Michael Biehl
Das High Power Heating System (IPS) von Indag kombiniert die Vorteile der Ohm’schen Erhitzung und der Radiofrequenzerhitzung. Beide elektrothermischen Verfahren konnten bislang nur alternativ eingesetzt werden und wiesen erhebliche Nachteile auf. Durch eine Synthese beider Methoden ermöglicht IPS die schnelle und gleichmäßige Erhitzung von flüssigen Produkten mit stückigen Bestandteilen ohne die üblichen Qualitätsverluste. Produkteigenschaften wie Farbe, Geschmack und Geruch bleiben in bisher unerreichter Qualität erhalten. Zudem kann durch spezifisch eingestellte Spannungs- und Stromverläufe sowie die Auswahl des Elektrodenmaterials der elektrolytische Abbau der Elektroden und damit der Übergang von Reaktionsprodukten in das Produkt verhindert werden.
Indag ließ IPS 2005 patentieren. Seitdem nutzt Wild, einer der größten privaten Hersteller von natürlichen Inhaltsstoffen für die Getränke- und Lebensmittelindustrie, diese Technologie für die Erhitzung von Fruchtzubereitungen. Besondere Erfolge konnten bei der Erwärmung von sensiblen Früchten wie Erdbeeren erreicht werden. Die Früchte behalten ihre Stückigkeit, ihre natürliche Farbe und das volle fruchteigene Aroma.
Bis die IPS-Anlage in der Praxis eingesetzt werden konnte, mussten die Indag-Ingenieure einen langen Weg zurücklegen: 2002 rief Indag ein eigenes Team ins Leben, das sich ausschließlich mit der Suche nach alternativen Erhitzungsmethoden beschäftigte. Vorversuche zwischen 2000 und 2002 dienten dazu, eine neue Verfahrenstechnik zur Erhitzung stückiger Fruchtzubereitungen zu entwickeln. Bei diesen Versuchen wurde festgestellt, dass das IPS-Verfahren für alle flüssigen und pumpbaren Produkte sehr effizient und schonend ist. Anfang 2003 wurde dann der erste Prototyp eines Generators fertig gestellt und auf einer eigens dafür erbauten Laboranlage für den späteren Einsatz der IPS-Technologie getestet. Es folgte der Aufbau einer Laborversuchsanlage. Hauptkomponenten dieser Anlage sind ein kleiner Kocher, ein Kühler und das dazwischen geschaltete IPS-Erhitzungsmodul. Die ersten handgearbeiteten Röhren waren aus PEEK gefertigt und standen senkrecht in der Anlage. Parallel dazu arbeiteten die Ingenieure an einer Ausführung eines Schrankes, um die Generatoren und Röhren zu integrieren: Heute sind sie liegend angebracht und bestehen aus einem Spezialkunststoff.
Nach den ersten erfolgreichen Tests wurde ab 2003 die bestehende Laboreinheit in den Industriemaßstab überführt. Gleichzeitig wurde ein Prüfstand entwickelt, um die Generatoren auf Dauereinsatz zu testen. 2004 war es dann endlich soweit: Die komplette Produktionsanlage – sie setzt sich aus den Einzelkomponenten Farb- und Aromenbehälter, Vakuumprobenehmer, Bindemittelanlage, Kocher, Kühler und IPS-Erhitzer zusammen – wurde geplant und gebaut. Sie erstreckt sich über drei Ebenen, um durch die Nutzung der Schwerkraft eine schonende Arbeitsweise zu gewährleisten.




