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    Kein Pferd im Rinderhack
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    Technik

    Kein Pferd im Rinderhack

    Das Thema Lebensmittelbetrug ist immer wieder für Schlagzeilen verantwortlich und stellt viele Qualitätsbeauftragte bei der Bekämpfung vor große
    Veröffentlicht
    21. April 2017
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Technik

    Herr Dr. Sulzer, das Thema Lebensmittelbetrug taucht immer wieder in der Presse auf. Voraussichtlich wird auch von der GFSI das Thema Food Fraud und Authentizität im neuen GSFI Guidance Document Version 7 berücksichtigt. Welche Forderungen gilt es hier für zertifizierte Unternehmen künftig zu berücksichtigen?

    Dr. Sulzer: Aktuell liegt der neue GFSI Guide 7 noch nicht vor. Aus einer Zusammenfassung der zu erwartenden Änderungen ist aber für Food Fraud damit zu rechnen, dass die Standardinhaber der Zertifizierungsregelwerke zwei neue Forderungen zu Food Fraud berücksichtigen müssen. Diese sind einerseits die Durchführung einer Verwundbarkeitsanalyse für Food Fraud und andererseits die Einführung und Aufrechterhaltung eines Kontrollplans (zur Beherrschung der ermittelten Risiken). Wie die Verwundbarkeitsanalyse auszusehen hat, darüber gibt es noch keine klaren Hinweise. Die GSI hat aber angekündigt, für das Thema Food Fraud einen Leitfaden zu erstellen.

    Im BRC Food und IFS Food wird Food Fraud und die Authentizität der Rohware bereits gefordert. Wie wird das Thema Lebensmittelbetrug beim Lebensmittelstandard FSSC 22000 berücksichtigt?

    Dr. Sulzer: Zunächst ist anzumerken, dass der BRC in seiner Version 7 die Forderungen zu Food Fraud bereits vollständig berücksichtigt hat. Zur Umsetzung gibt es auch einen Leitfaden, der eine Vorgehensweise zur Bewertung aufzeigt. Im IFS-Standard wurden nach Bekanntwerden des Pferdefleischskandals zwei Forderungen zur Authentizität ergänzt. Eine vollständige Berücksichtigung des neuen GFSI Guides 7 ist damit aber nicht gegeben. Hier wird der Standardgeber noch weiter tätig werden müssen.

    Nun zum FSSC 22000 – dieser hat ja drei wesentliche Elemente als Anforderungen. Das sind die Anforderungen von ISO 22000, ISO/TS 22002-1 und spezifische Forderungen des FSSC. Derzeit spiegeln sich in keinem der drei Elemente klare Anforderungen zu Food Fraud wider. Natürlich kann man z. B. in die ISO 22000 solche Forderungen hineininterpretieren. Da aber die ISO/TS 22002-1 die sektorspezifischen, vorbeugenden Programme (PRP) genauer beschreibt, sind der Interpretation hier Grenzen gesetzt.

    Aktuell wird das Thema Food Fraud im Besonderen in der Ausprägung, wie der GFSI Guide 7 das fordern wird, nicht berücksichtigt. Der Standardgeber wird hier also ebenso wie beim IFS Food tätig werden müssen, um die neuen Forderungen einzubauen.

    FSSC 22000 ist ein ISO-basierter Lebensmittelstandard, der auf DIN EN ISO 22000 beruht und weltweit immer mehr Akzeptanz findet. Sehen Sie in diesem Managementsystemansatz für Lebensmittelsicherheit einen Vorteil, um Food Fraud zu begegnen?

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    Dr. Sulzer: Generell bietet natürlich der FSSC-22000-Standard durch die Berücksichtigung der ISO 22000 eine sehr gute Basis für eine weltweite Anerkennung. Die meisten Eigenmarkenstandards sind nach wie vor, auch wenn die Namen das nicht immer vermuten lassen, als regionale Standards anzusehen, die bestimmte Teilmärkte abdecken. Weltweit tätige Konzerne haben schon seit geraumer Zeit als Konzernstandards, eben wegen der weltweiten Akzeptanz und des Umstands, dass es sich um eine ISO-Norm handelt, auf die ISO 22000 gesetzt. Das kommt natürlich der Verbreitung des FSSC 22000 sehr zugute. Die steigende Akzeptanz dieses Standards spiegelt sich auch in der zunehmenden Nachfrage nach Schulungen bei der DGQ oder den Zertifizierungen durch die DQS wieder.

    Für Food Fraud sehe ich aktuell noch keine Vorteile, da dieses Thema noch nicht berücksichtigt ist. Sobald aber die Forderungen des GFSI Guides 7 dort eingebaut sind, kann der Managementansatz natürlich auch die Umsetzung von Food-Fraud-Vorkehrungen unterstützen.

    Ein Skandal kann für Unternehmen in der Lebensmittelindustrie einen enormen Schaden auslösen. Wie können aktuelle und zukünftige Bedrohungen innerhalb der Lieferkette aufgedeckt werden?

    Dr. Sulzer: Ebenso wie mit dem Thema Food Defense die Lebensmittelunternehmen dazu veranlasst wurden, sich mit dem Produktschutz zu befassen, wird auch das Thema Food Fraud dazu führen, die möglichen Gefahren und Risiken genauer unter die Lupe zu nehmen. Dies wird dazu beitragen, das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit dem Lebensmittelbetrug gegenüber zu erhöhen. Da eine Reihe von Betrugspraktiken nicht nur die Verbraucher täuschen, sondern auch die Lebensmittelsicherheit betreffen (vgl. Melamin in Milch), tragen alle Anstrengungen diesbezüglich auch zur Erhöhung der Lebensmittelsicherheit bei.

    Die Lebensmittelunternehmer sind also aufgefordert, sich ernsthaft und intensiv mit den möglichen Gefahren zu befassen. Mit der Durchführung von Verwundbarkeitsanalysen werden sich hier die Schwerpunkte der Betrugsfälle schnell herauskristallisieren, soweit sie nicht schon ohnehin bekannt sind. In der Folge können die Unternehmen dann gezielter die kritischen Rohwaren, die Herkunft und Betrugspraktiken identifizieren und kontrollieren. Mit „kontrollieren“ ist hier aber nicht ausschließlich die bereits ohnehin schon überbordende Analytik gemeint, sondern auch weitere Maßnahmen zur Kontrolle. Diese schließen unter anderem auch die Entscheidung über Qualitätsstufen, Geschäftspraktiken und die generelle Sorgfalt mit ein. All dies kann zu mehr Transparenz in der Lebensmittelkette beitragen. Gleichzeitig gilt hier aber auch anzumerken, dass auch das in Deutschland erfundene „Discount-Prinzip“, das nicht unwesentlich zu Food Fraud beiträgt, seine Grenzen hat.

    www.prozesstechnik-online.de Suchwort: dei0517dgq

    „Mit der Einführung einer Verwundbarkeitsanalyse für Food Fraud undeines Kontrollplans ist zu rechnen.“

    Redakteur,

    dei – die ernährungsindustrie

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