lebenserwartung der Menschen steigt. Und sie wollen auch im Alter noch möglichst lange gesund und fit sein.“ Insofern erfülle Functional Food sehr gut die Bedürfnisse der Verbraucher. Doch nicht nur die ältere Generation greift im Supermarkt gerne zu Lebensmitteln mit gesunden Zusätzen. Ein stressiger Lebenswandel, längere Arbeitszeiten und der daraus resultierende Trend zu Convenience bewirken, dass auch jüngere Konsumenten gerne Speisen oder Getränke zu sich nehmen, die eine schnelle Energiezufuhr und somit höhere Leistung sicherstellen oder eine ausgewogene Ernährung erleichtern. Insofern treiben nach Beobachtungen von Datamonitor Konsumenten jeden Alters die Umsätze mit Functional Food in die Höhe.
Mehr noch: Gesunde Ernährung ist nicht unbedingt eine Frage der Kaufkraft, stellt die gemeinsam von BVE und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erstellte Marktstudie „Consumer’s Choice 07“ fest. Demnach haben deutsche Haushalte 2006 fast ein Viertel mehr für Wellfood – also Bio- und funktionelle Lebensmittel – ausgegeben als vier Jahre zuvor. Dennoch ist sich Professor Dr. Horst sicher: „Die Ernährungsindustrie kann in Deutschland in diesem Marktsegment ein großes Wachstumspotenzial entwickeln. Denn es sind noch sehr viel mehr Menschen für eine gesunde Ernährung zu motivieren.“ Dies bestätigt Datamonitor: Es taxiert den weltweiten Markt für Functional Food auf 72,3 Mrd. Dollar im Jahr 2007. Bis 2012 soll er jährlich um 5,7 % auf 95,3 Mrd. Dollar anwachsen. Der Lebensmittelkonzern Nestlé geht gar davon aus, dass 2050 jedes zweite Lebensmittel mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet sein wird. Lebensmittelriesen wie Nestlé, Unilever und Danone unterhalten eigene Forschungszentren, in denen Wissenschaftler die Lebensmittel der Zukunft entwerfen und testen.
Mehr als ein Drittel aller Konsumenten in Europa achtet beim Einkauf schon heute auf einen gesundheitsfördernden Zusatznutzen von Lebensmitteln, hat das Marktforschungsunternehmen Nielsen im Herbst 2007 ermittelt. Allerdings konzentriert sich ihr Interesse auf einige Lebensmittelgruppen. Der Klassiker ist nach wie vor mit Jod angereichertes Speisesalz. Immerhin 56 % kaufen dies regelmäßig oder hin und wieder. Dahinter rangieren Cholesterin-senkende Öle und Margarine mit 53, probiotischer Joghurt mit 50 sowie Fruchtsäfte mit Zusatzstoffen mit 49 %. Es folgen mit Abstand fermentierte Getränke, Brot mit zusätzlichem Kalzium oder anderen Vitaminen, Cerealien mit Folsäure sowie mit Vitaminen oder anderen Zusatzstoffen angereicherte Milch. In den USA oder auch Lateinamerika hat Functional Food einen noch weit höheren Stellenwert. Der BVE geht davon aus, dass der Markt in Deutschland eine große Dynamik erreicht, wenn die Discounter Functional Food im größeren Stil anbieten als bisher.




