Herr Dr. Sulzer, das Thema Lebensmittelbetrug taucht immer wieder in der Presse auf. Voraussichtlich wird auch von der GFSI das Thema Food Fraud und Authentizität im neuen GSFI Guidance Document Version 7 berücksichtigt. Welche Forderungen gilt es hier für zertifizierte Unternehmen künftig zu berücksichtigen?
Dr. Sulzer: Aktuell liegt der neue GFSI Guide 7 noch nicht vor. Aus einer Zusammenfassung der zu erwartenden Änderungen ist aber für Food Fraud damit zu rechnen, dass die Standardinhaber der Zertifizierungsregelwerke zwei neue Forderungen zu Food Fraud berücksichtigen müssen. Diese sind einerseits die Durchführung einer Verwundbarkeitsanalyse für Food Fraud und andererseits die Einführung und Aufrechterhaltung eines Kontrollplans (zur Beherrschung der ermittelten Risiken). Wie die Verwundbarkeitsanalyse auszusehen hat, darüber gibt es noch keine klaren Hinweise. Die GSI hat aber angekündigt, für das Thema Food Fraud einen Leitfaden zu erstellen.
Im BRC Food und IFS Food wird Food Fraud und die Authentizität der Rohware bereits gefordert. Wie wird das Thema Lebensmittelbetrug beim Lebensmittelstandard FSSC 22000 berücksichtigt?
Dr. Sulzer: Zunächst ist anzumerken, dass der BRC in seiner Version 7 die Forderungen zu Food Fraud bereits vollständig berücksichtigt hat. Zur Umsetzung gibt es auch einen Leitfaden, der eine Vorgehensweise zur Bewertung aufzeigt. Im IFS-Standard wurden nach Bekanntwerden des Pferdefleischskandals zwei Forderungen zur Authentizität ergänzt. Eine vollständige Berücksichtigung des neuen GFSI Guides 7 ist damit aber nicht gegeben. Hier wird der Standardgeber noch weiter tätig werden müssen.
Nun zum FSSC 22000 – dieser hat ja drei wesentliche Elemente als Anforderungen. Das sind die Anforderungen von ISO 22000, ISO/TS 22002-1 und spezifische Forderungen des FSSC. Derzeit spiegeln sich in keinem der drei Elemente klare Anforderungen zu Food Fraud wider. Natürlich kann man z. B. in die ISO 22000 solche Forderungen hineininterpretieren. Da aber die ISO/TS 22002-1 die sektorspezifischen, vorbeugenden Programme (PRP) genauer beschreibt, sind der Interpretation hier Grenzen gesetzt.
Aktuell wird das Thema Food Fraud im Besonderen in der Ausprägung, wie der GFSI Guide 7 das fordern wird, nicht berücksichtigt. Der Standardgeber wird hier also ebenso wie beim IFS Food tätig werden müssen, um die neuen Forderungen einzubauen.
FSSC 22000 ist ein ISO-basierter Lebensmittelstandard, der auf DIN EN ISO 22000 beruht und weltweit immer mehr Akzeptanz findet. Sehen Sie in diesem Managementsystemansatz für Lebensmittelsicherheit einen Vorteil, um Food Fraud zu begegnen?




