Dipl.-Phys. Martin Witzsch
Der Erfolg von Bionade zieht Investitionen nach sich. Erst im vergangenen Jahr wurde die Abfüllanlage erneuert; dort sind das Wago-I/O-System und IP67-geschützte Passivverteiler im Einsatz. Nun wird die werkseigene Kläranlage ersetzt und erweitert. Im Gegensatz zu normalen Klärwerken werden hier keine Fäkalien, sondern ausschließlich Brauereiabwasser vorgeklärt, d. h. Abwässer aus der Produktion und der Flaschenreinigung. Die Kosten für die direkte Einleitung wären so hoch, dass sich die Investition bereits nach drei Jahren amortisiert. Das vorgereinigte, nur noch schwach belastete Abwasser kann prob-lemlos in die Kanalisation eingeleitet werden, die von den Klärwerken in Mellrichstadt betreut wird.
Die Anlage besteht aus einer Pumpstation und vier Becken: einem Zulaufpuffer, zwei Reaktoren mit je 900 m³ Fassungsvermögen und einem Schlammspeicher. Bereits im Zulaufpuffer werden Sauerstoffgehalt, pH-Wert und Temperatur bestimmt und das Abwasser entsprechend belüftet. Die Belüftung erfolgt über Drehkolbengebläse, die bei relativ niedrigem Druck sehr große Luftvolumina fördern. Vom Zulaufpuffer werden die beiden Reaktoren zeitversetzt beschickt. Dort wird weiter belüftet, biologische Kulturen zugegeben und der Klärschlamm erhält Gelegenheit, sich abzusetzen. Der angereicherte Schlamm wird schließlich in den Schlammspeicher gepumpt. Die in einem separaten Gebäude untergebrachte Anlage wird weitgehend automatisiert. Im Endausbau ist eine Fernüberwachung von mehreren Stationen aus vorgesehen, denn ein Ausfall ist nicht akzeptabel. Jede Störung muss zuverlässig erfasst und gemeldet werden.
Die Situation in Ostheim ist nahezu einmalig: Die Steuerung läuft bereits, obwohl noch Rohrleitungen verlegt werden, ja selbst das Gebäude von außen noch wie ein Rohbau wirkt. Die Verantwortlichen, der Chef der Bionade-E-Werkstatt, Matthias Hansmann, der Automatisierungsspezialist Martin Hußlein von der Husslein Controls & Automation Ltd. & Co. KG in Eltmann und der Programmierer Matthias Falk von Bionade hatten sich nach Rücksprache mit der Betriebsleitung bereit erklärt, in dem Objekt die CANopen-Linie von Speedway zu testen. Deshalb sind die Pumpen, Ventile, Schieber usw. bereits jetzt verkabelt, getestet und einsatzbereit, Wochen bevor die Anlage den Betrieb aufnimmt.
Die gesamte Feldebene wird über Wago-Komponenten erfasst. Analogwerte über das klassische Wago-I/O-System, IFM-Niveausonden laufen über Wago Jumpflex Speisetrenner 857-420. Bei den digitalen Ein- und Ausgängen, Endlagenüberwachung der pneumatischen Ventile, pneumatische Antriebe usw. absolviert Speedway seine erste Bewährungsprobe bei Bionade. Matthias Hansmann blickt zurück: „Ich hatte die Pläne für die Anbindung über das 750er-System bereits gezeichnet. Dann signalisierte Wago im September auf der Motek Lieferfähigkeit für die CANopen-Komponenten, unser Betriebsleiter genehmigte die Änderung und eine Woche später hatten wir die Komponenten im Haus, zum Teil direkt vom Tisch des Produktmanagers. Speedway hat uns schon lange interessiert, deswegen waren wir gerne zu dem Test bereit.“ In der Kläranlage sind ein CANopen-Koppler sowie jeweils drei digitale Eingangs- und Ausgangsmodule verbaut. Matthias Hansmann: „Wir haben die Gelegenheit zum Testen mit Vollgas wahrgenommen. Zum Beispiel haben wir grundsätzlich 20 m lange Leitungen zwischen den Modulen verlegt. Wir wollten wissen, ob Speedway das mitmacht; und es hat problemlos geklappt.“ Überhaupt verlief die gesamte Ins-tallation und Inbetriebnahme bemerkenswert unspektakulär. Speedway macht es dem Anwender einfach. Das beginnt schon bei der Verpackung, auf die gleich eine Bohrschablone aufgedruckt ist. Da Speedway keinen Schaltschrank benötigt, entfällt auch die mühsame Kabelführung durch Tüllen. Nur zwei Kabel für den internen Bus und die 24-V-Spannungsversorgung verbinden die Module untereinander. Verdrahtungsfehler bei der Modulverkabelung und dem Auflegen der Sensoren und Aktoren sind durch die vorkonfektionierten Verbinder praktisch ausgeschlossen. Codierte Stecker (AB-Codierung) für Bus, Ein- und Ausgänge sowie die interne Bus- und Spannungsversorgung verringern ebenfalls das Risiko von Installationsfehlern. Ein weiteres Plus sind die benutzerfreundlichen Kennzeichnungsmöglichkeiten. Selbst im vollbelegten Zustand sind die Beschriftungen noch gut ablesbar. Das vereinfacht Installation und Service.




